fendo
Band III, Spalte 148
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fendo m. jan-St., nur in Gl., seit dem 8./
9. Jh.: Fußsoldat, Fußgänger, pedes, pedester,
phalanx, sequester
Var.: Gl. 1, 143, 37 R wohl
nom. sg.m. -eo; zur Flexion s. auch Franck,
Afrk. Gr.2 § 147. Mhd. vende sw. m. Fuß-
gänger, -krieger, Bauer im Schachspiel
, auch
Knabe, Junge (zu diesen Bedeutungen s. u.),
nhd. dial. schwäb. (veraltet) fende Bauer im
Schachspiel
, schweiz. fend Fußsoldat, Bauer
im Schachspiel
.

Anderer Herkunft ist nhd. (altertümlich) fant
unreifer Jüngling. Das Wort wurde im Obd.
(schwäb. fante närrischer, überspannter
Mensch
, schweiz. fant Possenreißer, Land-
streicher
, bair. fant, auch fantel, fäntelein jun-
ger Mensch, Junge
, hess. [veraltet] fant junger,
unerfahrener Mensch
) aus italien. fante Knabe,
Knecht, Bauer
(lat. īnfāns Kind) übernommen.
Im Mhd. sind die Bedeutungen von fant teils auf
vende übergegangen.

Aus italien. fante stammt auch mndd. fant, das nur in
der Bedeutung Kriegerschar bezeugt ist (daraus spät-
aisl. fantr Diener, Bote, Strolch, ält. ndän. fant Bur-
sche, Kerl, Geselle, Diener
, ndän. fante Tor, Dumm-
kopf
, nnorw. fant Landstreicher, verarmte Person,
dial. auch junger Mann, trotziger Bursche, Spaßvo-
gel
, nschwed. dial. fant Landstreicher, Zigeuner).

Nicht hierher gehört mhd. vanz st.m. Schalk,
Betrug
; gianafenzôn.

Wieder ein anderes Wort begegnet in hess. fent
junger unerfahrener Mensch, mndd. vent
Bursche, junger Kerl; Geselle, Gehilfe (dimin.
ventken), nndd. fent junger, unreifer Bursche,
meckl. fent Knabe, Bursche (hierher auch
westfäl. fänte junger, leichtsinniger Bursche,
Knabe
?), spätmndl. vent(e), veint(e) (Kiliaan
auch veyn[t] iuvenis, adolescens, puer), nost-
fries. fent Bursche (ventken). Zugrunde liegt
mndl. vennoot Genosse (Handwerksgeselle;
Held)
, das aus mndl. veem(ge)noot Mitglied
der veem (Genossenschaft)
hergeleitet wird
(zur Vokalkürzung vgl. nndl. elf; s. einlif; vgl.
demgegenüber die abweichende Bedeutung von
mndd. veme heimliches Gericht). In den ndd.
Dialekten gilt fent von Ostfriesland bis an die
Ostsee, von Westfalen bis in die Altmark. Von
Norden gelangt das Wort nach Mitteldeutsch-
land und weiter in die nhd. Dichtung, wo es sich
teils mit obd. fant mischt (K. v. Bahder, PBB 22
[1897], 527 ff.).

Schweiz. Id. I, 846. 874 (doch abzulehnen: schweiz.
fant sei gleichen Ursprungs wie ahd. fendo). 877; Fi-
scher, Schwäb. Wb. II, 944. 1051; Jutz, Vorarlb. Wb.
I, 770; Schmeller, Bayer. Wb.2 I, 734 f.; Lexer, Kärnt.
Wb. 90; Schöpf, Tirol. Id. 119; Schatz, Wb. d. tirol.
Mdaa. I, 156; Müller, Rhein Wb. II, 292; Maurer-
Mulch, Südhess. Wb. II, 353; Crecelius, Oberhess. Wb.
363; Vilmar, Id. von Kurhessen 100 f.; Müller-Frau-
reuth, Wb. d. obersächs. Mdaa. I, 314; Mitzka, Schles.
Wb. I, 259; Woeste, Wb. d. westf. Mda. 286; Mensing,
Schleswig-holst. Wb. II, 55; Wossidlo-Teuchert,
Meckl. Wb. II, 870.

