eimbar
Band II, Spalte 986
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eimbar m. n. a-St., seit dem 9. Jh. nur in
Gl.: Krug, Urne, Topf, Gefäß, Eimer, situla,
urna, hydria
Var.: h- (Wien Cod. 1757 11./
12. Jh. bair.); ein-, aim-; -p-; -per, -ber, -bir;
eimmer seit dem 12. Jh.; Schreibungen mit ei-
nem -m- seit dem 13. Jh.; eimbri n. ja-St., nur
in Gl. vom 9./10. Jh. an: dss.; auch bothonia
Var.: -p-; eimberî(n) n. a-St., nur Notker:
Gefäß, urna, urnula. Mhd. eimer, eimber,
einber st.m. Gefäß mit einem Griff, Eimer,
nhd. Eimer. Im Nhd. hat sich die Form mit der
aus -mb- zu -mm- assimilierten Lautung, die
hinter Diphthong zu -m- vereinfacht wurde,
durchgesetzt.

Daß das Wort wie lat. amphora auch als Flüssigkeits-
maß gebraucht wurde, zeigt der heutige Gebrauch in
den Alpenländern und in anderen dt. Dialektgebieten,
z. B. im Vorarlberg., Bair., Steir., Österr. und Bad.,
Meckl., Preuß.

Ahd. Wb. I, 327; III, 118 f.; Splett, Ahd. Wb. I, 50 f.
173; Schützeichel4 99. 802; Starck-Wells 120. 802;
Graff III, 149; Schade 127; Lexer I, 522; Benecke I,
142; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 79 (bothona). 284
(idria). 539 (situla). 630 (urna, urnula); Dt. Wb. III,
111; Dt. Wb.2 VII, 458 ff.; Kluge21 157; Kluge22 169;
Pfeifer, Et. Wb. 337; Grimm, Dt. Gr.a II, 954; III,
456. Kretschmer, Wortgeographie 186; Ochs, Bad.
Wb. I, 643; Jutz, Vorarlberg. Wb. I, 679; Schmeller,
Bayer. Wb.2 I, 75; Kranzmayer, Wb. d. bair. Mdaa. in
Österr. I, 182 ff.; Lexer, Kärnt. Wb. 82; Unger-Khull,
Steir. Wortschatz 192; Wossidlo-Teuchert, Meckl.
Wb. 726 f.; Ziesemer, Preuß. Wb. II, 202.

Zu ahd. eimbar stellen sich as. ēmbar, emmar
st. m. n., mndd. emmer, ammer m.; mndl. eme-
r(e), eemer, ei-, emmer, y-, heemer m., nndl.
emmer Eimer, dial. auch ēmer; ae. amber, om-
bar, -or, ember m. f. n. Eimer, Gefäß, Faß,
Krug, Kanne
. Aus dem Mndd. sind (vor der As-
similation von -mb- zu -mm-) nnorw. ambar,
ember, ndän. ember, aschwed. æmbar, æmber
(dazu s. A. Kock, Ark. f. nord. fil. 12 [189596],
87), nschwed. ämbar (ndän. emmert mit sekun-
därem -t Büchse zum Ventil in einem Pumpen-
rohr
) entlehnt. Wie ahd. eimberî(n) ist ae. emb-
ren, -in n. Eimer gebildet.

Holthausen, As. Wb. 15; Wadstein, Kl. as. Spr.denkm.
179; Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 532;
Schiller-Lübben, Mndd. Wb. I, 658; Verdam, Mndl.
handwb. 163; Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 155; Vries,
Ndls. et. wb. 157; L. v. d. Kerckhove, Leuv. bijdr. 36
(194446), 28 ff.; Holthausen, Ae. et. Wb. 3. 90; Bos-
worth-Toller, AS Dict. 36; Suppl. 35. 187; Jóhannes-
son, Isl. et. Wb. 980; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb.
189; Torp, Nynorsk et. ordb. 3; Hellquist, Svensk et.
ordb.3 1436.

