bisamo
Band II, Spalte 106
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bisamoAWB m. n-St., nur in Gl.: Bisam, Mo-
schus (ein Duftstoff), muscus, peregrinum pul-
vis, olfactori(ol)um
Var.: p- und (10.15. Jh.)
-em(e), -im, -am. Mhd. bisem st. sw. m. Bi-
sam
: muscus, daz ist zu däutsch pisem Kon-
rad von Megenberg, Buch der Natur (ca. 1350)
151, 11; daneben tiseme st.m. in Volmars
Steinbuch v. 848 (Mitte 13. Jh., alem.; hrsg.
von H. Lambel), auch tesem (s. u.). Frühnhd.
bisem-, bisen m. in bisemephel Jes. 3, 20 bei
Luther, der aber auch thesem kennt: hat seine
Lust an solchem feinen balsam und thesem

(Dt. Wb. XI, 1, 1, 367). Nhd. Bisam m.

Ahd. Wb. I, 1109 f.; Splett, Ahd. Wb. I, 70; Starck-
Wells 58 f.; Graff III, 218; Schade 67; Lexer I, 284
(bisem); II, 1429 (tesem); Nachtr. 87 (bisem). 374 (ti-
seme); Benecke I, 168; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 373
(muscus). 395 (olfactori[ol]um); Götze, Frühnhd. Gl.
34; Dt. Wb. II, 45; Kluge²¹ 79; Kluge²² 87; Pfeifer,
Et. Wb. 179.

Wie ahd. balsamo (s. d.) ist auch bisamo ein
Lehnwort: mlat. balsamum (mit seinem uner-
klärten -l-) sowie mlat. bisamum gehen letzten
Endes auf denselben orient. Ursprung zurück,
arab. baām, hebr. bāām Balsamstrauch, dazu
hebr. bm Wohlgeruch, syrisch besmō
Wohlgeruch, Salbe, nur dürfte lat. bisamum,
da sich im Griech. nichts Entsprechendes findet,
ohne griech. Vermittlung auf Handelswegen aus
dem Orient übernommen worden sein. Ja, die
beiden Varianten begegnen öfters nach Art eines
Hendiadyoins vereint, so in dem Zitat bei Du
Cange I, 689: ... balsamo bisamoque commis-
cens
, so in Konrads von Würzburg Goldener
Schmiede v. 193: vür den balsam und den bi-
sem
, und fast wörtlich gleichlautend bei Lu-
ther: ...helt seinen Vnflat für bisam vnd bal-
sam
(Dietz, Wb. z. Luthers dt. Schriften² 307).

Lokotsch, Et. Wb. d. eur. Wörter² 25; Lewy, Semit.
Fremdwörter² 41; Frisk, Gr. et. Wb. I, 217 (βάλσα-
μον).

So hat sich das Lehnwort, z. T. in entstellter
Form, über den ganzen germ. Sprachenkreis
ausgedehnt: vor allem zeigt sich außerhalb des
Hochdt. weitgehend ein anlautender Dental,
den man als Dissimilation der labialen Konso-
nantenfolge b m erklären muß, ähnlich wie
mhd. pfedem(e) neben beben aus ahd. pepano
(s. d.), mhd. bidemen aus ahd. bibinôn (s. d.),
nndd. Desemer aus mndd. besemer u. a. (akzep-
tiert von F. Holthausen, PBB 45 [1921], 22 und
Anglia Beibl. 34 [1923], 347 f., für den damit
O. Schlutters phantastische Einfälle erledigt wa-
ren, Anglia 30 [1907], 123 f. und 32 [1909],
515), vgl. Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 140.
Von den drei bei Wadstein, Kl. as. Spr.denkm.,
verzeichneten Belegen lauten zwei mit d- an:
disoma = olfactoriola 76, 13 (Gl. 1, 617, 10
[11. Jh., as. u. hochd.]; Starck-Wells 103); des &-
mo, wohl für desemo = pulvere id est muscus 93,
3536 (Gl. 2, 579, 5 [10./11. Jh., as. u. hochd.];
Starck-Wells 98); ein dritter Beleg, 875, 6, lau-
tet in der Hs. hisemo, wohl verschrieben für bi-
oder disemo = peregrino pulvere (Gl. 2, 497, 16
17 [11. Jh., as. u. hochd.]; Starck-Wells 58 [s. v.
bisamo]; Graff III, 218), s. auch Steinmeyers
Fn. zur Stelle sowie A. Holder, Germania 22
(1877), 401.

Zu diesen andd. Formen gesellen sich mndd. dē-
sem(e), dessem, des(s)en; mndl. dēsem, deesem,
deysom, nndl. dēsem; ae. disma m., disme, -an
f., dem dann erst im 18. Jh. wieder ein aus dem
Schwed. desmanråtta entlehntes desman Bi-
sam(spitzmaus)
(so auch frz. und dt.) ent-
spricht; anord. ist nur eine Zss. bezeugt als Be-
zeichnung einer Bisambüchse, des-hús aus
*des-man-hūs verkürzt nach dem Gesetz drei-
gliedriger Komposita; alle neuskand. Benennun-
gen wie ndän. desmer, nschwed. desman (in Ana-
logie zu saffran, mejran, neben dial. desmar,
-mer) sind wohl aus dem (Mittel)Niederdt.
übernommen, während slav. Entlehnungen wie
tschech. mo, russ. pima auf mittel- oder
oberdt. Formen mit anl. Labial zurückzuführen
sind (s. Miklosich, Et. Wb. d. slav. Spr. 248;
Vasmer, Russ. et. Wb. II, 355).

Holthausen, As. Wb. 8; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. I, 1, 420; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. I,
510; Verdam, Mndl. handwb. 133; Vries, Ndls. et. wb.
112; Holthausen, Ae. et. Wb. 74; Bosworth-Toller,
AS Dict. 205; Suppl. 153; Suppl. II, 19; OED² IV,
205. 525; Cleasby-Vigfusson, Icel.-Engl. Dict. 99;
Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 140; Ordb. o. d. danske
sprog III, 672 ff.; Hellquist, Svensk et. ordb.³ 90;
Svensk akad. ordbok D-1014 ff.

S. auch balsamo.

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