Ahd. Wb. III, 732 f.; Splett, Ahd. Wb. I, 233; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 255; Starck-Wells 147; Schützeichel,
Glossenwortschatz III, 112; Graff III, 540; Schade
177; Lexer III, 19. 63; Benecke III, 236. 297; Götz,
Lat.-ahd.-nhd. Wb. 472 (pedes). 604 (sequester); Dt.
Wb. III, 1318 (fant). 1320 f. (fanz, fenz); Kluge21 184;
Kluge24 275.

Ahd. fendo ist identisch mit ae. fēða Fußgänger,
Fußsoldat
(mndl. vende, vinde, vinne Bauer
im Schachspiel
aus dem Mhd.?): < *fanþijan-.
Zugehörig sind ae. fēðe n. Bewegung, Gang,
Schritt
, as. fāthi n. Gang, Schritt (< *fanþija-),
im As. nur in der Verbindung an fāði, an fāðion
zu Fuß.

Fick III (Germ.)4 228. 567; Seebold, Germ. st. Verben
194; Holthausen, As. Wb. 18; Sehrt, Wb. z. Hel.2
110; Berr, Et. Gl. to Hel. 104; Lasch-Borchling,
Mndd. Handwb. I, 1, 650. 695; Schiller-Lübben,
Mndd. Wb. V, 198. 235 f.; Verdam, Mndl. handwb.
647 f.; Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 728. 743 f.; Vries,
Ndls. et. wb. 770. 785 f.; Doornkaat Koolman, Wb. d.
ostfries. Spr. I, 438 f.; Holthausen, Ae. et. Wb. 111;
Bosworth-Toller, AS Dict. 284; Suppl. 216; Suppl. II,
24; OED2 XI, 372; Oxf. Dict. of Engl. Et. 356; Vries,
Anord. et. Wb.2 111; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 543.
985 f. (doch mit unzutreffender Alternative: aisl. fantr
usw. < urgerm. *fanta- < vorurgerm. *fandná- mit n-
Gemination zu aisl. finna usw. nach Falk-Torp,
Norw.-dän. et. Wb. 205); Fritzner, Ordb. o. d. g. nor-
ske sprog I, 377; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord.
56; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 205 (abzulehnen
ist der alternative Wurzelansatz *pend- für aisl. fantr
usw.). 217 f.; Ordb. o. d. danske sprog IV, 750; Torp,
Nynorsk et. ordb. 94. 105. 108; Hellquist, Svensk et.
ordb.3 199. 211; Svenska akad. ordb. F-261 f.; Feist,
Vgl. Wb. d. got. Spr. 115. 155; Lehmann, Gothic Et.
Dict. F-57.

Urgerm. *fanđijan- setzt ein o-stufiges, von der
Wz. uridg. *pent- gehen abgeleitetes Nomen
agentis fort ( findan); zum Wortbildungstyp
vgl. ahd. wreckeo Verbannter < urgerm.
*wrakjan- (s. Krahe-Meid, Germ. Sprachwiss.
III § 92, 1).

Nach E. P. Hamp (Lingua 34 [1974], 231) ist ahd. fen-
do mitsamt seinen Entsprechungen unmittelbar von
dem Paradigma [**pónt-eH-/pt-H-] herzuleiten.
Urgerm. *fanđijan- folgt jedoch einem im Germ. gän-
gigen Wortbildungstyp (s. o.).

Walde-Pokorny II, 26 f.; Pokorny 808 f.; LIV2 471 f.;
Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. II, 336 f.

S. fuozfendo.

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