bort¹
Band II, Spalte 249
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bort¹ m. oder n. a-St., nur in Gl., nur nom.
akk. sg. belegt: Rand, Kante, Einfassung, co-
rona, labium; Handhabe, Griff, ansa; kleiner
Schild oder Schildrand, sculturius, -orius
(?
vgl. Diefenbach, Gl. lat.-germ. 521 und Gl.
3, 668, 46: scultorius prort .i. breue scutum und
s. u.) Var.: p-; -th, -d. Mhd. bort st. m. n.
Rand, Schiffsrand, Bord; nhd. Bord m.
Schiffsrand, Rand.

Ahd. Wb. I, 1267; Splett, Ahd. Wb. I, 88; Starck-
Wells 70; Graff III, 213; Schade 80; Lexer I, 329;
Nachtr. 97; Benecke I, 223; Dt. Wb. II, 238 f.; Klu-
ge²¹ 92; Kluge²² 98; Pfeifer, Et. Wb. 200 f.

Entsprechende Wörter mit ähnlichen Bed. kom-
men in fast allen germ. Sprachen vor: as. bord
m. (Schiffs)Bord, Rand, Schild (?s. u.), mndd.
bort (-d-) f.m. Rand, Saum, Einfassung, Ufer;
mndl. boort, bort, bord (Schiffs)Bord, Rand,
nndl. boord Rand, Saum, Schiffsbord; afries.
bord m. Schiffsbord; ae. bord n. Bord, Rand,
Schild (? s. u.)
, me. brd n. Schiff, Schild(?),
ne. board Schiffsrand in Wendungen wie a-
board, on board (eines Schiffes usw.), starboard
Steuerbord usw.; aisl. nisl. borð n. Rand,
Kante, bes. Schiffsrand
, nnorw. ndän. nschwed.
bord (aus dem Skand. entlehnt lapp. [norw.]
bordde Bootstand; vgl. Quigstad, Nord.
Lehnw. im Lapp. 114). Das Wort ist im Got.
(wenigstens mit gleichen Bed.) nicht belegt.

Aus dem Germ. entlehnt ist afrz. bort, nfrz.
bord Rand, Seite, Saum, Schiffsbord (daraus
border einfassen, bordure Einfassung, Borte,
Rahmen
> engl. border).

Fick III (Germ.)⁴ 262 f.; Holthausen, As. Wb. 9;
Sehrt, Wb. z. Hel.² 59; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. I, 1, 330; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. I,
400 f.; Verdam, Mndl. handwb. 109; Franck, Et. wb.
d. ndl. taal² 83; Vries, Ndls. et. wb. 77 f.; Holthausen,
Afries. Wb.² 11; Richthofen, Afries. Wb. 662; Holt-
hausen, Ae. et. Wb. 30; Bosworth-Toller, AS Dict.
116; Suppl. 101; Suppl. II, 11; ME Dict. AB,
1047 ff.; OED² II, 338 f.; Oxf. Dict. of Engl. Et. 103;
Vries, Anord. et. Wb.² 50; Jóhannesson, Isl. et. Wb.
617; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 22; Falk-
Torp, Norw.-dän. et. Wb. 34; Torp, Nynorsk et. ordb.
34; Hellquist, Svensk et. ordb.³ 91. Wartburg, Frz.
et. Wb. XV, 1, 180 ff.; Gamillscheg, Et. Wb. d. frz.
Spr.² 127; Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.³ Nr. 1215;
Körting, Lat.-rom. Wb.³ Nr. 1511.

bort¹ ist trotz aller Gegenargumente (s. u.) nicht
von bort² Brett (s. d.) zu trennen. In der See-
mannssprache bedeutete germ. *orđa- schon
sehr früh sowohl Schiffsplanke wie Schiffs-
rand
: nach H. Sperber, WuS 6 (191415), 44 ff.
wurden in der Vorzeit auf den Rand des Ein-
baums Bretter aufgesetzt, um seine Seefestigkeit
zu erhöhen. Die weitere Bedeutungsentwicklung
wurde auch durch das ähnlich klingende und in
einigen Bed. fast synonyme *rorđa- Rand,
Kante
( brort) beeinflußt; ja, im Ahd. sind
bort und brort auswechselbar geworden (s.
Lühr, Stud. z. Hildebrandlied 720 ff.).

Obgleich das im As., Ae. und wohl Ahd. belegte
germ. Wort *orđa- Schild meistens zu bort¹
gestellt und wie ae. rand, rond Schild ( rant)
durch Synekdoche erklärt wird, ist es auch mög-
lich, daß dieses Wort, wie ae. lind, scyld ( lin-
ta
, skilt) ursprl. den ganzen hölzernen Schild
bezeichnete (vgl. die ae. Zss. bordrand Schild-
rand
und s. C. Brady, Anglo-Saxon England 8
[1979], 125 f.). Später, als *orđa- auch die
Bed. Rand annahm, ging der Zusammenhang
mit der Grundbed. verloren (im Ahd. übersetzen
sowohl bort als auch brort das unklare lat. Lem-
ma sculturius, -orius).

Zur Etymologie bort², bret.

Daß spätgerm. *orđa-¹ aus *rorđa- dissimiliert wur-
de (so u. a. Weigand, Dt. Wb.⁵ 268; Kluge²¹ 92), ist
sehr unwahrscheinlich, denn nicht-dissimilierte For-
men leben im Ahd., Ae. und Anord. weiter ( brort,
brart).

S. auch borto.

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