hûnisc drûboAWB m. n-St., Gl. 3,91,47.
194,51; Hildebrandt 1974—95: 1, 171 f.:
‚Bauernweinbeere; balatinę (pl.)‘, „eine ge-
ringwertige, hartschalige Traubenart mit
großen Beeren“ (Dt. Wb. 21, 1291; vgl.
Alanne 1950: 24 f.; W. Wackernagel, ZDA 6
[1848], 267). Die urspr. Bed. des Adj. ist
umstritten, zumal das lat. Lemma ungeklärt
ist. Nach dem Mittellat. Wb. 1, 1317 steht
balatinę für balanites (mlat. auch balanitis,
-e, aus gr. βαλανίτης ‚eichelförmiger Edel-
stein‘; vgl. auch lat. balanitis adj.
‚eichelförmig‘; Georges 1913: 1, 779), also
‚eine große, ungeschlachte Weinbeere‘? (vgl.
Diefenbach, Gl. lat.-germ. 66 s. v. balanitis:
„groit wijndruff“). Nach R. Hildebrandt, FS
Große 1989: 237 ff. bedeutet balatinę ‚vom
Balaton‘, einem Weinbaugebiet Ungarns, wo
offenbar große Weinbeeren niederer Qualität
wachsen sollen. Der Schreiber der Vorlage
der ahd. Hss. habe also absichtlich balanite
durch balatinę ersetzt. Was auch immer die
urspr. Bedeutung von hûnisc drûbo war,
zweifellos hat der Schreiber diese Bezeich-
nung als ‚große, riesenhafte (ungarische?)
Weinbeere‘ verstanden, denn in mehreren
Hss. steht: balatinę a magnitudine sunt dictę
hnische drvben (vgl. Ahd. Wb. 4, 1363).
Vgl. auch huniska. S. drûba, drûbo. — hûnis-
kaAWB f. n-St.(?), nur Gl. 3,486,12 (11. Jh.):
‚Bauernweinbeere; bedullacia‘ (zum Lemma
vgl. Diefenbach, Gl. lat. germ. 70; Mittel-
lat. Wb. 1, 1459 [*betullacia]). Das Wort ist
vielleicht eine substantivierte Adj.bildung (=
*huniskiu druba?). S. hûnisc drûbo. — hunis-
kiu wurz(a) st.sw. f., nur Gl. 3,592,29 und
Anm. 1 (14. Jh.), vielleicht 585,11 (12. Jh.:
zu lat. hesbura[?], für *helebura? vgl. Ahd.
Wb. 4, 1364): ‚Schwarze Nieswurz; ellebo-
rum nigrum‘ (Helleborus niger L.). Diese
Heilpflanze wurde gegen die Hünsch (oder
Hinsch), eine Krankheit der Pferde und des
Rindviehs, die aus Ungarn gekommen sein
soll, verwendet (vgl. Marzell [1943—58]
2000: 2, 802 f.; Höfler 1899: 242 f.; Dt. Wb.
10, 1468 [Hinsch]; Fischer, Schwäb. Wb. 3,
1558 f.; Müller, Rhein. Wb. 3, 990 f.). Einmal
(Gl. 3,525,42 [14. Jh.]) wurde die Bezeich-
nung auf die ‚Weiße Nieswurz; astracium‘
(Veratrum album L.; Marzell a. a. O. 2, 804),
einmal (Gl. 3,555,41 [14. Jh.]) auf die
‚Wolfsmilch; euforbium‘ (Euphorbia L.)
übertragen (vgl. Marzell, a. a. O. 2, 374). S.
wurz, wurza. — Ahd. Wb. 4, 1363 f.; Splett,
Ahd. Wb. 1, 154. 410. 1163. 1164; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 569; Schützeichel⁶ 170;
Starck-Wells 291. 850; Schützeichel, Glos-
senwortschatz 4, 435 f.