brât
Band II, Spalte 298
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brât n. a-St., brâto m. n-St., nur in Gl.:
Fleisch ohne Fett und Knochen, Muskel-
fleisch, Fleischstück, Braten, pulpa, offella, co-
padium, assatura
. Mhd. brât st.n. Fleisch,
Weichteile am Körper
, brâte sw. m. dss. auch
Braten; nhd. (obd. mdartl.) brat(e), brät(e)
schieres Fleisch, hochsprl. Braten Braten
(mdartl. auch schieres Fleisch). Vgl. auch
mhd. wildbrât, -braete, nhd. Wildbret Fleisch
vom Wild
.

Ahd. Wb. I, 1323 f.; Splett, Ahd. Wb. I, 96; Starck-
Wells 74. 795; Graff III, 284; Schade 82; Lexer I, 342;
Benecke I, 233; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 55 (assatu-
ra). 149 (copadium). 472 (pulpa); Dt. Wb. II, 308 f.;
Kluge21 96; Kluge22 102. Schweiz. Id. V, 871 f.;
Schmeller, Bayer. Wb.2 I, 369; Kranzmayer, Wb. d.
bair. Mdaa. in Österr. III, 746 ff. 748 ff.; Fischer,
Schwäb. Wb. I, 355 f.

Verwandte Wörter kommen fast in allen germ.
Sprachen vor: as. bēn-brād Wade, sura, quek-,
quicbrādo Muskel (des Oberarms), lacertus,
mndd. brāde Dickfleisch, Hüftfleisch, Keule,
Braten
; mndl. brāde Wade, Muskel, gebratenes
Fleisch
, nndl. wildbraad Wildbret; ae. brǣd
Fleisch, brǣde Braten, lende(n)brǣd(e) Len-
de
, me. brēde Braten; aisl. bráð (rohes)
Fleisch, Fleisch von Jagdtieren
, ndän. brad
Braten, veraltet Jagdbeute, nschwed. ville-
bråd Wildbret.

Fick III (Germ.)4 263 f.; Holthausen, As. Wb. 59; Gal-
lée, Vorstud. z. e. andd. Wb. 20. 245; Lasch-Borchling,
Mndd. Handwb. I, 1, 338; Schiller-Lübben, Mndd.
Wb. I, 412; Verdam, Mndl. handwb. 114; Franck, Et.
wb. d. ndl. taal2 89 (s. v. braden); Vries, Ndls. et. wb.
83 (s. v. braden); Holthausen, Ae. et. Wb. 32; Bos-
worth-Toller, AS Dict. 119. 629; Suppl. 103. 610; ME
Dict. AB, 1121; Vries, Anord. et. Wb.2 52; Jóhan-
nesson, Isl. et. Wb. 614; Holthausen, Vgl. Wb. d.
Awestnord. 23; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 96.
1440; Hellquist, Svensk et. ordb.3 1345.

Das germ. Wort erscheint im 6. Jh. bei dem am
Hof der Frankenkönige lebenden byzant. Arzt
Anthimus latinisiert als brado, -onis Schinken
(vgl. K. K. Klein, Ammann-Festschrift 125); aus
dem Mittellat. oder Gallorom. ging dann aprov.
brazon Wulst am Arm, Oberarm, afrz. braon
Wade, Wulst hervor.

Mittellat. Wb. I, 1561; Körting, Lat.-rom. Wb.3 Nr.
1538; Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.3 Nr. 1259; Wart-
burg, Frz. et. Wb. XV, 1, 234 f.

Die Herkunft des Wortes ist dunkel. Wegen der
Bed. der älteren Belege wird allgemein ange-
nommen, daß es ursprl. mit dem Verb braten (
brâtan) nichts zu tun hatte, sondern erst sekun-
där dem Verb angeglichen wurde.

Nur Falk-Torp, a. a. O. und Hellquist, a. a. O. be-
stehen noch auf der Verknüpfung mit braten; vgl. auch
Fick, a. a. O.

Die wenigen etym. Versuche sind verfehlt: Verwandt-
schaft mit dt. mürb(e) (br- < mr-), Kluge21 96 u. a.,
ist lautlich unwahrscheinlich; M. Höflers Erklärung,
Dt. Krankheitsnamenbuch 69: vermutlich vom kult.
Brand-Opfer entnommener Ausdruck im Gegensatz
zu den nicht so leicht verbrennbaren Knochenteilen

ist ganz unglaublich.

Außergerm. wird mir. broth Fleisch herangezogen
(Kluge22 102; schon Dt. Wb. II, 308, in der Form
bruith), aber die Etymologie dieses Wortes ist auch
höchst unsicher. Viell. ist es identisch mit air. mir.
broth Ähre, Korn, Frucht, Ertrag (vgl. lat. frutex und
broz; vgl. Dict. of Irish B-205; Vendryes, Lex. ét. de
l’irl. anc. B-98; zur Bed. vgl. ne. meat Speise, eßbarer
Teil von Früchten usw., Fleisch
.

Wenn germ. *rǣđa- ursprl. mürbes Fleisch bedeute-
te, so ließe es sich viell. von einer Erweiterung *bhrē-
der idg. Wz. *bher- mit einem scharfen Werkzeug be-
arbeiten, reiben
herleiten (Pokorny 133 ff.; vgl. von
der Erweiterung *bhrē- lat. friō zerreibe, [aus der
Schwundstufe **bhriH- mit Laryngalmetathese], Po-
korny 166, und muru[w]i); es fehlt aber an Entspre-
chungen in den anderen idg. Sprachen.

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