frosc
Band III, Spalte 594
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frosc m. a-St., in zahlreichen Gl. und bei
Notker, seit dem 8. Jh.: Frosch, rana, ranun-
culus
Var.: u-, v-; -sg, -sh, -sch, -s, -se.
Mhd. vrosch, nhd. Frosch.

Ahd. Wb. III, 1289 f.; Splett, Ahd. Wb. I, 269; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 333 f.; Schützeichel5 142; Starck-
Wells 180. 812; Schützeichel, Glossenwortschatz III,
307; Seebold, ChWdW8 136; Graff III, 834; Schade
228; Lexer III, 536; Benecke III, 427; Diefenbach, Gl.
lat.-germ. 483 (rana); Dt. Wb. IV, 1, 1, 250 f.; Götz,
Lat.-ahd.-nhd. Wb. 552 (rana, ranunculus); Kluge21
221; Kluge24 318 f.; Pfeifer, Et. Wb.2 481.

In anderen germ. Sprachen (im Ostgerm. sind
keine Wörter mit der Bedeutung Frosch be-
zeugt) entsprechen, teils mit Metathese von r:
mndd. vorsch, vors, vrosch; mndl. vorsc(h),
versch, nndl. vors; nwestfries. fro(a)sk; ae. forsc,
frosc, me. frosh, frush, froish, fross, frosk, ne.
(dial.) frosh, frosk; aisl. froskr, nisl., fär. froskur,
nnorw., ndän., nschwed. frosk Frosch. Italien.
rospo und afrz. frois, fros, froit weisen auf eine
Form andfrk. *frosk. Wegen der g-haltigen
Form *fru()an- (s. u.) ist für diese Gruppe eine
Vorform urgerm. *fruχ-ska- mit Wandel von *
zu *χ vor *s und schließlich Schwund von *χ
anzunehmen. Da mit dem Suffix *-ska- Verbal-
adjektiva gebildet werden (vgl. aisl. vaskr wak-
ker, kühn
: aisl. vaka wachen), ist anzuneh-
men, daß ein ursprüngliches Verbaladjektiv
hüpfend, springend (zur zugrundeliegenden
Verbalwurzel s. u.) mit metonymischer Übertra-
gung substantiviert wurde (anders Krahe-Meid,
Germ. Sprachwiss. III § 147: substantivische
-ska-Bildung, jedoch ohne weitere Parallelen;
Pokorny 845 f., W. Porzig, IF 45 [1927], 165,
die eine Ableitung mit urgerm. *-a von einer
nicht belegten Verbalwz. *pru[g]sk- hüpfen an-
nehmen).

Körting, Lat.-rom. Wb.3 Nr. 4011; Meyer-Lübke,
Rom. et. Wb.3 Nr. 3535; Wartburg, Frz. et. Wb. XV,
2, 181; C. Nigra, Arch. glottol. 15 (1901), 111 f. 505 ff.

Neben urgerm. *fruχ-ska- steht im Westgerm.
eine weitere Ableitung von der Basis *fru-: ae.
frog(g)a, frocga, me. frogge, vrogge, frugge, ne.
frog Frosch: < urgerm. *fruan- (ein n-stäm-
miges Nomen agentis) bzw. fruan- mit laut-
symbolischem (zur Lautsymbolik vgl. Lühr, Ex-
pressivität 276 ff.) oder expressivem *-- (vgl.
das Nebeneinander von ahd. rabo und rappo
Rabe; anders R. Coates, IF 87 [1982], 198 f.).
Eine ähnliche Vorform setzt mndd. pogge
Frosch < *puan- voraus (vgl. zur Form
N. Wagner, Hist. Spr.forschung 103 [1990],
281 ff.).

Fick III (Germ.)4 248; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. I, 1, 908. 911. 1009; Schiller-Lübben, Mndd.
Wb. V, 427; Verdam, Mndl. handwb. 745; Franck, Et.
wb. d. ndl. taal2 759; Vries, Ndls. et. wb. 802; Dijk-
stra, Friesch Wb. I, 432; Holthausen, Ae. et. Wb. 113.
117; Bosworth-Toller, AS Dict. 340; ME Dict. E-F,
910 f. 916; OED2 VI, 208 f. 220; Vries, Anord. et.
Wb.2 144; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 544; Fritzner,
Ordb. o. d. g. norske sprog I, 493; Holthausen, Vgl.
Wb. d. Awestnord. 74; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb.
277 f.; Ordb. o. d. danske sprog VI, 132 f.; Torp, Ny-
norsk et. ordb. 136; Svenska akad. ordb. F-1577; Wil-
manns, Dt. Gr. I, 219; II, 368; Brugmann, Grdr.2 II,
260; W. Foerste, Ndd. Wort 1 (1960), 13 ff.

