burgri
Band II, Spalte 460
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burgri m. ja-St., Mons. Frg., Notker und
in Gl. seit dem 9. Jh.: Stadtbewohner, (Mit)-
bürger, oppidanus, urbanus, municeps
. Mhd.
burgære, nhd. Bürger.

Ahd. Wb. I, 1530 f.; Splett, Ahd. Wb. I, 54; Schütz-
eichel⁴ 83; Starck-Wells 86; Graff III, 183; Schade 92;
Lexer I, 395; Nachtr. 114; Benecke I, 166; Dt. Wb. II,
537 ff.; Trübners Dt. Wb. I, 473 f.; Kluge²¹ 112; Klu-
ge²² 115; Pfeifer, Et. Wb. 233 f. Zur Wortgeschichte
s. auch W. Meschke, Das Wort Bürger (Diss. masch.
Greifswald, 1952); H. Bartholmes, Bruder, Bürger,
Freund, Genosse (Göteborg, 1970), 95 ff.; R. Schmidt-
Weigand in Über Bürger, Stadt und städtische Lit., hrsg.
von J. Fleckenstein u. K. Stackmann (Göttingen,
1980), 106 ff.

Das Wort hat nur im Wgerm. genaue Entspre-
chungen: mndd. börger(e), mndl. borger (mndl.
nndl. burger ist aus dem Hochdt.), afries. burge-
r(e), borger. Spätaisl. nisl. borgari, ndän. borger,
nschwed. borgare sind mndd. Lehnwörter. (Das
got. Wort für Bürger ist baurgja, für Mitbür-
ger
gabaurgja.).

Obgleich diese Wörter sich als Nomina agentis
auf -ri (s. d.) zu burg (s. d.) erklären lassen
(schon im 2. Jh. kommt ein lat. Wort burgarii
die Soldaten, die die burgi [Festungen] be-
mannen vor, burg), wird diese einfache Er-
klärung durch gleichbedeutende, aber anders
gebildete ae. Wörter in Zweifel gezogen: ae.
burgware, -waran, -waru Stadtbewohner (pl.)
sind Zss. aus burg und -war-, einem Element,
das auch in ae. Rōmware Römer (anord. Róm-
verjar), Cantware Kenter, wie auch in germ.
Stammesnamen wie Amsivarii Emsanwohner,
Angrivarii Angerbewohner usw. vorkommt.
Als das im Nebenton stehende -wari ge-
schwächt wurde (wie Bai[o]vari[i] > Baiern),
wäre ein altes *urwari im Ahd. zu burgari,
-eri geworden und zur Gruppe der -ri-Zss.
übergetreten. Vgl. auch Lühr, Stud. z. Hilde-
brandlied 479 f. Anm. 3.

Die Etymologie des zweiten Komp.gliedes
*-war- ist umstritten:

1) zu ahd. werien, werren wehren (s. d.), idg.
*er- verschließen, bedecken, schützen, Po-
korny 1160 ff.; also die Stadtverteidiger.

2) zu ahd. biwarôn behüten (s. d.), as. warōn
hüten, wahren, besitzen, idg. *er- achtge-
ben
, Pokorny 1164; also die Hüter (oder ein-
fach Bewohner? vgl. as. Gen. 216: that sia muotin
that land uuaran) der Stadt
.

3) zu ahd. wesan sein, bleiben, sich aufhalten
mit gram. Wechsel wie in ahd. werên währen,
dauern, bleiben
, as. warōn, werōn währen,
dauern
, aisl. -værr berechtigt zum Aufenthalt
in der Zss. heraðværr (idg. *es- verweilen,
wohnen
, Pokorny 1170 f.); also die Stadtbe-
wohner
.

Vorerst kann eine Entscheidung nicht getroffen
werden. Dagegen ist Zusammengehörigkeit mit
germ. *wera- Mann (so Meschke, a. a. O. 59;
Trübners Dt. Wb. a. a. O.) aus lautlichen Grün-
den abzulehnen.

Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 323; Verdam,
Mndl. handwb. 111; Franck, Et. wb. d. ndl. taal² 100;
Vries, Ndls. et. wb. 96; Holthausen, Afries. Wb.² 11.
13; Richthofen, Afries. Wb. 675; Holthausen, Ae. et.
Wb. 384; Bosworth-Toller, AS Dict. 134; Suppl.
111 f.; Vries, Anord. et. Wb.² 50. 655. 672; Jóhannes-
son, Isl. et. Wb. 149; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb.
94; Hellquist, Svensk et. ordb.³ 92. Schönfeld, Wb.
d. agerm. PN xxvif. 42 f.; W. Foerste, Frühmittelalt.
Studien 3 (1969), 60 ff. (etym. unzuverlässig).

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