*attûba
Band I, Spalte 388
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*attûbaAWB f. n-St. Holz- oder Ringeltaube, pa-
lumbes (Columba palumbes L.), dreimal in Gl.
bezeugt: 3, 283, 53. 54 addubun vel heitubin
(Cod. Admont 269, 12. Jh. bair./frk.) und addu-
bím (verschrieben für -un? Clm. 3215,
13./14. Jh. obd./frk.); 3, 326, 70 atstube (Clm.
12658, 14. Jh. bair./frk.). Außer diesen mhd.
Belegen findet sich noch die frühnhd. Form
Ataub, zusammen mit Holtaub und Türteltaub,
in Hans Sachs’
Regiment der anderhalb hundert
vögel (1531), v. 200, hrsg. A. v. Keller (Stuttg.
Lit. Ver. 105, Tübingen, 1870), 283. Darnach
verliert sich das Wort aus dem dt. Sprachge-
brauch.

Ahd. Wb. I, 689; Starck-Wells 37; Diefenbach, Gl.
lat.-germ. 408 (palumbus); Dt. Wb. I, 590. Vgl. auch
Suolahti, Dt. Vogelnamen 214.

Die ahd. Zss. hat nichts Entsprechendes in den
anderen germ. Dialekten, doch ist man seit J.
Grimm, Kl. Schriften V (Berlin, 1871), 446 ff.
und Dt. Wb. I (1854), 590 (mit seinen mytholo-
gischen Spekulationen vom Seelenvogel und
mittelbar gar vom christlichen Symbol [got.
aha, ahma], wiederaufgegriffen von F. R. Schrö-
der, PBB 51 [1927], 27 f.), versucht gewesen, in
dem ersten Wortteil at- eine zusammengezo-
gene und assimilierte Form von got. ahaks
Taube zu erblicken, das aber seinerseits ety-
mologisch unerklärt geblieben ist (über die we-
nig ansprechenden Vorschläge berichtet Feist,
Vgl. Wb. d. got. Spr. 16). Auch ist die Kombina-
tion von ahd. tûba (s. d.) mit einem gleichbe-
deutenden, westgermanisch sonst nicht bezeug-
ten *ahak, ahd. *ahach höchst unwahrscheinlich
(das in der Malberger Glosse verderbt überlie-
ferte salfrk. bao-, ac-, hac- mit -fal(l)a Falle als
Grundwort bleibt besser aus dem Spiel, s. W.
van Helten, PBB 25 [1900], 310 f. und H. Gold-
schmidt, Zfvgl. Rechtswiss. 40 [1922], 222 f.).
Kaum ernst zu nehmen, da schon lautgesetzlich
nicht vertretbar, sind gar die Vermutungen von
J. Loewenthal, WuS 9 (1924/26), 185: *ada- <
*agadūbōn (< idg. *aká-dhubhā-!) Seufztaube
(zu lit. àk ach, wehe!).

So bleibt aber auch durchaus nicht ohne laut-
liche Bedenken nur die Möglichkeit, den er-
sten Wortteil von ahd. attûba auf ursprl. hag-
(s. d.) Gehege, Gehölz zurückzuführen: tat-
sächlich findet sich hagtvba einmal bezeugt, Gl.
3, 23, 42, ähnlich 3, 250, 37 hagetvbe, 3, 321, 58
hagetvba (s. auch Lexer, Mhd. Handwb. I, 1138:
hac-tûbe), neben den zahlreichen Zss. mit hegi-
(kontrahiert hei-, hai-) ( hegitûba); sie alle
variieren bed.mäßig das synonyme ahd. holz-
tûba
(s. d.) und erscheinen schon in der Über-
lieferung gepaart: holztuba seu hegetuba; an der
oben zitierten Gl.stelle 3, 283, 53 wäre dann das
nicht mehr verstandene addubun mit heitubin
gleichen Ursprungs zusammengeraten. Auch
wäre die Assimilation von g-t, d. i. c-t zu -tt-,
zumal bei der relativ späten Dokumentierung,
unschwer in Kauf zu nehmen, nicht so leicht
der Abfall des anl. h- vor Vokal.

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