lîchên
Band V, Spalte 1274
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lîchên sw.v. III, im Abr, Sam und wei-
teren Gl., I, T, MH, O, Os, OG, Ph, Prs B,
WH, NBo, NMC, Ni, Nps, Npg und Npw:
angenehm sein, wohlgefällig sein, zur Freu-
de gereichen, Gefallen finden; beneplacēre,
beneplacitum esse, complacēre, gratum esse,
studium esse, vidēri
, unpers. lîchêt Gefallen
finden an, sich (er-)freuen; beneplacitum
esse, complacēre
, part.präs. wohlgefällig,
gefallend; placabilis, placens, placitus
, part.
prät. wohlgefällig in gilîchêt sîn gefallen,
angenehm sein; beneplacēre, complacēre,
placēre
, gilîchêt ist jmd. hat Gefallen; be-
neplacitum est, complacēre
, subst. part.prät.
Wohlgefallen; beneplacitus, follûn lîchên
es sich genügen lassen; abundare Var.:
-i-; -hh-, -h-, -hch-. Die Formen 3.sg.prät.
lichota in Gl. 1,712,48 (Brüssel, 18723,
10. Jh.) und lichoda in Npw sind nach der
II. sw. Kl. gebildet (Franck [1909] 1971:
§ 198). Mhd. lîchen sw.v. gefallen.

Ahd. Wb. 5, 966 ff.; Splett, Ahd. Wb. 1, 543; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 723; Schützeichel7 201; Starck-Wells
375; Schützeichel, Glossenwortschatz 6, 82 f.; Berg-
mann-Stricker, Katalog Nr. 84; Seebold, ChWdW8
193; ders., ChWdW9 520 f.; Graff 2, 120 f.; Lexer 1,
1897 f.; Götz, Lat.-ahd.-nhd. Wb. 5 (abundare). 72
(s.v. beneplacitum). 122 (complacēre). 294 (gratus).
493 (placēre). 631 (s.v. studium). 709 (vidēri).

Eine genaue Entsprechung hat das ahd. Verb
in got. leikan* sw.v. III gefallen; ἀρέσκειν:
< urgerm. *līka-/-e/a-. In den anderen
germ. Sprachen ist ein Übertritt in die sw.
Kl. II erfolgt: as. līkon gefallen, Wohlge-
fallen bereiten
, unpers. jmd. hat Wohlge-
fallen an
(Hel), mndd. līken zusagen, pas-
sen, gefallen
; andfrk. līkon gefallen, zusa-
gen
, frühmndl., mndl. intr. liken gefallen,
gelegen kommen, gleich sein
; afries. likia
gefallen, gleichen, ähnlich sein, vergleichen,
ausgleichen
; ae. līcian gefallen, Gefallen
finden an
, me. līken, lik(k)e, lēke, liki(e)n
Gefallen finden an, Freude haben, ne. like
gern haben, mögen; aisl. líka, nisl., fär. líka
gefallen, behagen, nnorw. like gern ha-
ben
, nschwed. lika gefallen, behagen: <
urgerm. *līkōe/a-.

Bjorvand, Våre arveord2 662 f. sieht in urgerm.
*līka-/-e/a- bzw. *līkōe/a- Ableitungen vom st.v.
VII *lake/a- spielen, was von der Bed. her nicht
passt und auch aus formalen Gründen kaum mög-
lich ist (ēn-Verben als Ableitungen von st.v. VII sind
nicht üblich).

Fick 3 (Germ.)4 366; Tiefenbach, As. Handwb. 242;
Sehrt, Wb. z. Hel.2 339; Berr, Et. Gl. to Hel. 248;
Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. 2, 1, 821 (līken3);
ONW s.v. līkon; VMNW s.v. liken; Verwijs-Verdam,
Mndl. wb. 4, 645 f.; Boutkan, OFris. et. dict. 241;
Hofmann-Popkema, Afries. Wb. 304 f.; Richthofen,
Afries. Wb. 901 f.; Holthausen, Ae. et. Wb. 201; Bos-
worth-Toller, AS Dict. 637; Suppl. 616; Suppl. 2, 45;
ME Dict. s. v. līken v.1; OED2 s. v. like v.1; Vries,
Anord. et. Wb.2 356; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 734;
Fritzner, Ordb. o. d. g. norske sprog 2, 520; Holthau-
sen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 181 (līka3); Falk-Torp,
Norw.-dän. et. Wb. 644; Magnússon, sl. Orðsb. 562
(líka1); Bjorvand, Våre arveord2 662 f.; Torp, Nynorsk
et. ordb. 379; NOB s.v. (bm.) like4, (nn.) lika5;
Hellquist, Svensk et. ordb.3 574; Svenska akad. ordb.
s. v. lika v.3; Feist, Vgl. Wb. d. got. Spr. 328; Leh-
mann, Gothic Et. Dict. L-31.

Die urgerm. Verbformen *līka-/-e/a- bzw.
*līkōe/a- haben eine Grundbed. angemes-
sen, gleich sein
und sind Ableitungen des
Adj. urgerm. *līka- gleich (s. -lîh) (vgl.
auch das Subst. ahd. lîh Körper, Leiche
[s. d.]), das auf eine vorurgerm. Wz. *leHg-
oder *liHg- ähnlich, gleich sein weist; die-
se findet sich lediglich in balt. Wörtern wie
lit. lgus gleich, gleichartig, ebenbürtig,
apreuß. -līgu (im Adv. polīgu gleich) <
urbalt. *liHg-ú-; von diesem urbalt. Adj. sind
u. a. lit. lgti gleichkommen, vergleichen
können, dingen, feilschen
, lett. lĩgt dingen,
sich vereinbaren, übereinkommen
abgelei-
tet. Dagegen sind alit. liginti Gericht halten,
lit. lyginti gleich machen, vergleichen und
apreuß. līgint Gericht halten, richten von
einem nur in apreuß. līgan Urteil fort-
gesetzten Subst. abgeleitet. Als Grundbed. ist
von was ebenmäßig ist auszugehen, woraus
sich einerseits angemessen, gleich sein,
andererseits gefallen entwickelt hat.

Walde-Pokorny 2, 398 f.; Pokorny 667; Fraenkel, Lit.
et. Wb. 370 f.; Smoczyski, Słow. et. jz. lit. 355;
Mühlenbach-Endzelin, Lett.-dt. Wb. 2, 483; Karulis,
Latv. et. vārd. 1, 519 f.; Trautmann, Apreuß. Spr.-
denkm. 370. 404; Maiulis, Apreuß. et. Wb. 3, 58 ff.
316 f.; Toporov, Prusskij jazyk L 231 ff.; Smoczyski,
Lex. d. apreuß. Verb. 223 f. Lühr 2000: 135.

S. gilîh, lîh.

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