flah
Band III, Spalte 346
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flah adj. a-St., nur im Tatian (dat. sg.f. flah-
heru): flach. Mhd. vlach, flach eben, ge-
rade, glatt, schlicht, platt
, nhd. flach.

Ahd. Wb. III, 941; Splett, Ahd. Wb. I, 241; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 298; Schützeichel⁵ 135; Graff III,
755; Schade 202; Lexer III, 383 f.; Benecke III, 334;
Dt. Wb. III, 1698 f.; Kluge²¹ 201; Kluge²⁴ 297; Pfei-
fer, Et. Wb.² 349.

Dem Wort entsprechen: mndd. vlak (-k-)
flach, platt, oberflächlich, vlak (-ck-) dss. (<
urgerm. *flakka-?; s. u.), nndd. vlack (daraus
ndän., nschwed. flack flach); mndl. vlac flach,
platt, seicht
, nndl. vlaak; nostfries., nwestfries.
flak flach, platt, schlicht, seicht < urgerm.
*flaka-, vielleicht auch *flakka-. Substantivie-
rungen sind: as. flaka sw. f. Fußsohle, nndd.
flake Scholle, nnorw. flak Scheibe, Eisscholle
(< *flak-a/ōn-), nnorw. dial. fleke Scheibe,
Fläche
, nhd. dial. tirol. flecken Brett, Bohle
(< *flakjan-, im Tirol. mit *n der Kasus obliqui
im Nom.?) und wohl auch mndd. vlake, vleke
flaches Flechtwerk aus Zweigen; me. flake, fle-
ke Hürde; aisl. flaki, fleki m. Brüstung von
Hürden und Planken, Schutzdach
(nnorw. fla-
ke Luke aus Brettern, nschwed. dial. flake
Flechtwerk, Hürde), ndän. flage einer der
Teile, die z. B. den oberen Teil eines Kohlenwa-
gens bilden und die teils aus Brettern, teils aus
geflochtenem Reisig hergestellt sind
, ndän. dial.
flage aus Weidenzweigen geflochtene Garten-
hecke
, nnorw. dial. fleke von Reisiggeflecht
umgebenes Pfahlwerk zum Lachsfang
(< *flak-
jan-; s. o.); aus urnord. *flaki stammt finn. laki,
gen. laen innerer Teil des Daches (neben *fla-
kez > finn. lae, gen. lakeen Schutzdach; ur-
nord. *flakja- > finn. lakkea, lakea ebenes Ge-
lände
; s. T. E. Karsten, Folkmålsstudier 5
[1937], 184; ders., Ark. f. nord. fil. 22 [1906],
200; E. N. Setälä, Finn.-Ugr. Forsch. 13 [1913],
398). Ablautende Bildungen stellen dar: ae. flōc
n. Butt, Scholle, me. flōk (fluke, flewke) Flun-
der, Scholle
, ne. fluke Flunder (nordengl.
flook-footed Plattfuß); aisl. flóki Flunder,
nisl. floki kleine Flunder, nnorw. floke flaches
Ackerland
< urgerm. *flōka(n)-. Bei der Ablei-
tung mit Wurzelvokal *-ō- handelt es sich um
eine Vddhibildung der Bedeutung Flacharti-
ges
(vgl. Th. Mathiassen, Studien zum slavischen
und indoeuropäischen Langvokalismus [Oslo,
1974], 230; dagegen zu Unrecht Darms, Schwä-
her und Schwager 283 f.); vgl. das Nebeneinan-
der von mhd. vluoder m. Flunder und ahd. fla-
do
m. flacher Kuchen (s. d. und Köhler, Die ae.
Fischnamen 35; Lühr, Expressivität 107; anders
Darms, a. a. O. 506 Anm. 254: mhd. vluoder sei
eine Umgestaltung von mhd. flunder).

Gegen die Annahme, daß das Hapaxlegomenon aisl.
flóki ein Lehnwort aus dem Ae. sei (Darms, a. a. O.
283 mit Literatur), spricht nnorw. floke.

