kôsa
Band V, Spalte 714
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kôsa f. ō-St., im M, Gl. 2,749,36. 48
(beide im Clm. 18547b, um 1000, bair.):
Rede, Gespräch, Streitsache; confabulatio,
fabula
Var.: ch-. Das Wort ist eine Ent-
lehnung aus lat. causa f. die Veranlassung,
der Anlass, der Grund (Beweggrund), der
Umstand, die Ursache, Quelle, Schuld, der
entschuldigende Grund, der Entschuldi-
gungsgrund, die Entschuldigung, die Ausre-
de, der Einwand, der Vorwand, das Vor-
geben, der eingewendete Grund, die Ein-
wendung, der Einwand, die obwaltende An-
gelegenheit, Sache, der Gegenstand, Punkt,
die Sachlage, der Sachverhalt, der obwal-
tende Fall, obwaltende Zustand, das Inte-
resse, das man verfolgt, die Sache, Partei, die
man verficht, der obwaltende Rechtsfall, die
Rechtssache, die Rechtsfrage, die gericht-
liche Sache, die Streitfrage, der Prozess
.
Mhd. kôse st.f. Rede, Gespräch, Ge-
schwätz
, nhd. veralt. Kose n. Gerede, Ge-
schwätz
(mit Genuswechsel nach Köse n.
dss.; s. kôsi).

Ahd. Wb. 5, 329; Splett, Ahd. Wb. 1, 477; Köbler, Wb.
d. ahd. Spr. 674; Schützeichel7 181; Starck-Wells
342; Schützeichel, Glossenwortschatz 5, 298; Berg-
mann-Stricker, Katalog Nr. 650; Graff 4, 505; Lexer
1, 1686; 3, Nachtr. 279; Dt. Wb. 11, 1841; Kluge21
396; Kluge25 s. v. kosen; Pfeifer, Et. Wb.2 721. H.
Sommer, PBB 94 (1972), 60.

Aus lat. causa f. (zu den einzelnen Bed.
des Wortes s. o.) sind auch mndl. cose f.
Schmeichelei (falls es nicht eine Rückbil-
dung zum Verb cosen vertraulich sprechen
[s. kôsôn] ist), afries. kās(e) f. Schlägerei,
Streit, Kampf
; ae. cēas(t), ceast (mit se-
kundärer Anfügung von -t nach dem Vorbild
der Nomina actionis; vgl. dazu ae. hǣs : me.
hest Befehl) f., me. chēst Streit, Vorwurf
hervorgegangen.

Als gelehrtes Fremdwort kommt lat. causa
als Terminus technicus in der Philosophie
und der Rechtswissenschaft in den meisten
germ. Sprachen vor.

Verwijs-Verdam, Mndl. wb. 3, 1964; Franck, Et. wb.
d. ndl. taal2 337; Vries, Ndls. et. wb. 354; Et. wb. Ndl.
Ke-R 224; Hofmann-Popkema, Afries. Wb. 266; Richt-
hofen, Afries. Wb. 860; Holthausen, Ae. et. Wb. 45;
Bosworth-Toller, AS Dict. 149; Suppl. 120; ME Dict.
s. v. chēst n.; OED2 s. v. chest n.2. DRW 7, 1349 f.
Hogg 1992: 82.

Lat. causa f. (> italien. causa, cosa, nfrz.
cause, chose [> nhd. Chose f. Sache, An-
gelegenheit
], prov. cosa, span., port. causa,
cosa, rhrom. kōsa, tχōsa [die Formen mit
-au- stellen gelehrte Formen dar]) ist am
ehesten eine Ableitung mit einem Den-
talsuffix von dem Verb lat. cūdere schlagen,
klopfen
(< *keh2-dh-), einem neugebildeten
dh-Präs. von der Wz. uridg. *keh2- schla-
gen, spalten
(zur weiteren Anbindung dieser
Verbalwz. s. houwan). Die juristische Aus-
gangsbed. wäre so Schlag als Ursache.

Aus dem Lat. ist auch air. cúis f. Ursache,
Grund, Kontroverse
entlehnt.

Walde-Pokorny 1, 330 f. 379; Pokorny 535; LIV2
345 f.; Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. 1, 190; Ernout-
Meillet, Dict. ét. lat.4 108; de Vaan, Et. dict. of Lat.
100f.; Thes. ling. lat. 3, 659 ff.; Niermeyer, Med. Lat.
lex.2 1, 209f.; Du Cange2 2, 241 f.; Körting, Lat.-rom.
Wb.3 Nr. 2034; Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.3 Nr. 1781;
Wartburg, Frz. et. Wb. 2, 1, 541 ff.; Vendryes, Lex. ét.
de l’irl. anc. C-279; Dict. of Irish C-602 f. Mlat.
Wb. 2, 401 ff.

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