basa, pasa
Band I, Spalte 495
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basa, pasa f. n-St., nur in Gl.: Tante von Va-
ters Seite, Schwester des Vaters, amita, thia
.
Mhd. base sw. f. dss.; doch übernimmt base
spätmhd. auch die Bed. Schwester der Mutter,
Tante mütterlicherseits
. Nhd. wird das Wort
noch auf andere Verwandtschaftsgrade über-
tragen wie die Frau des Vatersbruders, die
Nichte
, vor allem aber die zur gleichalten Ge-
neration gehörige Kusine; noch weiter gehen
die Mdaa. von heute, zumal in Zss. (s. u.).

Ahd. Wb. I, 830; Starck-Wells 43; Graff III, 215;
Schade 42; Lexer I, 133; Benecke I, 92; Diefenbach,
Gl. lat.-germ. 30 (amita). 351 (mātertera, mātruēlis);
Dt. Wb. I, 1147 f.; Kluge21 54. 840 (Wase).

Das Wort, dem in den außerdt. germ. Dialekten
nichts Entsprechendes zur Seite steht, lautet
mndd. wase: Schiller-Lübben, Mndd. Wb. V,
610; auch Luther gebraucht stets wase, einmal
(3. Mos. 18, 14) mit der Bed. Frau des Vaters-
bruders
, s. Dietz, Wb. z. Luthers dt. Schriften I,
211.

Da es sich also bei ahd. basa nicht um ein germ.
oder idg. Erbwort zu handeln scheint, sondern
um eine relativ jüngere Sonderbildung des
Deutschen, war man von Anfang versucht so
schon im Dt. Wb. I, 1147 f. angedeutet und be-
stätigt durch Verwandtschaftsnamen wie
nschwed. faster < aschwed. faþursystir (anord.
fðursystir), in ahd. basa eine nach Art der Ei-
gennamen zusammengeschobene Kurz- oder
Koseform aus einem ursprl. zweiteiligen Kom-
positum zu erblicken wie etwa *faþur-swésō (so
S. Bugge, PBB 13 [1888], 175, wenngleich mit
allerlei unbeweisbaren akzentuellen Vorausset-
zungen); vgl. Osthoff, Morph. Unters. IV, 62
Anm.: Zu den eigennamenartigen Substantiven
gehören vor allen Dingen auch die Verwandt-
schaftswörter
. Auch Delbrück, Idg. Verwandt-
schaftsnamen 115 f., suchte die Erklärung in die-
ser Richtung, legte jedoch, was sich lautgesetz-
lich nicht rechtfertigen ließ, der Verstümmlung
durch die Kindersprache zur Last. (Vgl. skand.
Kurzformen wie neuschwed. gubbe [< gudfa-
der] Greis, gumma [< gudmoder] alte Frau
u. a.).

In diesen Zs.hang gehört auch der kaum weniger ge-
wagte Versuch, ermutigt durch mlat.-langob. barbas
Vatersbruder (italien. barba Oheim), ein germ. sw.
f. *baswa (< *ba-swōn-) Vaterschwester zu rekon-
struieren, mit lautgesetzlichem Schwund des -w- in
den obliquen Kasus (*baswūn > basûn, s. Braune,
Ahd. Gr.13 § 109 Anm. 2) und anschließendem Aus-
gleich im Nom. und Vok. Sg. Auch hier wäre wohl
für das anl. b- statt f- die Kindersprache verantwort-
lich zu machen, wie übrigens auch für das anl. w- der
mndd. sowie mitteldt. Formen: Assimilation des anl.
b- der ersten Silbe in *baswa- an das w der zweiten
Silbe (s. Kluge21 840). S. C. Salvioni, Romania 35
(1906), 202 ff. (für lat. Herkunft); J. Jud, Arch. f. d. St.
d. neueren Spr. 121 (1908), 96 ff. und ebd. 127 (1911),
436 f. (für germ.-langob.); zuletzt G. Rohlfs, Lexicon
Graecianum Italiae Inferioris (Tübingen, 1964), 79;
vgl. auch Wartburg, Frz. et. Wb. I, 250 (mit Lit.).

Indes zwingt der rein spekulative Ansatz einer
ursprl. zweiteiligen Zss. dazu, auch die mögli-
che Entstehung aus einem Lallwort *ba- zu-
sammen mit dem in vielen Kurz- oder Kosena-
men verwendeten s-Suffix nicht von der Hand
zu weisen, vgl. inschriftlich adt. Hariasa, Name
einer Göttin, 187 n. Chr. (Schönfeld, Wb. d.
agerm. PN 126) oder mhd. Kuse 14. Jh. für Ku-
nigunde sowie Hese für Hedwig, Gese für Ger-
trud (s. Bach, Dt. Namenkunde I § 99). Auch an
moderne Parallelen wie die (bei Bach, ebd. zi-
tierten) Formen von Verwandtschaftsbezeich-
nungen auf -se, rhfrk. Tantese, Mamese, Mamse,
sei hier erinnert sowie ndl. Mams und ne. Pops,
Moms. Vgl. auch die älteren einteiligen (ohne
-s- von *fađer abgeleiteten) n-stämmigen Kurz-
formen des Anglo-Fries.: ae. faðe, -u f. Vater-
schwester
, afries. fethe; dazu mndd. vade (<
urg. *faþōn-), Holthausen, Ae. et. Wb. 98.

Die obengenannte Bed.erweiterung des Wortes in
den Mdaa. der Gegenwart zeigt sich etwa im
Schweiz.-Dt.: Base und zwar vorwiegend =
Tante (Vaters- und Mutterschwester), dann weibl.
Geschwisterkind, weiterhin auf alle weibl. Verwand-
ten bis in fernere Grade ausgedehnt.
Schweiz. Id. IV,
1648 ff.; ähnlich Fischer, Schwäb. Wb. I, 663 f.
(weibl. Seitenverwandte: Cousine, Tante); Jutz,
Vorarlb. Wb. I, 247 f. (Schwester des Vaters oder der
Mutter; weiterhin alle, auch die weitschichtigeren,
weibl. Verwandten, bes. jedoch auch die Kusinen
);
Müller, Rhein. Wb. I, 488 f. (Tante, doch im Ab-
gang begriffen; dagegen allgemein noch als Bez. für
ältere, verheiratete Frau ... Kinder sagen zu jeder
Frau Base
; vgl. auch Schwätz-, Klatsch-, Kaffeebase);
Ziesemer, Preuß. Wb. I, 421 (weibl. Verwandte, Ge-
schwisterkind
).

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