Die Verbindung von got. þlaqus zart, ἀπαλός und
ahd. flah, wie sie G. Nordmeyer (Lang. 11 [1935],
219; zögernd Feist, Vgl. Wb. d. got. Spr. 499: Grund-
bedeutung eben?; vgl. auch Lehmann, Gothic Et.
Dict. þ-47) vornimmt, lehnt Matzel (Gesammelte
Schriften 193 f.) wegen bedeutungsmäßig kaum über-
brückbarer Schwierigkeiten
ab. Auch bereite der La-
biovelar im Got. Schwierigkeiten.

Fick III (Germ.)⁴ 249; Holthausen, As. Wb. 20; Wad-
stein, Kl. as. Spr.denkm. 240; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. I, 1, 737; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. V,
265; Verdam, Mndl. handwb. 718; Franck, Et. wb. d.
ndl. taal² 182; Vries, Ndls. et. wb. 787; Doornkaat
Koolman, Wb. d. ostfries. Spr. I, 497; Dijkstra, Friesch
Wb. I, 363; Holthausen, Ae. et. Wb. 109; Bosworth-
Toller, AS Dict. 294; Suppl. 226; ME Dict. E-F, 649;
OED² V, 1101; Oxf. Dict. of Engl. Et. 364; Vries, A-
nord. et. Wb.² 128 (doch: aisl. flaki, fleki Zaun-
wort
). 133 (flóki); Jóhannesson, Isl. et. Wb. 571 f.
580; Fritzner, Ordb. o. d. g. norske sprog I, 436. 438.
444; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 65 (aisl. flak
n. losgerissenes Stück aber nicht zu ahd. flah, son-
dern zu aisl. flá die Haut abziehen, schinden). 67;
Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 232; Ordb. o. d. danske
sprog IV, 1144 f.; Torp, Nynorsk et. ordb. 114; Hell-
quist, Svensk et. ordb.³ 217; Svenska akad. ordb. F-
731 ff. Heidermanns, Et. Wb. d. germ. Primäradj.
199.

Führt man urgerm. *flaka- auf vorurgerm. *plǝ-
go- und ein mögliches urgerm. *flakka- auf vor-
urgerm. *plǝgno- (mit n-Gemination) zurück
(zum Nebeneinander von Adjektiven auf *-o-
und *-no- vgl. im Germ. ahd. ger neben gern;
s. d.), ist gr. πέλαγος n. offene, hohe See, Mee-
resfläche, Meer
(< *pelǝgo- [**pelHgo-]),
eigtl. Fläche, eine Ableitung der Wz. uridg.
*pelǝg- [**pelHg-] flach (machen), vergleich-
bar; zur Bedeutung Meer vgl. lat. aequor, -oris
n. Ebene, Fläche, Feld, Wasserfläche, Meer
(zu P. Kretschmers [Glotta 1 (1909), 16 f.] Deu-
tung von Πελασγοί ältere vorgriechische Bevöl-
kerungsschicht der Ägäis
als *Πελαγσ-κοί
Flachlandsbewohner s. jedoch Frisk, Gr. et.
Wb. II, 495 f.). Im Germ. ist dabei anstelle von
*pgo- [**pHgo-] analogisch nach der Va-
riante *plāk- [**plaHk-] ( fluoh¹) das *l
konsonantisch geblieben.

Innerhalb der Sippe mit auslautendem *-g- würde nur
die Vddhibildung *flōka(n)- mit Sicherheit auf eine
vollstufige Vorform vorurgerm. *plāg- [**plaHg-]
deuten. Da es sich bei *flōka(n)- aber wohl um eine
erst germ. Lautung handelt, andererseits die Syllabifi-
zierung *plǝg- [**plǝg-] auch außerhalb des Germ.
nachweisbar ist (s. u.), dürfte die Parallelwurzel *plāk-
[**plaHk-] das Vorbild für die Lautfolge * [**₂]
abgegeben haben.

