brettan
Band II, Spalte 327
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brettan st. v. III, nur Otfrid 4, 17, 1: (das
Schwert) ziehen, zücken, educere
; (auch in
den Zss. gibrettan, intbrettan, irbrettan, zibret-
tan, s. u.). Formen: prät. sg. brat(t), prät. pl.
-bruttun, part. prät. -brottan; Var.: pr-.
Mhd. bretten st. v. ziehen, zücken, weben;
nhd. mdartl. bretten st.sw. v. (s. u.).

Ahd. Wb. I, 1375 f.; Splett, Ahd. Wb. I, 103; Schütz-
eichel4 80; Starck-Wells 77; Graff III, 287; Schade 84;
Lexer I, 351; Benecke I, 259; Dt. Wb. II, 378 f.
Schweiz. Id. V, 916 f. (flechten, stricken); Ochs, Bad.
Wb. I, 323 (flechten, stricken); Schmeller, Bayer.
Wb.2 I, 372 f.; Kranzmayer, Wb. d. bair. Mdaa. in
Österr. III, 923 (dengeln; eggen, hierher?; vgl. auch
Müller, Rhein. Wb. I, 974).

Der Vergleich mit verwandten Verben in den
anderen germ. Sprachen zeigt, daß ahd. -tt- <
*-kt- assimiliert worden ist und auf germ. *-đ-
zurückgeht: vgl. as. *bregdan (nur 3. pl. prät.
brugdun Hel. 1177) knüpfen, flechten, mndd.
breiden, brēiden sw. v. stricken, flechten (zu
*-ad- > *-aid- > -eid- vgl. Lasch, Mndd. Gr.
§ 126 f.); mndl. breiden, breien sw. v. weben,
flechten
, nndl. breien stricken (vgl. Franck,
Mndl. Gr. § 118; Meer, Hist. Gr. d. ndl. Spr. §
166, 2); afries. breida, brīda st. v. ziehen, zük-
ken, widerrufen
(vgl. Helten, Lex. d. Aostfries.
68. 246; ders., Aostfries. Gr. § 270 β), nostfries.
breiden, breien stricken, nwestfries. breidsje
stricken, weben; ae. bregdan, brēdan st. v.
schwingen, zücken, ziehen, flechten, verwan-
deln, täuschen usw.
(vgl. Campbell, OE Gr. §
243; Sievers-Brunner, Ae. Gr.3 § 214, 3), me.
breiden, brēden, braiden st.sw. v. schnell bewe-
gen, ziehen, zücken, flechten, (sich) verwan-
deln
, ne. braid sw. v. flechten; aisl. bregða st. v.
schnell bewegen, schwingen, winden; flechten;
verändern, wechseln; beschuldigen
, nisl. breg-
ða, nnorw. bregda, aschwed. bræghþa, ält.
ndän. bre(i)de, ndän. bebreide. Das Wort ist im
Got. nicht belegt.

Fick III (Germ.)4 278; Seebold, Germ. st. Verben
129 ff.; Holthausen, As. Wb. 9; Sehrt, Wb. z. Hel.2
61; Berr, Et. Gl. to Hel. 64 f.; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. I, 1, 343. 345; Schiller-Lübben, Mndd. Wb.
I, 418; Verdam, Mndl. handwb. 116; Franck, Et. wb.
d. ndl. taal2 91; Vries, Ndls. et. wb. 85 f.; Holthausen,
Afries. Wb.2 12; Richthofen, Afries. Wb. 670; Doorn-
kaat Koolman, Wb. d. ostfries. Spr. I, 225; Dijkstra,
Friesch Wb. I, 231; Holthausen, Ae. et. Wb. 33; Bos-
worth-Toller, AS Dict. 122; Suppl. 104 f.; Suppl. II,
12; ME Dict. AB, 1128 ff.; OED2 II, 478 f.; Oxf.
Dict. of Engl. Et. 113; Vries, Anord. et. Wb.2 55; Jó-
hannesson, Isl. et. Wb. 621; Holthausen, Vgl. Wb. d.
Awestnord. 24; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 56;
Torp, Nynorsk et. ordb. 39; Noreen, Aschwed. Gr. §
164. 171.

