huot
Band IV, Spalte 1274
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huot m. a-, selten i-St., in Gl. seit Ende
des 8. Jh.s: Hut, Mütze, Haube, Helm, Bi-
schofsmütze, Perücke; cidaris, conus, gale-
rus, mitra, pilleus, tiara
Var.: -oo-, -o-,
-ua-, -ou-, -ǒ-; -th, -ht. Belege mit -ou- und
-ǒ- kommen vorwiegend in bair. Hss. vor;
vgl. Braune-Reiffenstein 2004: § 40 Anm. c.
Die Schreibungen -th (z. B. Gl. 1,331,63
huoth Cod. Wien 2723, 2. Hälfte des
10. Jh.s, bair.; hth Clm. 22201, 12. Jh.,
bair.-mfrk.) und -ht (Gl. 1,331,23 huht
gleichfalls Clm. 22201) sind lediglich gra-
phische Varianten für /t/; vgl. Matzel 1957:
124 f. 127. 172. Doppelformen nach der a-
und i-Dekl. treten im Dat. und Akk.Pl. auf:
dat.pl. -un (Gl. 2,456,62, Clm. 14395, bair.-
alem.) neben -in (Gl. 1,660,40 f.; 2,456,62,
Paris, Lat. 241, bair.-alem.) und akk.pl. -a
(z. B. Gl. 1,596,5; 2,493,18) neben -i (Gl.
1,347,28; 2,396,36. 661,43). Mhd. huot
st. m. Hut, Mütze, Helm, schützender Über-
zug
, auch als Maßbezeichnung, pl. hüete,
nhd. Hut Kopfbedeckung.

Die lat. Entsprechungen von ahd. huot weisen darauf
hin, daß diese Kopfbedeckung neben der Schutzfunkti-
on als Teil der Amtstracht ein Sinnbild von Macht und
Würde war. Ab dem 11. Jh. fand der huot weitere Ver-
breitung. Er hatte eine in die Höhe strebende Grundform
im Gegensatz zur eng am Kopf anliegenden hûba Hau-
be
(s. d.). Verwendet wird das Wort seit mhd. Zeit auch
in zahlreichen Wendungen und Redensarten wie z. B.:
die der marcgrâfe fuorte, die möht ein huot verdecken
die der Markgraf führte, die paßten unter einen Hut
(W. v. Eschenbach, Willehalm 29, 10), als Rechtsaus-
druck in hut bei schleier, schleier bei hut zur Bezeich-
nung der ehelichen Gütergemeinschaft, den Hut aufha-
ben bestimmend sein, den Hut nehmen zurücktreten,
aus dem Beruf oder Amt scheiden
u. a.

Ahd. Wb. 4, 1398 ff.; Splett, Ahd. Wb. 1, 415; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 573; Schützeichel6 171; Starck-Wells
294; Schützeichel, Glossenwortschatz 4, 461 ff.; Berg-
mann-Stricker, Katalog Nr. 579. 681. 771. 949; See-
bold, ChWdW8 166; Graff 4, 803 f.; Lexer 1, 1393 f.;
Götz, Lat.-ahd.-nhd. Wb. 103 (cidaris); Dt. Wb. 10,
19781983; Kluge21 322; Kluge24 s. v.; Pfeifer, Et. Wb.2
566. Heyne 18991908: 3, 273. 297 f.; Foltin,
DWEB 3 (1963), 204 f.; DRW 6, 126 ff.; Röhrich
2004: 3, 771 ff.

Ahd. huot hat Entsprechungen in: as. hōd
st. m. (auch in darnhōd m. Tarnkappe),
mndd. hōt m. Hut, Kopfbedeckung; mndl.
hoet, hut m. Hut, Kranz, nndl. hoed Hut;
afries. hōd m. Hut (auch als Feldzeichen ge-
braucht), nfries. hoed Hut; ae. hōd st. m.
Kapuze, Hut, Überwurf, me. hōd Hut (als
schützende Kopfbedeckung und Kennzeichen
eines bestimmten Ranges oder Standes), ne.
hood Hut, schützender Überzug: < west-
germ. *χōda-.

