broz
Band II, Spalte 363
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broz n. a-St., nur in Gl.: Knospe, Sproß,
junger Trieb (eines Baumes oder Weinstocks),
gemma; Spätfeige (Ficus carica L.), grossus

Var.: p-. Mhd. broz st. n. Knospe, Sproß.
Frühnhd. broß n. Knospe, Auge der Rebe.
In der Sprache der Gegenwart lebt das Wort
nur noch mdartl. weiter (s. u.).

Ahd. Wb. I, 1427 f.; Splett, Ahd. Wb. I, 109; Starck-
Wells 80; Graff III, 369; Schade 86; Lexer I, 361;
Nachtr. 106; Benecke I, 260 f.; Diefenbach, Gl. lat.-
germ. 259 (gemma). 270 (grossus); Götze, Frühnhd.
Gl.⁶ 41; Dt. Wb. II, 399 (Beleg von 1716).

Ahd. broz in der Bed. Knospe, Sproß ist fast
nur auf obd. Sprachgebiet bezeugt; auch das
verwandte st. v. II mhd. briezen anschwellen,
Knospen treiben
scheint ganz isoliert im Germ.
Zwar gibt es lautliche Entsprechungen in einigen
germ. Sprachen, aber mit anderer Bed.: ae. ge-
brot n. Bruchstück, fragmentum ( gibroz);
aisl. brot n. Bruch(stück), Schiffbruch, Ab-
bruch, Verbrechen
, ähnlich nnorw. brot, ndän.
brod, nschwed. brott; vgl. auch ae. brēotan, aisl.
brjóta st. v. II brechen.

Eine andd. Form *brot Knospe, Sproß ist aus allerlei
roman. Reflexen, wie aprov. brot junger Trieb, katal.
brot Sproß, span. brote m., brota f. Knospe, Schöß-
ling, Trieb
(dazu das Verb brotar Knospen treiben)
erschlossen worden obwohl die romanist. Forschung
vorwiegend mit einem hypothetischen got. Ausgangs-
punkt *brut-s operiert; vgl. Wartburg, Frz. et. Wb. I,
578 f.; Körting, Lat.-rom. Wb.³ Nr. 1588; Meyer-Lüb-
ke, Rom. et. Wb.³ nr. 1347. Die damit konkurrieren-
den Bildungen aprov. brost, nfrz. brout junger Trieb,
afrz. broster, nfrz. brouter die Triebe abgrasen gehö-
ren aber zu brust² (s. d.).

Lexer I, 353; Benecke I, 260; Holthausen, Ae. et. Wb.
36 (gebrot); Bosworth-Toller, AS Dict. 127 (brot). 376
(gebrot); Suppl. 299 (gebrot); Vries, Anord. et. Wb.²
59; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 435; Holthausen, Vgl.
Wb. d. Awestnord. 26; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb.
105; Torp, Nynorsk et. ordb. 43; Ordb. o. d. danske
sprog II, 1177; Hellquist, Svensk et. ordb.³ 101; Svens-
ka akad. ordb. B-4292.

Die germ. Formen gehen alle auf idg. *bhred- :
*bhrud- zurück, aber es ist unsicher, ob es sich
um Erweiterungen von zwei verschiedenen
gleichlautenden idg. Wurzeln: *bhre-¹ schwel-
len, sprießen
(vgl. lat. frutex Strauch, Busch
und s. Pokorny 169) und *bhre-² brechen (
brôdi, bruzzî und s. Pokorny 169) handelt
oder ob ahd. broz und mhd. briezen auch von
bhre-² herzuleiten sind, indem eine Bed.ent-
wicklung (in Knospen, Blätter, Blüten oder
Zweige) ausbrechen
anzunehmen ist (vgl. See-
bold, Germ. st. Verben 142).

Jedenfalls fehlt es an genauen außergerm. Ent-
sprechungen: air. broth Ähre, Pflanzenteil, ari-
sta
geht, wie lat. frutex, auf *bhru-t- zurück
(ahd. broz setzt *bhru-d- voraus). Die slav.
Wörter ukrain. brost’ Knospe, bulg. brъst
Sprossen, serbo-kroat. bst dss. sind wohl
von *bhrus-ti-, nicht *bhrud-(s)ti-, herzuleiten
und mit brust¹ und brust² zu verknüpfen (zu
diesen umstrittenen Wörtern s. bes. W. Meid, IF
69 [1964], 222; Sadnik-Aitzetmüller, Vgl. Wb.
d. slav. Spr. Nr. 343 und brust¹).

Die Verbreitung des Wortes in den dt. Mdaa. der Ge-
genwart ist fast ganz auf das Obd. beschränkt (ob der
Gleichklang etwa eines unverschobenen *brot Knos-
pe
mit brod oder brôt seinem Gebrauch im Nddt. ent-
gegenwirkte?): s. Schweiz. Id. V, 800 f. (Bross m.f.n.,
auch Brotze[n] wie Sprotze[n] neben Spross[en], ebd.
V. 1042); Fischer, Schwäb. Wb. I, 1438; Schmeller,
Bayer. Wb.² I, 365 (Broß, auch Broßt); Kranzmayer,
Wb. d. bair. Mdaa. in Österr. III, 1054 f. (Blatt- oder
Blütenknospe, Edelreis, [Nadel-]Zweiglein
); Maurer-
Mulch, Südhess. Wb. I, 1141; Crecelius, Oberhess.
Wb. 208 f.

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