*batôst
Band I, Spalte 502
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*batôst (?) superl. adv. (?): die unvollständige
Buchstabenfolge von fünf lesbaren Zeichen, ba-
tas, und einer Lücke von 12 Buchstaben begeg-
net in dem Teil der Mons. Frg., der ein Stück
aus der ahd. Übersetzung von Augustins 76.
Predigt enthält. Im Latein von Augustins Text
lautet die einschlägige Stelle wie folgt: Ipse
enim Petrus in apostolorum ordine primus, in
Christi amore promptissimus, saepe unus re-
spondet pro omnibus (Migne, Patrologia lat.
XXXVIII, 479); dem entspricht im Ahd.: selbo
Petrus, in dero apostolono antreitin furisto, in
xpēs (d. i. Christes) minniu batas .. garauuo,
Oftlihho ein antuurtit furi alle
.

Ahd. Wb. I, 831; Mons. Frg. 37, 25.

Es kann kein Zweifel sein, daß die Kombina-
tion von ahd. batas .. garauuo (nom. sg. m. sw.
mit konjiziertem -o) den lat. Superlativ promp-
tissimus wiederzugeben versucht, so wie das
voraufgehende grammatisch parallel laufende
furisto einem lat. primus entspricht. Schon das
widerlegt H. F. Massmanns Ergänzung gaga-
rauuiter in der Neuauflage der Erstausgabe der
Mons. Frg. (1841) und dürfte den Ansatz eines
dem ahd. furisto parallelen garauuo rechtferti-
gen. So bleibt nur die Frage: wie hat der Über-
setzer versucht, den lat. Superlativ promptissi-
mus durch garauuo und ein ahd. Steigerungsad-
verb wiederzugeben? Müllenhoff-Scherer
meinten in ihren Anmerkungen (MSD4 348), für
eine solche Umschreibung kämen nur meist, das
aber in Anbetracht des überlieferten Torsos ba-
tas .. von vornherein ausscheidet, oder aber
bazzist, bezzist in Betracht und ließen es bei ei-
nem möglicherweise daraus entstellten *batasat
bewenden. Überlegt man jedoch, daß, wie sie sel-
ber zugaben, in den Mons. Frg. sich keine Spur
ursprünglich ndd. Abfassung zeigt (vgl. dazu
R. Koegel, Lit.gesch. II, 477 ff., im Gegensatz zu
AfdA. 19 [1893], 226), und daß überdies das -a-
der Mittelsilbe ein im Superlativ zu erwarten-
des -ô- vertreten müßte, so wird man sich un-
gern damit zufriedengeben.

Um so williger greifen wir zu der Möglichkeit
(s. Ahd. Wb. I, 831), daß an der nicht mit Si-
cherheit zu entziffernden Stelle ehemals *ba-
tôst gestanden haben könnte, der adverbiale Su-
perlativ eines im Aussterben begriffenen ahd.
Adjektivs *bat, das uns im appellativen Sprach-
gebrauch nur noch zweimal an derselben Glos-
senstelle (1, 166, 38 und 167, 38) überliefert ist
und zwar in der Zss. unpata in den mit Mons.
Frg. wohl gleichalten Hss. Pa und K des Abro-
gans, als adt. Wiedergabe von lat. lentus lang-
sam, zurückhaltend
, also, ohne das negie-
rende Präfix un- in der adt. Übertragung von
Augustin: der zur Liebe Christi am eifrigsten
geneigte (Petrus)
(s. auch Splett, Abrogans-Stu-
dien 242).

Soweit wir uns die Geschichte des Wortes in
Form und Bedeutung aus seinem erstarrten,
aber ausgedehnten Gebrauch im altgerm. Na-
mensschatz, wie ahd. Bato, Gundbato, Batolf, as.
Badu-, ae. Beaduhild, aisl. Bðvildr, Bðvarr,
got. Baduarius und viele andere, wie auch das
anord. bðva-sk kampflustig werden oder
außergerm. air. bodb Krähe, Göttin des
Kampfes
usw. zurechtlegen können, muß der
Sinn des Wortes soviel wie kriegerisch, kampf-
lustig, draufgängerisch
gewesen sein, was ja
auch für die hier erörterte Charakterisierung
des Apostels Petrus durchaus paßt: im übrigen
unbat (mit Lit.).

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