Germ. *ređan- mit seinen vielen Bedeutungen
hat keine sichere Etymologie. Es läßt sich auf
idg. *bhreg-, *bhregh- oder am wahrscheinlich-
sten wenn ahd. bruogen (< *rō-jan- er-
schrecken
(s. d.) und brehan triefäugig (s. d.)
verwandt sind auf *bhrek- zurückführen, mit
einem *-dho-Suffix (wohl ursprl. nur im Präs.,
vgl. aisl. bregða : brá; s. aber Collitz, Schw. Prät.
110 f.; zur idg. *-dho-Erweiterung vgl. Brug-
mann, Grdr.2 II, 3 § 290 ff.), wie in ae. stregdan
(zer)streuen, wohl < *strek-dho- (vgl. aksl.
strěkati stechen, [an]stacheln, Sadnik-Aitzet-
müller, Handwb. z. d. aksl. Texten Nr. 125. 310;
Trautmann, Balt.-Slav. Wb. 289). Trotz See-
bold, a. a. O., ist es nicht notwendig, eine -to-
Erweiterung nur deshalb anzusetzen, weil idg.
*-dho- zufällig nur in diesen zwei Verben nach
Gutturalen belegt ist.

Meistens wird germ. *ređan- auf idg. *bhre-
dho- zurückgeführt, zur Basis *bhere- (Po-
korny *bherǝ-, *bhrē-) glänzen, und mit
mhd. brehen plötzlich und stark leuchten, aisl.
brjá glänzen verglichen ( brahsa, brâwa, bre-
han). Diese Basis, wie die gleichbed. *bhere-
oder *bherǝ- [**bherH1-], beraht, ist wohl
eine Erweiterung von der Wz. *bher- glänzend.
Von einer ursprl. Bed. etwa flimmern, (auf)-
glänzen
hätten sich dann die weiteren Bed. ra-
sche, zuckende Bewegungen machen
(vgl. nhd.
blitzschnell, engl. I’ll be back in a flash),
schwingen, flechten (den Faden hin und her
schwingen
) usw. entwickelt.

Man hat gelegentlich an der Möglichkeit einer
so umständlichen Bed.entwicklung und deshalb
an dem Zusammenhang mit *rehan- gezweifelt
(so u. a. Vries, Ndls. et. wb. 85 f.). Dennoch
scheint dieser Zs.hang durch den Vergleich von
aisl. aug(n)abragð Blick; Augenzwinkern; Au-
genblick
, bragð schnelle Bewegung; Ausse-
hen
(zu *ređan-) mit got. braƕ augins Au-
genblick
(zu *rehan-) bestätigt (vgl. A. L.
Lloyd in Hist. Lex. of the German Lang. I,
71 ff.).

Walde-Pokorny II, 169; Pokorny 141 f.; Feist, Vgl.
Wb. d. got. Spr. 103; Lehmann, Gothic Et. Dict. B-92.
Weniger wahrscheinlich ist der schon von K. F. Johans-
son, Zfvgl.Spr. 30 (1890), 446 f. und Brugmann,
Grdr.2 II, 3, § 291, vorgeschlagene Vergleich mit lit.
mérkti die Augen schließen, blinzeln usw. < idg.
*merk- : *mrek- ( morgan), denn eine germ. Laut-
entwicklung *mr- > *br- ist sehr zweifelhaft (vgl.
auch Seebold, a. a. O.).

Nur sehr unsichere Wurzeletymologien bietet Seebold,
a. a. O. 132: aind. bhuráti bewegt sich schnell (ge-
wöhnlich zu *bherǝ- aufwallen, sich heftig bewegen
gestellt, vgl. Mayrhofer, K. et. Wb. d. Aind. II, 508;
ders., Et. Wb. d. Altindoar. II, 250 f.; Walde-Pokorny
II, 157 f.; Pokorny 132 f.), mir. bras schnell, lit. bruz-
dùs, bruzgùs schnell, bruzdti sich tummeln, aksl.
brъzo rasch, schnell, lat. confestim sofort (alles ge-
wöhnlich zu *bher[e]s- schnell, Pokorny 143 oder
*bhers- eilen, Walde-Pokorny II, 175 gestellt; vgl.
auch Vendryes, Lex. ét. de l’irl. anc. B-79). Semantisch
wäre die Herleitung von *ređan- wie auch aller
obigen Wörter aus einer idg. Wz. *bher- schnell;
schnelle Bewegungen machen
(?) zwar möglich, aber
für eine *-ek-, *-eg(h)- oder *-e-Erweiterung von ei-
ner solchen Wz. fehlen Parallelen. Abzulehnen Vries,
Ndls. et. wb. 85 f.; ders., Anord. et. Wb.2 55: *ređan-
habe ursprl. flechten bedeutet und gehe auf eine idg.
Wz. *bher- Zaun, Zaungeflecht zurück (ganz im
Sinne von J. Trier, Holz 81 ff.).

S. auch *brîtan, brittil, bruogen, brutten.

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