helfant²
Band IV, Spalte 934
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helfant2, el(a)fant m. a-St., seit dem
Ende des 8. Jh.s in Gl., bei O, N und im
Ph: Elfenbein, Elefant; ebur, elephans, ele-
phantus
Var.: hæl-; ele-; -ph-, -phant,
-phint, -fint, -fen, -phin; alpant. Das Wort ist
aus dem Lat. entlehnt (s. u.). Der älteste und
gleichzeitig einzige ahd. Beleg mit der Be-
deutung Elfenbein in Gl. 1,654,38 elafante
dat.sg. (Cod. Karlsruhe Aug. IC, Rb, Ende des
8./Anfang des 9. Jh.s) ist ohne anl. h-, einige
weitere Graphien mit vokalischem Anlaut
finden sich hauptsächlich im SH und in Gl. ab
dem 12./13. bis 15. Jh. Die Mehrzahl der Be-
lege weist aber anl. h- auf, das nicht aus der
lat. Vorlage stammen kann. Nach allgemeiner
Auffassung ist das auf das Dt. beschränkte un-
organische h- volksetymologisch auf das Part.
Präs. helfant helfend bezogen. Doch kann
diese Angleichung nur auf der Basis formaler,
nicht semantischer Ähnlichkeit erfolgt sein, da
man zur Zeit der Entlehnung nur sehr wenig
über Elefanten wußte (ihr Einsatz als Ar-
beitselefant war noch nicht bekannt). Mhd.
él(e)fant, hélfant st. m. Elefant, nhd. Elefant
großes, massiges Säugetier mit grauer,
nahezu unbehaarter Haut, großen, beweg-
lichen Ohren, einem Rüssel und langen, gelb-
lich weißen Stoßzähnen
.

Ahd. Wb. 4, 917 f.; Splett, Ahd. Wb. 1, 378; Köbler, Wb.
d. ahd. Spr. 532; Schützeichel6 155; Starck-Wells 266.
XLII; Schützeichel, Glossenwortschatz 4, 260 f.; Berg-
mann-Stricker, Katalog Nr. 296 (II). 491. 634. 726. 938.
951; Seebold, ChWdW8 159; Graff 1, 238; Lexer 1,
538; Götz, Lat.-ahd.-nhd. Wb. 216 (ebur). 221 (ele-
pha[n]s); Dt. Wb. 3, 403; Kluge21 162. 163 (Elfenbein);
Kluge24 s.vv. Elefant, Elfenbein; Pfeifer, Et. Wb.2 275.
278 (Elfenbein). Schatz 1927: § 247. RGA2 6, 141.

Die Übernahme der Tierbezeichnung in das
Westgerm. muß schon zu einem relativ frühen
Zeitpunkt erfolgt sein, da das Wort noch von
der 2. Lautverschiebung betroffen ist. Als Ent-
lehnungsbasis kommt wohl vulg.lat. *elpant-
in Frage (mit vulg.lat. p aus gr. φ in Lehnwör-
tern; vgl. vulg.lat. ampora aus gr. ἀμφορεύς;
Stotz 19962004: 3, § 140, 1) neben klass.lat.
elephā(n)s, gen.sg. elephantis Elefant und
latinisiertem elephantus, -ī m. Das Lehnwort
erscheint im Mndd. als elpen-dēr n. Elefant
(mit verdeutlichendem dēr Tier wie in ahd.
helfanttior; s. d.) neben elefant m.; mndl. el-
pen-dier n. neben elphant m., nndl. elpen- (in
elpen-been Elfenbein); nfries. elpen-bien
Elfenbein; ae. elpend m., daneben verkürztes
ylp, elp, me. elp, ne. elephant. In das Nord-
germ. wurde die Tierbezeichnung auf literari-
schem Weg übernommen: aisl. alpan-dr n.
(nur in der Þiþrekssaga [Diedrich-Sage]),
aschwed. elpender sind aus mndd. elpendēr
(Fischer 1909: 56. 158. 159) und aisl. elefantr
m. (ebenfalls Þiþrekssaga) ist aus mndd. ele-
fant entlehnt (Fischer 1909: 58. 160. 161), das
auch aschwed., nschwed. elefant, ndän. elefant
zugrundeliegt.

Für mndl., nndl. olifant Elefant, Elfenbein;
me. olifant, olifauns pl. ist von einer anderen
Entlehnungsbasis auszugehen, nämlich afrz.,
mfrz. olifant (s. u.).

