asuunt
Band I, Spalte 377
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asuuntAWB m. i-St. (?), einmal belegt in Gl. 4,
131, 50; 13. Jh. bair., mit dem abgekürzten lat.
Lemma ascē, wozu im Ahd. Wb. I, 684 bemerkt
wird: Vermag ich nicht zu deuten. Stein-
meyer hielt Verderbnis aus ascendit scendit
CGL IV, 311, 23 (2 Hss. haben scandit) für
möglich (s. Anm. 13), doch findet sich nach H.
Thomas Nachlese, PBB 73 (1951), 210 ascendit
scandit unglossiert auf dem folgenden Blatt der
Hs. Darüber hinaus notiert Thoma nur noch:
Erstes u von asuunt unsicher.

Solange keine andere Lesung vorgeschlagen
wird, empfiehlt es sich, von asuunt auszugehen
und in den zwei zwischen Konsonanten stehen-
den -uu- eine Schreibung für die Lautfolge
-wu- zu vermuten, wie sie in ahd. Orthographie
üblich war (s. Schatz, Ahd. Gr. § 282 und beson-
ders Baesecke, Einf. in d. Ahd. § 73). Und da
weder *as-wunt noch *a-swunt einen Sinn er-
geben, so bleibt für den anl. Vokal nur die An-
nahme von langem â-: ahd. *âswunt wäre als
Abstraktbildung zu swintan st.v. III schwin-
den, tabescere
mit Schwundstufe des Wurzelvo-
kals, wie funt zu fintan, slunt zu slintan (s. Wil-
manns, Dt. Gr. II § 140, 3) zu verstehen; dazu
präfigiertes â- von weg (s. d.), also formal
eine Zss. wie â-snit, â-swh u. a. (s. d. d.).

Bedeutungsmäßig ließe sich das Wort der ahd.
Verbalbildung arswintan an die Seite stellen,
die viermal in Glossen belegt ist, zweimal im
Sinne von (aus den Augen) entschwinden und
zwar von geisterhaften Erscheinungen: 1, 278,
71 arsuuant evanuit (nämlich: der Engel des
Herrn, Richter 6, 21) und 2, 259, 9 arsuant dis-
paruit
(sc. spirituum turba, Gregors Dialoge
3, 7, Migne 77, Sp. 232; s. auch Thes. ling. lat. V,
1, 1392). So ergibt sich, wie im Falle von ahd.
âbulgî : arbelgan, ein Nebeneinander von Wort-
bildungen mit dem auschließlich nominalen
Präfix â- und mit dem Präfix ar-, also âswunt :
arswintan; ir-.

Und in dem ahd. Nomen *âswunt muß sich die
auch noch für ahd. arswintan belegte Bedeu-
tung des (Aus-den-Augen)Entschwindens, ja,
Entrückt-werdens erhalten haben, so daß es
sich als eine Bezeichnung für (Christi) Him-
melfahrt
eignete. Denn ascē, die obengenannte
Form des überlieferten lat. Lemmas, ist nichts
anderes als eine Abkürzung für ascensio,
höchstwahrscheinlich im Sinne von (Christi)
Himmelfahrt
(s. Thes. ling. lat. II, 759): genau
dieselbe Kürzung ascē wird auch bei Cappelli,
Lex. Abbrev.⁶ 24 verzeichnet. Das einzig Be-
denkliche an einem Ansatz ahd. *âswunt
scheint das relativ späte, erst frühnhd. Debüt ei-
ner Abstraktbildung schwund (s. Dt. Wb. IX,
2755); doch haben fast alle Bildungen mit â-
das Schicksal vereinzelter Relikte.

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