Auf die analogische Wurzelstruktur *plǝg- las-
sen sich auch zurückführen: gr. πλάγιος waage-
recht, quer, schief
, τὰ πλάγια Seiten, Flanken,
eine Bildung mit ιο-Suffix (Schwyzer, Gr.
Gram.² I, 466) von einem Nomen der Bedeu-
tung horizontale Fläche (vgl. lat. plaga; s. u.)
oder von einem Verb flach ausbreiten, πλάγος
n. Seite (entweder als Rückbildung nach πλά-
τος n. Weite, Breite, Umfang oder als unab-
hängiges Verbalnomen) zum Nebeneinander
von Bedeutungen wie flach und Seite vgl. air.
leth Seite, lethan breit; lat. latus, -eris n. Sei-
te
, lātus breit ; lat. plaga, -ae f. Fläche,
Netz, Teppich, Überzug, Gegend, Landschaft
,
eigtl. flach Hingebreitetes (plagella Lappen,
pannus
). Eine andere Lautqualität des wurzel-
auslautenden Gutturals begegnet in ahd. fluoh
(s. d.) und seinen Verwandten, z. B. in lett. plaks
flach < *plǝk-, Lautungen, die oftmals zu Un-
recht unmittelbar ahd. flah gleichgesetzt worden
sind (z. B. J. Endzelin, Zfvgl. Spr. 52 [1924],
113).

Die Verbindung von aksl. ploskъ flach, breitblättrig,
πλατύς
, russ. plóskij, poln. płaski usw. flach (dazu
russ. plochój schlecht, gering, ukrain. płochj still,
demütig
, w.russ. plóchij kränklich, schlecht usw.?),
russ.-ksl. plastъ, russ. plast Schicht, Lage, Scheibe
und lit. plãtaka, platakà Handfläche, gespreizte, fla-
che Hand, Hand, Handbreite
mit ahd. flah (z. B. bei
Curtius, Grundzüge d. gr. Et.⁵ 165) ist fraglich (vgl.
Trautmann, Balt.-Slav. Wb. 222 f.: *pl-ko- und
*pl-to- aus *plao-?; zu weiteren Anschlüssen wie
etwa an lit. platùs breit s. Vasmer, Russ. et. Wb. II,
365 f. 374; anders Fraenkel, Lit. et. Wb. 605: plataka
< *plakata < *plakkata mit dissimilatorischem
Schwund des ersten *k und damit zu lit. plàkti schla-
gen
; fluoh¹). Dagegen hält Vasmer (a. a. O. 367) im
Falle von russ. plácha Block, Klotz, Richtplatz (dazu
*plachъta in ukrain. płáchta Unterrock, Art Kopf-
tuch, Laken
, tschech. plachta Vorhang, Segel usw.)
trotz des problematischen ch-Lautes Urverwandt-
schaft mit ahd. flah für möglich (anders z. B. Joh.
Schmidt, Idg. Vokalismus II, 119: russ. plácha usw. sei
aus ahd. flah entlehnt; zu ch als Vertretung von *χ in
germ. Lehnwörtern s. Arumaa, Urslav. Gr. II § 399).

Walde-Pokorny II, 90 f.; Pokorny 831 f.; Boisacq,
Dict. ét. gr.⁴ 756. 759. 789; Frisk, a. a. O. II, 493. 547;
Chantraine, Dict. ét. gr. 908; Walde-Hofmann, Lat.
et. Wb. II, 314; Ernout-Meillet, Dict. ét. lat.⁴ 511; Mi-
klosich, Et. Wb. d. slav. Spr. 251 f.; ders., Lex. Pa-
laeosloven.-Graeco-Lat. 574; Sadnik-Aitzetmüller,
Handwb. zu den aksl. Texten 87. 285 (Nr. 675); Vas-
mer, Russ. et. Wb. II, 375. Persson, Stud. z. Wurzel-
erw. 22; Osthoff, Et. Parerga 351.

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