mirtil
Band VI, Spalte 467
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mirtilAWB m. a-St., in Gl. 4,79,18 (in 3 Hss.,
12. bis 13. Jh.): ‚Myrte; mirtus, murtus, myrtus
(Myrtus communis L.), sekundär auch auf eine
heimische Pflanze übertragen ‚Gagel(strauch)‘
(Myrica gale L.). Das Wort ist letztlich aus dem
Mlat. (s. u.) entlehnt. – Mhd. mirtel st.m. ‚Myr-
te‘, frühnhd. mirte f. ‚Myrte‘, in Komp. auch
noch mirtelbere ‚Myrtenbeere‘, mirtelpulver
‚Myrtenpulver‘, nhd. dial. schwäb. mirtel m.
‚dss.‘, nhd. Myrte f. ‚als Strauch oder kleiner
Baum wachsende Pflanze mit ledrigen Blättern
und weißen Blüten, deren Zweige zum Binden
eines Brautkranzes verwendet werden‘, das in
dieser Form eine Neuentlehnung des 16. Jh.s ist.

Ahd. Wb. 6, 645; Splett, Ahd. Wb. 1, 627; Köbler, Wb.
d. ahd. Spr. 786; Schützeichel⁷ 224; Starck-Wells 416;
Schützeichel, Glossenwortschatz 6, 391; Bergmann-Stri-
cker, Katalog Nr. 558. 681; Lexer 1, 2152; Frühnhd. Wb.
9, 2557; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 363 (myrtus); Dt. Wb.
12, 2845
; Kluge²¹ 498; Kluge²⁵ s. v. Myrte; Pfeifer, Et.
Wb.² 904. – Fischer, Schwäb. Wb. 4, 1682. – Littmann
1924: 17; Marzell [1943–79] 2000: 3, 253 ff. 268; LM 6,
979.

In andere germ. Sprachen wurde die Pflanzen-
bez. ebenfalls direkt oder indirekt aus (m)lat.
myrtillus entlehnt, daneben finden sich in den
germ. Sprachen oft auch Entlehnungen aus der
unerweiterten Form lat. myrtus, murtus ‚Myrte,
Myrtenbaum‘: andfrk. mirtele ist aus afrz. myr-
tille ‚dss.‘ übernommen, nndl. mirt(e) ist aus
frz. myrte ‚dss.‘ im 16. Jh. entlehnt; vgl. nwest-
fries. mirt; me. mirt(e), mirtille, ne. mirtle,
myrtle; nisl. myrta (über das Dän. aus dem Dt.
entlehnt), ndän. myrte, nnorw. myrt, nschwed.
myrten.
Die urspr. unerweiterte Form lat. myrtus, -um
wird auch in den rom. Sprachen fortgesetzt; vgl.
nfrz. myrte etc.
Eine Erweiterung um ein l-haltiges Suff. hat be-
reits im Lat. stattgefunden (s. u.), im Ahd. bzw.
den anderen agerm. Sprachen erfolgte eine Ein-
gliederung in die Gruppe der mit dem Suff. ur-
germ. *-e/ila- (s. -il) abgeleiteten Subst.

Franck, Et. wb. d. ndl. taal² 432; Vries, Ndls. et. wb. 446;
Fryske wb. 13, 284; eMED s. v. mirtille; Klein, Compr.
et. dict. of the Engl. lang. 2, 1023; eOED s. vv. †myrt,
myrtle; Magnússon, Ísl. Orðsb. 648; Nielsen, Dansk et.
ordb. 292; Ordb. o. d. danske sprog 14, 611 f.; NOB s. v.
myrt; Hellquist, Svensk et. ordb.³ 1, 673; Svenska akad.
ordb. s. v. myrten.

Nach Mitteleuropa kam das Wort über lat.
murtus, myrtus ‚Myrte(nbaum)‘, das selbst aus
gr. μύρτος f., μύρτον n. ‚Myrtenbaum, Myrten-
zweig‘ entlehnt ist. Während früher meist ein
semit. Ursprung des Worts und ein Zusam-
menhang mit gr. μύρρα ‚balsamischer Saft aus
dem Holz der Myrrhenpflanze‘ (s. mirra) ange-
nommen wurde, geht Beekes, Et. dict. of Gr. 2,
984; 2014: 565 aufgrund der bezeugten Varia-
tion μύρτ-/μύρσ- nun von vorgr. Ursprung aus
und rechnet so mit einem mediterranen Sub-
stratwort.
Aus dem Gr. wurde das Wort auch als arm.
mowrd ‚dss.‘ und als npers. mūrd ‚dss.‘ ent-
lehnt.
Im Lat. erfolgte dann teils eine Umformung
zum Fem. murta, myrta (vielleicht nach myr-
ra?), fortgesetzt in afrz., mfrz., nfrz. myrte, aok-
zitan. murta, italien. mirto, span. murta, mir-
to, port. mirto, und eine Suffigierung des Wor-
tes zu *murtella, *myrtella, *murtilla, *myr-
tilla; vgl. italien. mirtillo ‚Heidelbeere‘, mor-
tella ‚Myrte, Heidelbeere‘, span. murtilla, afrz.
mirtille ‚Myrtenfrucht‘. Lat. myrta wurde u. a.
auch als slowen. mȋrta, air. mirt, kymr. myrt,
bret. mirt etc. entlehnt.

Frisk, Gr. et. Wb. 2, 274 f.; Chantraine, Dict. ét. gr.² 697;
Beekes, Et. dict. of Gr. 2, 983 f.; Walde-Hofmann, Lat.
et. Wb. 2, 131; Ernout-Meillet, Dict. ét. lat.⁴ 423; Thes.
ling. lat. 8, 1747 ff. (myrta, myrtum, myrtus); Niermeyer,
Med. Lat. lex.² 2, 901; Du Cange² 5, 407 (mirta¹). 563 (myr-
ta, myrtha); Körting, Lat.-rom. Wb.³ Nr. 6391. 6392. 6393;
Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.³ Nr. 5801. 5802; Wartburg,
Frz. et. Wb. 6, 3, 316 f.; Hübschmann, Arm. Gr. 197;
Snoj, Slov. et. slov.² 404; Hessens Ir. Lex. 2, 126; Ven-
dryes, Lex. ét. de l’irl. anc. M-55; Dict. of Irish M-148;
Dict. of Welsh 3, 2542; Deshayes, Dict. ét. du bret. 514.

HB

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