atrament
Volume I, Column 384
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atrament n. a-St. Var.: atri-, ater-, atir-; -mint;
daneben atraminza f. ō- oder n-St. Var.:
at(t)ar-, at(t)er-, ad(d)er-, -minze, -munza, beide
Typen vom 12. bis 14. Jh. belegt, also mhd., und
zwar sowohl obd. wie fränk., mit den Bed. 1)
schwarze Farbe, Tinte, atramentum und 2)
(Eisen)Vitriol, Kupferwasser, atramentum, wo-
bei die Belege es wahrscheinlich machen (nach
Ahd. Wb. I, 688), daß atraminza etc., ursprl.
Tinte (einmal auch Schusterschwärze, calcan-
tum [sutor(ic)ium]
) bedeutete, dagegen atra-
ment ursprl. einen naturwiss.-medizinischen
Begriff ausdrückte und die Vermischung der
beiden erst später eintrat.

Ahd. Wb. I, 688 f.; Starck-Wells 36; Graff I, 159; Le-
xer I, 104; Benecke I, 66; Diefenbach, Gl. lat.-germ.
57; Diefenbach-Wülcker, Hoch- u. nd. Wb. 96.

Die zwei adt. Vokabeln gehen auf lat. ātrāmen-
tum zurück, die eine noch vor der ahd. Lautver-
schiebung von -nt- zu -nz- und wohl in volkse-
tym. Assoziation mit lat. ment(h)a, ahd. minza
(s. d.) adoptiert, die andere als Fremdwort ohne
phonologische Veränderung und noch mit dem
gram. Geschlecht des lat. Prototyps übernom-
men (zu diesen und ähnlichen Zwillings- und
Drillingsentlehnungen
, s. Lessiak, Dt. Konso-
nantismus 209 ff.; Schatz, Abair. Gr. § 4 g; E.
Gutmacher, PBB 39 [1914], 77 ff.). Die zwei-
malige Rezeption und die relativ zahlreichen,
wenn auch sehr spät erst überlieferten Belege
der adt. Entlehnungen sprechen für Th. Frings’
weiträumige dialektgeographische Rekonstruk-
tion eines ehemals über ganz Mittel- (und Süd-
west-)Europa sich erstreckenden Geltungsbe-
reiches von ātrāmentum und seinen germ. wie
roman. Abkömmlingen: mndd. atrament (ater-,
atriment, atremint), mndl. atrament sowie afrz.
arrement, errement u. a., prov. airamen, aitalien.
agremento und sardisch tramentu, ein Gebiet,
das in der Folgezeit von den Nachkommen des
aus Byzanz importierten encaustum und des
noch jüngeren lat. tīncta ( tinta) überwuchert
wurde. Auf engl. Boden und vorübergehend
auch auf fries., ndl., ndd., ja, noch weiter süd-
lich konkurrierte damit ae. blæc, as. blak etc. Im
Got. ist nur einmal swartizl als Entsprechung
von gr. μέλαν bezeugt man vgl. dazu westfäl.
swartsǝl von heute!

Mittellat. Wb. I, 1131 f.; Körting, Lat.-rom. Wb.3 Nr.
1008; Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.3 Nr. 758; Wart-
burg, Frz. et. Wb. I, 166; Verdam, Mndl. handwb. 47;
Verwijs-Verdam, Mndl. wb. I, 482; vgl. auch Möller,
Fremdwörter aus dem Lat. 32, dazu E. Öhmann, Neu-
phil. Mitt. 64 (1963), 338. Feist, Vgl. Wb. d. got. Spr.
464. Zum Ganzen s. Frings, Germania Romana2 I,
158 ff.; II, 103 ff. Zum Sachgehalt des Wortes s.
Pauly-Wissowa, Realenzykl. II, 2, 2136.

Das lat. Wort ist eine Ableit. von āter (tief)schwarz,
dunkel
mit Hilfe des im Ital. weitverbreiteten For-
mans -mentum (idg. *-mto- = germ. *-munda-, wie
etwa in ahd. liumunt, s. d.). Für das lat. Adj. āter
selbst fehlt es noch immer an einer sicheren Anknüp-
fung: nur wenn man eine Bed.entwicklung von ver-
brannt
zu rußig, geschwärzt gelten läßt, scheint Zu-
sammenhang mit av. ātar-, npers. āδar Feuer (aind.
átharvan- m. [Feuer]-Priester dürfte seinerseits iran.
Herkunft sein, s. Mayrhofer, K. et. Wb. d. Aind. I,
28), arm. airem (< *āter- oder *ǝtēr-) verbrenne ak-
zeptabel. (Fraglich ist, ob auch air. áith, gen. átho,
kymr. odyn [< urkelt. *āti-(no-)] Brennofen hier-
her gehören.)

Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. I, 75 f. 849 f.; Walde-
Pokorny I, 42; Pokorny 69; Bartholomae, Airan. Wb.
312 f.; Horn, Grdr. d. npers. Et. 3; Hübschmann, Arm.
Gr. 418; Fick II (Kelt.)4 9; Vendryes, Lex. ét. de l’irl.
anc. A54. Unkritisch ist W. Prellwitz, BB 23
(1897), 68 ff.

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