blas
Band II, Spalte 162
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blas adj., nur in Gl.: mit einer Blesse verse-
hen (von Pferden), candidus, calidus (vgl. Du
Cange II, 31; Thes. ling. lat. III, 169), palli-
dus
; auch in der Zss. blas-ros Pferd mit wei-
ßem Stirnfleck
(Gl. 3, 79, 11; 13. Jh.). Mhd.
(selten) blas kahl (vgl. nndl. bles kahl, s. u.);
gering, schwach (d. h. kahl an Ansehen?;
Neidhart 48, 18); mit der Bed. blaß, bleich
zuerst in Norddeutschland (Brun v. Schone-
becke, 13. Jh.) und in der Sprache des
Deutschordens (Nicolaus v. Jeroschin, 14. Jh.).
Nhd. blaß (im 16. Jh. noch selten, bei Luther
nicht belegt, obgleich er das Verb erblassen
kannte; erst seit dem späten 17. Jh. in der
Schriftsprache allgemein, neben bleich; fehlt
noch in obd. Mdaa.).

Trotz O. Schlutter, Zfdt. Wortf. 14 (191213), 141 f. ist
ahd. plasas Gl. 2, 655, 43 wohl nom. sg.neutr. des Adj.
(zur Endung vgl. H. J. Velthuis, De Tegernseeër Glossen
op Vergilius 71), nicht fehlerhaft für *plasa f. Blesse.
Ahd. Wb. I, 1176. 1182 (blasros); Splett, Ahd. Wb. I,
76; Starck-Wells 64; Graff III, 257; Schade 74; Lexer
I, 296; Benecke I, 200; Dt. Wb. II, 72 f.; Kluge21 81
(blaß). 84 (Blesse); Kluge22 89 f. 92; Pfeifer, Et. Wb.
183 (blaß). 187 (Blesse); Trübners Dt. Wb. I, 348 f.;
Weigand, Dt. Wb.5 I, 247. 252.

Zu vergleichen sind as. blas candidus (Hs. cadi-
us; vgl. Wadstein, Kl. as. Spr.denkm. 109, 18.
174; Ahd. Wb. I, 1176), mndd. blāsen(hingest,
-pert) Pferd mit weißem Stirnfleck; mndl. bles
adj. mit weißem Stirnfleck; kahl, nndl. bles f.
Blesse, Pferd mit Blesse; adj. kahl; ne. blaze
Blesse; Markierung (an Bäumen) (zuerst im
17. Jh. belegt) ist wohl ein Lehnwort (aus dem
Skand.? Ndl.? Nddt.?; vgl. OED2 II, 269 f.;
W. W. Skeat, Notes on Engl. Etym. [Oxford,
1901], 9; Oxf. Dict. of Engl. Et. 99); aisl. blesóttr
adj. mit weißem Stirnfleck (< *-uhta-; zur Bil-
dung vgl. Kluge, Nom. Stammbildung3 § 218,
und bartohti), blesi m. Beiname für ein Pferd
mit Blesse, nisl. nnorw. blesa Blesse, nschwed.
bläs(a), ndän. blis dss.. Dazu mit gramm.
Wechsel und Rhotazismus mndd. blāre f.
Blesse; mndl. blaer adj. mit weißem Stirnfleck;
kahl
, nndl. blaar f. Blesse; ae. blere adj. mit
weißem Fleck; kahl
.

Anders Pokorny 160: mndd. blāre < *bhlē-ro- und
mit mir. blār mit weißem Stirnfleck, kymr. blawr
grau, bläulich nahe verwandt; blâo. Bei Walde-
Pokorny ist mndd. blāre sowohl unter *bhles- (ahd.
blas, II, 217) als auch unter *bhlēos (ahd. blâo, II,
212) zu finden! Besonders wegen ae. blere, das Po-
korny wohl nicht kannte, ist seine Deutung abzuleh-
nen. Der lange Vokal in den mndd. und ndl. Formen
ist durch Dehnung in einer offenen Silbe regelmäßig
entstanden (< *blazō-, *blaza-); vgl. Meer, Hist. Gr.
d. ndl. Spr. § 8; Lasch, Mndd. Gr. § 74.

Fick III (Germ.)4 285 f.; Holthausen, As. Wb. 8;
Lasch-Borchling, Mndd.Handwb. I, 1, 290 f.; Schiller-
Lübben, Mndd. Wb. I, 352 f.; Verdam, Mndl.
handwb. 101 f.; Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 70 f.;
Vries, Ndls. et. wb. 61. 64; Holthausen, Ae. et. Wb. 27
(blere); Bosworth-Toller, AS Dict. 109 (fehlerhaft);
Suppl. 97; Suppl. II, 11; W. Lehmann, Anglia Beibl. 17
(1906), 296 f.; M. Förster, Anglia 41 (1917), 122 f.;
O. Schlutter, Anglia 48 (1924), 388 ff.; L. Miles, Philol.
Quart. 45 (1966), 435 f.; Vries, Anord. et. Wb.2 43;
Jóhannesson, Isl. et. Wb. 646 f.; Holthausen, Vgl. Wb.
d. Awestnord. 19; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 83;
Torp, Nynorsk et. ordb. 29; Hellquist, Svensk et.
ordb.3 84.

Die aufgrund dieser Formen anzusetzende ur-
germ. Basis *las-, ablautend *les- glänzen,
leuchten
kommt auch mit einer anderen Bed. in
einigen westgerm. Sprachen vor: mhd. mndd.
blas n. Fackel, brennende Kerze; ae. blæse
Fackel, Feuer, me. blāse, blease, blēse Flam-
me, Feuer
, ne. blaze dss., und in der Erweite-
rung ahd. blasmo Flamme (s. d.), andfrk. *blas-
mo (Hs. blasma; vgl. Helten, Aostndfrk. Psal-
menfrag. 63. 163 f. [§ 68]).

Die Wurzelform *les- ist eine nur im Germ. be-
legte Erweiterung der idg. Wz. *bhel(ǝ)-
[**bhel(H1)-] glänzend, weiß ( bal2, be-
licha); vgl. aind. bhsati scheint, leuchtet neben
bhti leuchtet (Krahe-Meid, Germ. Sprachwiss.
III § 187).

Walde-Pokorny II, 217; Pokorny 158.

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