fuhs
Band III, Spalte 611
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fuhs m. a- oder i-St., seit ca. 1000, vorwie-
gend in bair., obd. u. frk. Gl. und bei Notker,
Notker, Ps.gl.: Fuchs, vulpes, vulpecula Var.:
fuchs, v-, uuhs, wvhs, wchs, uus, vuhes, -is,
fohs, vos. Die Auffassungen über die Stamm-
klasse von fuhs differieren (i-stämmig: Palan-
der, Ahd. Tiernamen 45, Schatz, Ahd. Gr.
§ 361, Hoops Reallex.2 X, 161; u-stämmig:
Krahe-Meid, Germ. Sprachwiss. III § 113, 1;
s. u.; a-stämmig: Köbler, Wb. d. ahd. Spr. 336
[mit ?], Kluge24 319). Wegen des Wurzelvo-
kals u (neben o im Ae. und im ndd. Sprach-
raum) muß weder von einem i- noch von einem
u-Stamm ausgegangen werden, wie die Laut-
entwicklung von fugal (neben fogal) zeigt (vgl.
Braune, Ahd. Gr.15 § 32 Anm. 3): Vor einem u
der Endung (Instr. -u) kann die Lautform mit
u aufgekommen und verallgemeinert sein
(Lühr, Stud. z. Hildebrandlied 477). Auch die
Endungen liefern keine eindeutige Evidenz für
die Klassenzugehörigkeit von fuhs. Weder der
spät bezeugte Nom. Pl. -e in Gl. 3, 34, 40 noch
der bei Notker, Ps. 62, 11 auftretende Dat.Pl.
fúhsen, fuhsen weisen sicher auf einen i-
Stamm, da im Spätahd. bereits Abschwächung
von -a zu -e und -un, -on zu -en erfolgt ist.
Zugunsten eines a-Stamms spricht fuchsa für
lat. vulpes, vulpecula (Gl. 4, 111, 9), falls der
Glossator die lat. Vorlage als Nom. Pl. aufge-
faßt hat und nicht das feminine Genus der lat.
Formen nachahmen wollte. Mhd. fuhs st.m.,
vuohs (mit -uo- vor /hs/ im Bair. und Ostfrk.;
vgl. Paul, Mhd. Gr.20 § 159, 10; Reimform auf
gewuohs im Willehalm W.s v. Eschenbach; vgl.
Benecke III, 360), nhd. Fuchs Fuchs, rotbrau-
nes Pferd, listiger Mensch
.

Ahd. Wb. III, 1313 f.; Splett, Ahd. Wb. I, 252; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 336; Schützeichel5 142; Starck-Wells
182. 812; Schützeichel, Glossenwortschatz III, 321;
Graff III, 431; Schade 230; Lexer III, 558; Benecke
III, 360 f.; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 632 (vulpes);
Götz, Lat.-ahd.-nhd. Wb. 721 (vulpes, vulpecula); Dt.
Wb. IV, 1, 1, 330 ff.; Kluge21 222; Kluge24 319; Pfei-
fer, Et. Wb.2 381. Palander, Ahd. Tiernamen 44 ff.

Ahd. fuhs hat im Unterschied zu foha f. (s. d.)
nur im Westgerm. Entsprechungen: As. vohs- in
ON (Vohshem; Förstemann, Adt. Namenbuch23
960), mndd. vos; andfrk. fuhs (nur gen.pl. uus-
so), mndl. vos, voos, nndl. vos; nostfries. fos,
nwestfries. foks(e); ae., me., ne. fox Fuchs, ver-
schlagener Mensch
(davon abgeleitet ae. foxung
f. List): < westgerm. *fuχ-sa-. Ins Nordgerm.
gelangte das Wort durch engl. und dt. Vermitt-
lung: zu ae. fox verschlagener Mensch ist ein
Ntr. aisl. fox Betrug rückgebildet
(E. Björkman, Noreen-Festschrift 168), anorw.
fox n. Betrug; auf dt. Einfluß beruht ält.
nschwed. fux Fuchs, nschwed. fux, ndän. fuks
rotbraunes Pferd (vgl. Falk-Torp, Norw.-dän.
et. Wb. 281).

Ahd. fuhs usw. < westgerm. *fuχ-sa- ist gegen-
über foha f. < urgerm. *fuχ-ōn- die nachweis-
lich jüngere Bildung. Deshalb ist für fuhs sicher
von einem sekundären suffixalen *-sa- auszuge-
hen. Wohl nach dem Vorbild von ahd. luhs
Luchs < urgerm. *luχ-sa- wurde *-sa- zur
Charakterisierung des männl. Tieres verwendet
(anders in dahs [s. d.]).

Für die Annahme eines alten konsonantischen Stam-
mes, der in die u-Flexion überführt wurde (krahe-
Meid, Germ. Sprachwiss. III § 113, 1; s. auch Griepen-
trog, Wurzelnomina d. Germ. 237 Anm. 14), gibt es
aufgrund der Überlieferung keine Evidenz.

Fick III (Germ.)4 243; Holthausen, As. Wb. 21;
Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 978; Schiller-
Lübben, Mndd. Wb. V, 513; Kyes, Dict. of O. Low
and C. Franc. Ps. 29; Verdam, Mndl. handwb. 747;
Verwijs-Verdam, Mndl. wb. IX, 1216 f.; Franck, Et.
wb. d. ndl. taal2 760; Suppl. 186; Vries, Ndls. et. wb.
802; Doornkaat Koolman, Wb. d. ostfries. Spr. I,
546 f.; Dijkstra, Friesch Wb. I, 387; Holthausen, Ae.
et. Wb. 113; Bosworth-Toller, AS Dict. 328 f.; ME
Dict. E-F, 853 f.; OED2 VI, 131 f.; Oxf. Dict. of Engl.
Et. 374; Vries, Anord. et. Wb.2 139. 136; Jóhannes-
son, Isl. et. Wb. 566 f.; Fritzner, Ordb. o. d. g. norske
sprog I, 470; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 71.
69; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 281; Ordb. o. d.
danske sprog VI, 158 f.; Hellquist, Svensk et. ordb.3
247; Svenska akad. ordb. F-1856 f.; Feist, Vgl. Wb. d.
got. Spr. 144 f.; Lehmann, Gothic Et. Dict. F-28.
Kluge, Nom. Stammbildung3 § 28; A. Ross, Engl.
Philol. Stud. 9 (1965), 146.

Zur Etymologie s. fha.

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