barbo
Band I, Spalte 470
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barbo m. n-St., nur in Gl. und im Nom. Sg.:
(Fluß)Barbe, barbus, cluma, smir(v)a (?) (Bar-
bus fluviatilis L.); vielleicht auch Seebarbe
(Mullus L.); übertragen auf die (Gemeine)
Meeräsche
(Mugil capito L.) und den Wels, sil-
urus
(Silurus glanis L.). Die mhd. Form des
Fischnamens ist u. a. in mehreren Gl. des
12.14. Jh.s belegt und zwar als barbe, barb, da-
neben als berbe, perb mit dem ursprl. nur den
Kasus obliqui auf -in zukommenden Sekundär-
umlaut (s. Kranzmayer, Wb. d. bair. Mdaa. in
Österr. II, 317 f.); zugleich wechselt das gram.
Geschlecht zum Fem. hinüber, das auch für
nhd. Barbe beibehalten wird. Die Mdaa. ver-
harren z. T. beim Mask., doch dringt auch hier
unter hochspr. Einfluß neuerdings das Fem.
ein. (Zu dem nur einmal in der späten Gl. 4,
182, 20, 14. Jh., überlieferten pardo bardo
und vgl. Ahd. Wb. I, 812).

Ahd. Wb. I, 811 f.; Starck-Wells 42; Graff III, 207;
Schade 40; Lexer I, 126; Benecke, I, 88; Diefenbach,
Gl. lat.-germ. 68. 413 (pardo); Dt. Wb. I, 1124 f.;
Kluge21 51.

Ahd. barbo geht mit seiner individualisierenden
n-Erweiterung wohl auf eine flektierte Form
von lat. barbus zurück (vgl. Kluge, Urgerm.3
§ 18); inhaltlich nimmt das Wort Bezug auf die
vier für den Fisch charakteristischen Bartfäden
(s. Brehm, Thierleben VIII, 43 ff.). Die Fluß-
barbe wird zum ersten Mal um 370 n. Chr. in
Ausonius’ Dichtung Mosella, v. 94. 134 erwähnt;
zur Beschreibung der Meerbarbe vgl. Plinius,
Nat. hist. 9, 64. Die Übernahme der lat. Voka-
bel ins Germ. scheint auf das Hochdt. be-
schränkt, doch ist das Wort auch in der Roma-
nia heimisch geworden: italien. span. port.
barbo, prov. katal. barb, afrz. barbe (und daher
engl. barb); dazu die Abkömmlinge der mlat.
Dimin. barbulus, barbellus: italien. barbolo, afrz.
barbel (davon mndl. nndl. barbeel sowie engl.
barbel), nfrz. barbeau.

Thes. ling. lat. II, 1748; Walde-Hofmann, Lat. et. Wb.
I, 96; Ernout-Meillet, Dict. ét. lat.4 66; Mittellat. Wb.
I, 1372; Körting, Lat.-rom. Wb.3 Nr. 1231; Wartburg,
Frz. et. Wb. I, 250; Vgl. auch P. Barbier, Revue des
langues romanes 48 (1905), 193 f.; A. Thomas, Roma-
nia 35 (1906), 618.

Auch in den slav. Sprachen hat das Wort Ver-
breitung gefunden, meist wohl auf dem Weg
über dt. Barben pl., wie im Falle von poln. bar-
wena (woraus regional russ. barwená Fluß-
barbe
). Formen wie russ. barbún, serbo-kroat.
bàrbūn gehen auf italien. barbone (< mlat. bar-
bonus) zurück. Weiteres bei Miklosich, Et. Wb.
d. slav. Spr. 8; Berneker, Slav. et. Wb. I, 45; Sad-
nik-Aitzetmüller, Vgl. Wb. d. slav. Spr. Nr. 207;
Vasmer, Russ. et. Wb. I, 55.

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