Aus lat. elephā(n)s sind auch die frühen Be-
zeichnungen für das Kamel, ahd. olbenta f.
n-St. (s. d.), as. olundeo sw. m., ae. olfenda
m., aisl. ulfaldi m., got. ulbandus f. entlehnt.

Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 1, 526. 530; Verwijs-
Verdam, Mndl. wb. 2, 620; 5, 82; Franck, Et. wb. d. ndl.
taal2 155. 468; Et. wb. Ndl. 1, 678; Vries, Ndls. et. wb.
156. 481; Fryske wb. 4, 363; Doornkaat Koolman, Wb.
d. ostfries. Spr. 2, 681; Dijkstra, Friesch Wb. 1, 329;
Holthausen, Ae. et. Wb. 90. 412; Bosworth-Toller, AS
Dict. 248. 1293; Suppl. 187. 752; ME Dict. s.vv. elp,
olifant; OED2 s. v.; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 938. 979;
Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 186; Ordb. o. d. danske
sprog 4, 270 f.; Hellquist, Svensk et. ordb.3 179; Svenska
akad. ordb. s. v.

In den roman. Sprachen ist das Lehnwort als
frz. éléphant (seit dem 12. Jh.), italien. elefan-
te, nprov. elefant, afrz., mfrz. olifant, aprov.
olifan fortgesetzt. Das anl. o- für e- könnte
durch velares l (l vor dunklem Vokal oder
Konsonant; vgl. lat. olīva < *olaa, entlehnt
aus gr. ἐλαί(F)α Ölbaum, Olive; Meiser
1998: § 60, 6) bedingt sein, falls der Lautwan-
del noch für diese Zeit anzunehmen ist oder
sporadisch neu eingetreten ist.

Aus dem Lat. wurde das Wort auch ins Kelt.
übernommen: air. elef(a)int, kymr. oliffant,
oleffant Elefant, Elfenbein.

Lat. elephā(n)s und elephantus sind wiederum
aus gleichfalls entlehntem gr. ἐλέφᾱς, gen.sg.
-αντος m. Elfenbein, Elefantenzahn, Elefant
übernommen. Daß es sich dabei um eine frühe
Entlehnung handeln muß, zeigt myk. e-re-pa
m. Elefant. Die weitere Herkunft ist unsi-
cher. E. Laroche, RPh 39 (1965), 5759 ver-
bindet gr. ἐλέφᾱς mit heth. lahpa- c. Elfen-
bein
(?), wobei er für das Gr. e-Prothese und
Vertretung von heth. -hp- durch gr. -φ- (= ph)
annehmen muß.

Verfehlt ist die Annahme einer Juxtaposition aus dem
arab. Artikel el- und ephas als Appellativ für den Ele-
fanten
, das mit ägypt. ’bw, arab. fil und ai. ibha- m.
korrespondiere (s. dazu E. Laroche, a. a. O. 56; Masson
1967: 81 f.). Das ai. Wort bedeutet zudem urspr. Ge-
sinde, Troß, Hauswesen, Hofstaat
, erst in der jüngeren
Sprache ist auch die Bedeutung Elefant auszumachen.

Mayrhofer, K. et. Wb. d. Aind. 1, 90; 3, 644; ders., Et.
Wb. d. Altindoar. 1, 194; Frisk, Gr. et. Wb. 1, 493 f.;
Chantraine, Dict. ét. gr. 338; Walde-Hofmann, Lat. et.
Wb. 1, 389 (s. v. ebur); Ernout-Meillet, Dict. ét. lat.4 190
(s. v. ebur). 194 (s. v. elephantus); Thes. ling. lat. 5,
354358; Niermeyer, Med. Lat. lex.2 1, 486; Du Cange2
3, 246; Körting, Lat.-rom. Wb.3 Nr. 3224; Meyer-
Lübke, Rom. et. Wb.3 Nr. 2841; Wartburg, Frz. et. Wb.
3, 213; Dict. of Irish E-107 f.; Dict. of Welsh 2643;
Tischler, Heth. et. Gl. 2, 14 f. Aura Jorro-Adrados
1985 ff.: 1, 240. Littmann 1924: 14; C. Sandoz, Lato-
mus 48 (1989), 753764; M. L. West, Glotta 70 (1992),
125128.

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