Das ahd. Wort ist ursprl. wie ae. amber aus lat.
ampora, einer volkstümlichen Nebenform zu lat.
amphora f. zweihenkliger Krug mit engem
Hals, Flüssigkeitsmaß
, entlehnt (zum Fortleben
des Diminutivs lat. ampulla ampulla). Das
volkstümliche Wort, das die Germanen mit der
Sache kennenlernten, stammt dabei von einer
roman. Form mit b und Wandel zum Mask. her.
Auf ein ae. amber entsprechendes ahd. *ambar
deutet die im 9. Jh. bezeugte Ableitung ampri
(Gl. 3, 11, 19 Kassel 4° Ms. theol. 24 bair.), fer-
ner nhd. dial. österr. amper. Weiterhin setzt das
aus dem Germ. entlehnte urslav. *borъ (aruss.
uborkъ, poln. wborek; aus dem Slav. apreuß.
wumbaris) ein im Westgerm. (Ahd.?) gebräuch-
liches *ambor fort.

Ob sich die Entlehnung von *ambor über Frankreich
vollzogen hat, ist ungewiß. Für diese Frage spielt
südfrz. ambro grosse bouteille de verre, où l’on fait
macérer des plantes aromatiques avec du vin ou du vi-
naigre
eine Rolle, da -b- anstelle von -p- auffällt. Die
Vereinzelung innerhalb der Romania erklärt sich mög-
licherweise als Einflußnahme von Massilia.

Wartburg, Frz. et. Wb. I, 90 (anders Körting, Lat.-
rom. Wb.3 Nr. 612: Lat. amphora lebe nicht in den ro-
man. Sprachen fort). Frz. amphore ist dagegen erst im
16. Jh. aus dem Lat. entlehnt (Gamillscheg, Et. Wb. d.
frz. Spr.2 36). Eine got. Vorform *ambrs, die ae. am-
bor, ahd. *ambar entsprechen könne, erwägt wenig
plausibel Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.3 Nr. 411 c für
nprov. ambro.

Im ahd. und as. Sprachgebiet wurde die Ver-
wendungsweise des Gefäßes offenbar von einem
Kübel mit Henkel übernommen, worauf das
Wort volksetymologisch zu ahd. eim-bar, as.
ēm-bar Ein-Träger, d. h. von Einem Getrage-
nes
mit dem Zahlwort eins (vom 9. Jh. an ein-)
und einer Ableitung von beran tragen ( ein,
beran), umgebildet wurde. Zur Bezeichnung ei-
nes großen zweihenkligen Gefäßes hat man in
ahd. Zeit ursprl. zwibar, zubar Zuber (s. d.)
verwendet.

Ebel, Lehnw. d. dt. Spr. 13; Hoops Reallex.2 III,
324 ff.

Lat. amphora stellt seinerseits eine Entlehnung
aus gr. ἀμφορεύς m. dar, wobei das griech. Wort
mit haplologischem Silbenschwund aus episch
ἀμφι-φορεύς Doppelträger als Bezeichnung ei-
nes zweihenkligen konischen Kruges und Flüs-
sigkeitsmaßes hervorgegangen ist. Das fem. Ge-
nus im Lat. kann auf einem Akk. *ἀμφορέᾱν
(d. h. -ρᾶν), einer Neubildung zu att. ἀμφορέᾱ,
beruhen (Leumann, Lat. Laut- u. Formenlehre
456); vgl. auch das fem. Gen. von lat. aulla
Topf, urna Urne, Gefäß.

Boisacq, Dict. ét. gr.4 58; Frisk, Gr. et. Wb. I, 99 f. (zu
Recht gegen Schwyzers, Gr. Gram.2 447 Auffassung
als Bahuvrīhi *ἀμφί-φορος was beiderseits einen Trä-
ger hat
); Chantraine, Dict. ét. gr. 81; Walde-Hof-
mann, Lat. et. Wb. I, 42; Ernout-Meillet, Dict. ét.
lat.4 30; Thes. ling. lat. I, 1985 ff.; Mittellat. Wb. I,
587; Du Cange I, 237 f.; Vasmer, Russ. et. Wb. III,
169 f. St. Mladenov, Zfvgl.Spr. 44 (1911), 370 f. lei-
tet die slav. Wörter zu Unrecht aus uridg. *ambhi-bho-
ro- her (s. A. Preobraenskij, Etimologieskij slovar’
russkogo jazyka [Moskau, 1949], 37).

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