bar²
Band I, Spalte 466
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bar2, par2 adj., nur an eíner Gl.stelle, 1, 503, 8,
in zwei Hss.: Wien 2723 parremo; Wien 2732
paremo dat. sg. m., beide 10. Jh., bair.: starr
aufgerichtet, (hals)starrig, erectus
(Hiob 15, 26
... erecto collo et pingui cervice ...); zwei andere
Hss., gleichfalls bair., aber ein Jh. jünger, erset-
zen das abgehende Wort durch Formen des adj.
verwendeten part. präs. barrênti (s. d.); aber-
mals ein Jh. später, in der Göttweiger Hs. 103,
nimmt der Glossator seine Zuflucht zu einer
Lehnübersetzung: ufgerihtmo. Man darf vermu-
ten, wohl wegen des Gleichklangs mit einem
anderen Adj., bar1 im Sinne von bloß, einfach,
wurde bar2 schon in mittelalterlicher Zeit außer
Kurs gesetzt.

Ahd. Wb. I, 810; Starck-Wells 42; Graff III, 155.

Auch in den anderen germ. Dialekten begegnen
keine Entsprechungen außer im Anord., einer
der nicht seltenen Fälle von Reliktwörtern, die
sich nur im extremen Süden und Norden des
germ. Sprachgebietes erhalten haben. Schon
immer hat man in aisl. barr n. Nadel(baum),
nschwed. barr, nnorw. ndän. bar dss. einen Ab-
kömmling von germ. *barza- vermutet, der
letzten Endes zur idg. Wz. *bhar- hervorste-
hen
gehörig; baro, bart mit s-Erweiterung
auf die idg. Basis *bhars-: *bhors-: *bhs- em-
por-, dagegenstehen
zurückführte; vgl. noch
air. barr Spitze, Gipfel, mir. borr groß, stolz.

Walde-Pokorny II, 131 f.; Pokorny 108 f.; Vries, A-
nord. et. Wb.2 27; Pedersen, Vgl. Gr. d. kelt. Spr. I, 44.

Daher das doppelte -rr- (< germ. -rz-) in par-
remo (s. o.) und in Ableitungen wie ahd. *bar-
rên starr emporstehen ( barrênti) und bar-
runga (s. d.) sowie dem iterativen oder intensi-
ven *barrez(z)en, mhd. barzen strotzen, hervor-
drängen
( *barrez[z]enti). Gerade die letzt-
genannten Bildungen auf -ez(z)en, -zen haben
ein Echo von ahd. bar2 in obd. Mdaa. bis heute
bewahrt, entweder mit Sekundärumlaut in bair.
pärzen (neben porzen) sich in die Höhe rek-
ken
, übertr. sich brüsten oder sich sträuben
(dazu Substantive wie Parzen, Parzach junges
Nadelholz
, die auch in der Bed. dem heutigen
Skand. vergleichbar sind) oder schweiz. barzen
hervorragen, strotzen.

Schmeller, Bayer. Wb.2 I, 284; Lexer, Kärnt. Wb.
(Nachtr.) 337; Schöpf, Tirol. Id. 31; Kranzmayer,
Wb. d. bair. Mdaa. in Österr. II, 388 ff.; Schweiz. Id.
IV, 1637 f.; Fischer, Schwäb. Wb. I, 1302 f. Vgl. auch
H. Gradl, Zfvgl. Spr. 17 (1868), 21 f. und R. Koegel,
ZfdA. 33 (1889), 22.

S. auch bars, berzo, burst, bursta.

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