Von seiner Bildeweise her ist westgerm.
*χōda- eine Vddhiableitung zu aisl. httr m.
Hut < urgerm. *χattu- (so bereits Matthias-
sen 1974: 230; Lühr 2000: 266; zweifelnd
Darms 1978: 307). Da aber Grundwort und
Ableitung die gleiche Bedeutung haben, ste-
hen sie nicht in einem für die Vddhiableitung
typischen semantischen Verhältnis zueinan-
der. Eine Zugehörigkeitsbildung scheidet aus,
allenfalls könnte eine urspr. Kollektivbildung
angenommen werden (Lühr 2000: 266).

Neben aisl. httr m. < *χattu- stehen sekundä-
res a-stämmiges aisl. hattr Hut (Noreen
[1923] 1970: § 395 und Anm. 2), aschwed.
hatter, nschwed. hatt Kopfbedeckung, dän.
hat Kopfbedeckung; afries. hath Hut; ae.
hæt Hut, me. hat Kopfbedeckung, Turban,
ne. hat Hut, Kopfbedeckung: < urgerm.
*χatta-. Eine Ableitung mit dem f. Suffix ur-
germ. *-ōn- ist in aisl., nisl., fär., norw. hetta,
nschwed. hätta, ndän. hætte Mütze, Kappe,
Kapuze
fortgesetzt.

Urgerm. *χattu- und *χatta- weisen auf einen
urspr. n-St. *χađan- in den st. und *χatt- <
*χađn- in den sw. Kasus (vgl. Lühr 1988:
262 f.). Ein expressiver Ursprung der Gemina-
te *-tt- ist hier aufgrund der Bedeutung eher
auszuschließen (vgl. Darms 1978: 306 f.). Ur-
germ. *χađan- ist wohl eine primäre Bildung,
da eine Ableitungsbasis *χađa- nicht bezeugt
ist.

Vorurgerm. setzt das Wort entweder einen hy-
sterodynamischen n-Stamm st. *kot-én, *kodh-
én, sw. *kot-n-, *kodh-n- oder *kat-én, *kadh-
én, sw. *kat-n-, *kadh-n- Bedecker mit dem
ablautenden Suffix *-en- zur Bildung z. B. von
Nomina agentis fort (vgl. Krahe-Meid 1969:
3, § 91, 3). Bei grundstufigem *a ist außer-
germ. lat. cassis f., gen.sg. cassidis Helm aus
Metall
zu vergleichen. Falls das Wort idg. ist
(zweifelnd Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. 1,
177; Ernout-Meillet, Dict. ét. lat.4 103: ohne
sichere Etymologie; ablehnend Schijver 1991:
101 f. 105 [etruskisches Substrat]), setzt das
lat. Femininum vorurit. *kat-ti- oder *kadh-ti-
fort.

Fick 3 (Germ.)4 69; Holthausen, As. Wb. 12. 35; Wad-
stein, Kl. as. Spr.denkm. 193; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. 2, 1, 362; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 2,
307 f.; Verwijs-Verdam, Mndl. wb. 3, 484 ff.; Franck,
Et. wb. d. ndl. taal2 254; Vries, Ndls. et. wb. 259 f.; Et.
wb. Ndl. F-Ka 439 f.; Holthausen, Afries. Wb.2 45;
Richthofen, Afries. Wb. 797. 820 f.; Fryske wb. 9, 47 ff.;
Doornkaat Koolman, Wb. d. ostfries. Spr. 2, 89 f.;
Dijkstra, Friesch Wb. 1, 531; Holthausen, Ae. et. Wb.
146. 167; Bosworth-Toller, AS Dict. 502. 548; Suppl.
499. 556; Suppl. 2, 39; ME Dict. s.vv.; OED2 s.vv. hood
n.1, hat n.; Vries, Anord. et. Wb.2 213. 226. 282; Jóhan-
nesson, Isl. et. Wb. 185; Fritzner, Ordb. o. d. g. norske
sprog 1, 742; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 113.
141; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 1, 384 f. 450; Niel-
sen, Dansk et. ordb. 176. 198; Ordb. o. d. danske sprog
7, 934 ff.; 8, 1120 ff.; Torp, Nynorsk et. ordb. 201. 212;
Hellquist, Svensk et. ordb.3 340. 390; Svenska akad.
ordb. s.vv. Walde-Pokorny 1, 341 f.; Pokorny 516.
F. Kluge, PBB 9 (1884), 167. 173; Feist 1913: 242;
Darms 1978: 105 f.

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