*bantsoc
Band I, Spalte 464
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*bantsoc (?) m. a-St., nur Gl. 2, 661, 45 der
bair. Hs. Clm. 18059 (11. Jh.) belegt in der
Form pâsocha zur Verdeutschung des etym.
noch immer dunklen lat. pero (s. Walde-Hof-
mann, Lat. et. Wb. II, 290), das von Vergil an ei-
ner Stelle seiner Aeneis VII, 690 gebraucht
wird, da er von dem roh gearbeiteten
(Schnür)Stiefel
im Truppenkatalog der itali-
schen Völkerstämme spricht, crudus tegit altera
pero
rechts schirmt den Fuß ein struppiger
Fellschuh
(Rudolf A. Schröder), wozu Vergils
Kommentator Servius notiert: Pero autem est
rusticum calciamentum
(ed. Thilo und Hagen
II [1923], 183). Vgl. auch Isid. Etym. XIX, 34,
13 und für die übrigen literarischen Stellen, die
das Wort heranziehen, E. Schuppes Beitrag zu
Pauly-Wissowa, Realenzykl. XIX, 1, 877 f., so-
wie Heyne, Hausaltertümer III (1903), 265 ff.
285 ff. und Hoops Reallex. IV, 140 f.

Die Besonderheiten der schriftlichen Überliefe-
rung von ahd. pâsocha finden meist ihre Erklä-
rung in der Graphemstatistik von H. J. Velthuis,
De Tegernseeër Glossen op Vergilius (Groningen,
1892), so der Ausfall des -n- vor folgendem
Dental (wie ähnlich in samathafto Gl. 2, 660, 61,
§ 21) und der zusätzliche Schwund des -t- in
der Kompositionsfuge, all dies mit Ersatzdeh-
nung des ursprl. kurzen -a- > -â-; die Schrei-
bung -ch- in -socha steht für -kk-, also *-sokka
(wie ähnlich in echrodo Gl. 2, 633, 59, § 25); das
anl. p- für b- entspricht dem bair. Dialekt der
Hs., das ausl. -a ist beim Namen eines Klei-
dungsstücks wie Schuhe ohne Zweifel auf die
Endung des Nom. Pl. (eines a-Stamms) zu deu-
ten (§ 33).

Ahd. Wb. I, 808; Starck-Wells 42; Graff III, 352.

Demgemäß ist ahd. *bantsoc der mhd. Bil-
dung buntschuoch vergleichbar eine Zss., de-
ren erstes Glied bant-, mit anderem Ablaut, zur
germ. Basis *bind-: *band-: *bund- im Sinne
von binden, verknüpfen, schnüren gehört (
bintan), und deren zweites Wortglied durch das
dem Lat. entlehnte ahd. soc (-kk-) gebildet wird
( soc). Das hybride Kompositum hat sich we-
der im Mhd. noch im Nhd. zu behaupten ver-
mocht, sondern ist offenbar ähnlichen, aber
durchweg einheimischen Bildungen wie mhd.
buntschuoch st. m. Schuh mit Riemen zum Um-
schnüren der Beine
, gebunden schuoch Anf.
15. Jh., frühnhd. bundschuch, nhd. Bundschuh
erlegen, zumal sich dieser Zusammensetzung
seit 1513 oder wohl vorher schon die Bed. eines
politischen Feldzeichens und Schlagworts bei-
gesellte.

Lexer I, 384; Benecke II, 2, 224; Götze, Frühnhd. Gl.6
43; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 27 (aluta). 428 (pero);
ders., Novum gl. lat.-germ. 123; Dt. Wb. II, 522 ff.

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