bittar
Band II, Spalte 129
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bittar adj.: bitter (bes. vom Geschmack),
asper, acerbus, amarus
; scharf, schmerzhaft,
verletzend, acer, mordax
; abweisend, amari-
cans
u. a. Var.: p-; -ir, -ur, -er u. a.. Mhd.
nhd. bitter.

Ahd. Wb. I, 1136 ff.; Splett, Ahd. Wb. I, 71; Schütz-
eichel⁴ 77; Starck-Wells 61; Graff III, 88; Schade 71;
Lexer I, 287; Benecke I, 176; Diefenbach, Gl. lat.-
germ. 28 (amārus). 54 (asper); Dt. Wb. II, 53 ff.; Klu-
ge²¹ 80; Kluge²² 88; Pfeifer, Et. Wb. 180.

Wie zu erwarten, hat das ahd. Adj. in allen an-
deren germ. Dialekten seine Entsprechungen,
die sich, soweit westgerm., von ahd. bittar kaum
unterscheiden: sie zeigen Doppelung und Be-
wahrung von germ. *-t- vor -r- (Braune, Ahd.
Gr.¹⁴ § 96b) außer gelegentlichen Formen mit
einfachem -t-, die daher rühren, daß -r- noch
vor Eintritt der Kons.Gemination silbisch ge-
worden war (etwa in ae. bit[u]r [biter], gen.sg.
bittres, s. Sievers-Brunner, Ae. Gr.³ § 228 und
Anm.), und sie zeigen Sekundärvokal, vorzugs-
weise a, zwischen t und r (s. Braune § 65) mit
Ausnahme der flektierten Formen, in denen er
häufig unterdrückt wird, wie in ahd. pittres,
pittremo, pittran; as. bittar, mndd. bitter; mndl.
nndl. bitter; ae. biter, me. bitter, auch biter, ne.
bitter; aisl. bitr, während die skand. Formen
von heute allesamt eine aus ndd. bitter impor-
tierte Form bitter aufweisen (eine einheimisch
ndän. Form lebt nur in dem umgangssprachli-
chen bider-hvas sehr scharf fort); allein got.
*baitrs unterscheidet sich durch die Vollstufe
seines Stammvokals, idg. *-oi-, statt der sonst
durchweg vertretenen Tiefstufe *-i-, was dem
Verhältnis von aind. citrá- augenfällig, hell
und ahd. heitar heiter, hell, klar vergleichbar
ist ( *beiskar).

Fick III (Germ.)⁴ 270; Holthausen, As. Wb. 8; Sehrt,
Wb. z. Hel.² 54 f.; Berr, Et. Gl. to Hel. 54; Lasch-
Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 286; Schiller-Lüb-
ben, Mndd. Wb. I, 346; Verdam, Mndl. handwb. 100;
Franck, Et. wb. d. ndl. taal² 67; Vries, Ndls. et. wb.
61; Holthausen, Ae. et. Wb. 25; Bosworth-Toller, AS
Dict. 105 f.; Suppl. 95; Suppl. II, 11; ME Dict. AB,
928; OED² II, 232 f.; Oxf. Dict. of Engl. Et. 97; Vries,
Anord. et. Wb.² 38; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 603;
Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 17; Falk-Torp,
Norw.-dän. et. Wb. I, 76; Torp, Nynorsk et. ordb. 25;
Hellquist, Svensk et. ordb.³ 44; Feist, Vgl. Wb. d. got.
Spr. 77; Lehmann, Gothic Et. Dict. B-13. Vgl. auch
Seebold, Germ. st. Verben 97.

Außergermanisch gibt es für ahd. bittar keine
entsprechenden Wortbildungen; spezifisch idg.
ist wohl nur der Gebrauch des idg. -ro-For-
mans, das gerade in der adj. Bedeutungsgruppe
von dt. bitter, sauer, scharf, ahd. eivar bitter,
zangar scharf, lat. ācer scharf, gr. πικρός bit-
ter
, lit. aitrùs herb, bitter beheimatet zu sein
scheint (s. Lidén, Arm. Stud. 58; Brugmann,
Grdr.² II, 1 § 257; Kluge, Nom. Stammbildung³
§ 194; Wilmanns, Dt. Gr. II § 322). Nur für das
Slav. hat M. Niedermann, IF 37 (191617),
145 ff., indem er aksl. bridъkъ auf eine Grund-
form ohne r-Metathese zurückführte, ein ehe-
maliges aksl. *bidrъ rekonstruiert = gr. δρῑμύς
bitter, scharf, herb, wobei -i- in *bidrъ aller-
dings nicht wie in ahd. bittar auf idg. *i zurück-
gehen kann; die von Niedermann vorgeschlage-
ne volksetym. Anlehnung eines ursprl. aksl.
*bědrъ oder *bьdrъ an slav. *briti schneiden,
scheren
hat jedoch ebensowenig Anklang ge-
funden wie seine nur durch die Analogie zu gr.
πικρός > neugr. πρικός begründete Metathese
(s. Walde-Pokorny II, 194; kritisch auch Vas-
mer, Russ. et. Wb. I, 123 (s. v. bridkój).

So bleibt es bei dem Hinweis, daß ahd. bittar
über germ. *bit-ra- auf die idg. Basis *bhid-,
Tiefstufe zu *bhod- beißen, zurückzuführen
ist (vgl. H. Penzl, Lang. 32 [1956], 353;
A. Greule, IF 76 [1971], 39 f.).

S. auch beiskar, bîzan.

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