emizzîg
Band II, Spalte 1065
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emizzîg [-ss-] adj. beständig, immerwäh-
rend, täglich, häufig, continuus, perpetuus, co-
tidianus, frequens, creber, assiduus; (über)eif-
rig, importunus, improbus
Var.: em(m)iz-,
emaz(z)-, em(m)ez(z)-, emz-; em(m)itz-, emetz-,
em(m)ic-, emc- (dazu s. u.); -ik, -ic, -eg.
Mhd. emzec, -ic beständig, fortwährend, be-
harrlich
; nhd. emsig.

Ahd. Wb. III, 275 ff.; Splett, Ahd. Wb. I, 181; Schütz-
eichel4 101; Starck-Wells 125; Graff I, 255 f.; Schade
133; Lexer I, 543; Nachtr. 141; Benecke I, 429; Die-
fenbach, Gl. lat.-germ. 55 (assiduus). 147 (continuus).
155 (creber). 247 (frequens); Dt. Wb. III, 443 f.; Klu-
ge21 165; Kluge22 177 f.; Pfeifer, Et. Wb. 356.

Das aufs Hochdt. beschränkte Wort setzt ein
nicht belegtes ahd. Adj. *amaz (vgl. adv. amaz-
zîgo, Ahd. Wb. I, 313), *emiz, *emitzi ja-/ jō-
St. (denn die Belege mit -tz-, -c- sind kaum als
Schreibfehler oder seltene Schreibungen für den
Reibelaut zu erklären; vgl. Braune, Ahd. Gr.14
§ 160 Anm. 2; Schatz, Ahd. Gr. § 53. 180. 270)
voraus, das mit -t-Suffix vom germ. Stamm
*ama- (mit Ablaut der Stammsilbe, der z. T. alt
sein kann) abgeleitet ist; vgl. ahd. gremiz, gre-
mizzi(?) grimmig zu germ. *grama- ( gram)
und s. Kluge, Nom. Stammbildung3 § 214; Wil-
manns, Dt. Gr. § 341; Krahe-Meid, Germ.
Sprachwiss. III § 132.

Die Formen mit -mm- sind nach Schatz, Ahd. Gr.
§ 270 von einem nicht belegten Verb *amjan- (ahd.
*emmen) beeinflußt; ähnlich gremmizze Gl. 1, 574, 16
wegen gremmen (s. d.)?

Zu germ. *am(a)- gehören auch aisl. nisl. ama
sw. v. belästigen, plagen, nisl. amstr n. rastlose
Arbeit, Anstrengung
, nnorw. ama andringen,
ama seg sich anstrengen. Hierher wohl auch
die PN Amali Name des ostgot. Königshauses
(Amal Stammvater der Amali), ahd. Ama-
lunga, ae. Amulingas. Die Grundbed. der germ.
Sippe war wohl etwa fest auf etwas bestehen.

Vries, Anord. et. Wb.2 8; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 87;
Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 4; Torp, Nynorsk
et. ordb. 3; Schönfeld, Wb. d. agerm. PN 14 f. F. Klu-
ge, Zfdt. Wortf. 7 (190506), 170 (jedoch zu lat. amor,
amāre).

Außergerm. Verwandte sind wohl aind. ámīti
dringt an, bedrängt; schwört, áma- m. An-
griffskraft, Andrang
, ámavant- mit Angriffs-
kraft versehen, ungestüm, kräftig
, ámīvā- f.
Leiden, Krankheit usw.; aav. ǝma-, jungav.
ama- Angriffskraft, altav. ǝmauuant-, jungav.
amauuant- gewaltig, kräftig; gr. ὄμνῡμι
schwöre (vgl. aind. ámīti- oben: < fasse [ei-
nen Gegenstand] fest an [zur Eidesleistung]
; s.
K. Hoffmann, in Aufsätze zur Indoiranistik I,
288 ff., bes. 304), hom. ὀμοίιος plagend, leid-
voll
(< *ὀμο-ϝιος von *ὀμο-ϝᾱ zu aind. ámī-
vā [s. o.]; vgl. Solmsen, Untersuch. z. gr. Lautl.
101 f.; nach Frisk, Gr. et. Wb. II, 388 f. aber
eher als [allen] gemeinsam, gleich [machend],
unparteiisch
zu ὁμοῖος gleich, -artig).

Trotz der Skepsis mancher Indogermanisten,
die an der Verwandtschaft der aind. und gr.
Wörter zweifeln und die germ. Wörter oft gar
nicht erwähnen, lassen sich alle Formen sowohl
semantisch als auch lautlich auf eine idg. Wz.
*omǝ- [**H3emH3-] fest anfassen, die sich im
Germ. dann zu energisch vorgehen, fest auf et-
was bestehen usw.
entwickelt hätte, zurückfüh-
ren.

Nach Windekens, Le tokharien 143 gehört hierher
auch toch. B amike adj. mal disposé, de mauvaise hu-
meur
, amiññe tristesse, affliction, détresse. Die
Bildeweise von aind. ámīva- läßt sich jedoch nicht ver-
gleichen, weil B a- auf ein *ō zurückgehen müßte und
aind. -ī- einen Reflex von *ǝ darstellt.

Walde-Pokorny I, 178 f.; Pokorny 778; Mayrhofer,
K. et. Wb. d. Aind. I, 44; ders., Et. Wb. d. Altindoar.
I, 96 f. 98; Bartholomae, Airan. Wb. 140 f.; Boisacq,
Dict. ét. Gr.4 701; Frisk, Gr. et. Wb. II, 388 f.; Chan-
traine, Dict. ét. gr. 798 f.; Beekes, Develop. of PIE La-
ryngeals 234; R. Hiersche, Rev. des ét. gr. 71 (1958),
35 ff.

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