Germ. *fruχska- und *fruan- stammen von ei-
ner vorurgerm. Verbalwz. *pregh- springen
her (nur russ. prgat’ springen, hüpfen und ab-
lautend dazu serb.-ksl. isprъgnti hervortreten,
hervorspringen
), eine Erweiterung der Wz.
*pre-, die in ved. 3.pl.präs.med. vi pravante
sie springen bezeugt ist. Der Frosch ist dem-
nach als der Springer charakterisiert.

Walde-Pokorny II, 87 f.; Pokorny 845 f.; LIV2 493;
Miklosich, Et. Wb. d. slav. Spr. 266; Vasmer, Russ. et.
Wb. II, 452; Gotō, I. Präsensklasse im Ved. 210 ff.

Abzulehnen ist die von J. Scheftelowitz, IF 33 (1913),
140 vorgeschlagene Verbindung der germ. Wörter mit
aind. plava(ga) Frosch (vgl. Mayrhofer, K. et. Wb.
d. Aind. II, 383).

Anderer Herkunft sind dagegen awestnord. frauðr,
nnorw. dial. frau(d), ält. dän. frød, ndän. frø,
aschwed. frödher, nschwed. dial. frö(d) Frosch und
mit grammatischem Wechsel und ablautend (mit laut-
symbolischer Dehnung) me. frūde, ne. froud < nord-
germ. *frawþa- bzw. westgerm. *frūda-, Ableitungen
von einer Verbalwurzel, die in ae. ā-frēođan schäu-
men
(uridg. Wz. [**pretH2-] schnauben, schäumen,
außergerm. nur in ved. próthati schnaubt, keucht,
schnauft
) fortgesetzt ist und zu der auch aisl. frauð n.
Schaum gehört. *frawþa- und *fruđa- könnten dabei
auf ein ursprüngliches Nebeneinander von Singular
und Kollektiv vorurgerm. *próto- und *prut-
[**prutáH2-] weisen. Bei diesem Anschluß ist der
Frosch also das Tier mit der schleimigen Haut. Dazu
läßt sich mit einer k-Erweiterung auch aisl. frauki
Frosch (< nordgerm. *frawđ-ki) stellen.

Anders, aber lautlich schwierig, Osthoff, Et. Parerga
344 ff., nach dem die drei Wörter für den Frosch un-
terschiedliche Erweiterungen einer germ. Wurzel
*fr(a)u- sind; anders auch van Haeringen, in Franck,
Et. wb. d. ndl. taal2 Suppl. 186, C. Marstrander, Bug-
ge-Festschrift (1908), 243, J. Sverdrūp, IF 35 (1915),
153 Anm. 1 und A. M. Sturtevant, Mod. Philol. 26
(1929), 473 f., die germ. *fruska- aus *fruđska- oder
*fruđga- herleiten und dann weiter mit aisl. frauðr ver-
binden, wobei jedoch die Wortbildung unklar bleibt.
Unbegründet C. C. Uhlenbeck, PBB 22 (1897), 197:
vorurgerm. *pghn-, *pghén-.

Walde-Pokorny II, 28; Pokorny 810; LIV2 494;
Vries, Anord. et. Wb.2 140; Jóhannesson, Isl. et. Wb.
544; Fritzner, Ordb. o. d. g. norske sprog I, 482; Holt-
hausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 71; Falk-Torp,
Norw.-dän. et. Wb. 277 f.; Ordb. o. d. danske sprog VI,
132 f.; Torp, Nynorsk et. ordb. 136; Hellquist, Svensk
et. ordb.3 243 f.; Svenska akad. ordb. F-1733;
N. Wagner, Hist. Spr.forschung 103 (1990), 285;
J. Charpentier, Zfvgl. Spr. 40 (1906), 474.

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