îtalAWB adj., im Abr und weiteren Gl., bei
O, T: ‚leer, ohne etw., nichtig, unnütz, öde;
exinanitus, inanis, nihilum, raca, vacans,
vacuus, vanus‘, îtal wesan ‚frei sein von;
vacare‘, îtal werdan ‚befreit werden von;
exinanire‘, auch substantiviert îtalaz n.
‚das Nichts; inane‘ 〈Var. -el〉. — Mhd. îtel
‚leer, ledig, eitel, unnütz, vergeblich, aus-
schließend‘, nhd. eitel ‚leer, gefallsüchtig,
nichtig‘.
Ahd. Wb. 4, 1746 ff.; Splett, Ahd. Wb. 1, 429; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 637; Schützeichel⁷ 167; Starck-Wells
314; Schützeichel, Glossenwortschatz 5, 93 f.; See-
bold, ChWdW8 171; ders., ChWdW9 450 f.; Graff 1,
153 f.; Lexer 1, 1460 f.; Diefenbach Gl. lat.-germ. 290
(inanire, inanis). 604 (vacare, vacuus). 606 (vanus);
Götz, Lat.-ahd.-nhd. Wb. 239 (exinanire). 324 (ina-
nis). 693 (vacans). 695 (vanus); Dt. Wb. 3, 383 ff.; Dt.
Wb.² 7, 1186 ff.; Kluge²¹ 161; Kluge²⁵ s. v. eitel; Pfei-
fer, Et. Wb.² 273. — DRW 2, 1509.
In den anderen germ. Sprachen entsprechen:
as. īdal, īdil, mndd. īdel ‚leer, unbeladen,
ungültig, kraftlos, vergeblich, lauter, rein,
pur‘; andfrk. īdel, īdil ‚vanus, inanis‘, mndl.
īdel, (h)ydel, nndl. ijdel, ijl ‚eitel, angebe-
risch‘; aostfries. īdle adv. ‚leichtfertig‘,
awestfries. īdel ‚töricht, nichtig‘, nwestfries.
idel ‚eitel, bloß, leer‘; ae. īdel, me. īdel, ne.
idel ‚leer, grundlos, nutzlos, nicht arbeitend‘:
< westgerm. *īd(a)la- < urgerm. *īđ(a)le/a-.
Dän., norw., schwed. idel ‚bloß, lauter, rein‘,
die verstärkende Pkl. nisl. íðil sind Lehnwör-
ter aus dem Mndd. Die früher als langob.
angesehenen PN Idelbertus und Idelgerius
sind hinsichtlich ihrer sprachlichen Herkunft
zweifelhaft.
Heidermanns, Et. Wb. d. germ. Primäradj. 321; Tie-
fenbach, As. Handwb. 195; Sehrt, Wb. z. Hel.² 291;
Berr, Et. Gl. to Hel. 212. 470; Wadstein, Kl. as.
Spr.denkm. 15. 197; Lasch-Borchling, Mndd. Hand-
wb. 2, 1, 406; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 2, 348 f.;
ONW s. v. īdil; Verwijs-Verdam, Mndl. wb. 3, 785 ff.;
Franck, Et. wb. d. ndl. taal² 272; Suppl. 75; Vries,
Ndls. et. wb. 277; Et. wb. Ndl. F-Ka 497 f.; Boutkan,
OFris. et. dict. 191; Hofmann-Popkema, Afries. Wb.
242; Richthofen, Afries. Wb. 837; Fryske wb. 9, 187;
Dijkstra, Friesch Wb. 2, 1; Faltings, Et. Wb. d. fries.
Adj. 297; Holthausen, Ae. et. Wb. 185; Bosworth-
Toller, AS Dict. 586; Suppl. 588; Suppl. 2, 43; ME
Dict. s. v. īdel adj.; OED² s. v. idle adj.; Vries, Anord.
et. Wb.² 285; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 1032; Bjor-
vand, Våre arveord 428 f.; Falk-Torp, Norw.-dän. et.
Wb. 458; Nielsen, Dansk et. ordb. 203; Ordb. o. d.
danske sprog 9, 52 f.; NOB s. v. (bm.) idel; Hellquist,
Svensk et. ordb.³ 398; Svenska akad. ordb. s. v. idel;
Bruckner, Spr. d. Langob. 270.
Das ī- von westgerm. *īd(a)la- (< urgerm.
*īđ(a)le/a-) kann auf älteres *ei̯- oder *ī- zu-
rückgehen. Bisher wurde kein morpholo-
gisch und semantisch zweifelsfreier Vor-
schlag für die Etym. des Wortes unterbreitet.
Weder der Anschluss an uridg. *h₂ei̯dh-
‚brennen‘ (der in älteren Etymologica bevor-
zugt wird), noch der an uridg. *h₁ei̯- ‚gehen‘
überzeugen. Der erste bereitet lautliche Prob-
leme, da mit einem Anlaut uridg. *h₂ei̯dh- >
*h₂ai̯dh- > urgerm. *ai̯đ- > ahd. *eit- zu rech-
nen wäre, der zweite ist semantisch schwer
zu begründen. Auch der jüngste Vorschlag
einer Verbindung mit dem pron. Element *ī-
in Form eines alten Komp. (Heidermanns,
Et. Wb. d. germ. Primäradj. 321) kann nicht
überzeugen, da das HG unklar bleibt.
Folgende Vorformen sind unter Berücksichtigung der
sonst bezeugten Bildeweisen als Transponate (Rück-
führungen auf das Uridg. unter Anwendung der be-
kannten Lautgesetze ohne Berücksichtigung der Fra-
ge, ob das Wort, gestützt durch die Evidenz anderer
Wortformen, überhaupt existiert hat) möglich, wobei
die eingeklammerten Formen keinen geläufigen Mus-
tern entsprechen und als singuläre und/oder sekundäre
Bildungen anzusehen wären:
1) *HiHdh(o)lo-: *HiH-dhlo- oder *HiHdh-lo- bzw.
(*HiH-dh-o-lo-) oder *HiHdh-o-lo-; 2) *HiHtló-:
*HiHt-ló- oder *HiHt-ló- bzw. *HiHt-o-ló- oder
*HiHt-o-ló- => Wz. *Hei̯H(t/dh)-, *(H)i̯eH(t/dh)-; 3)
*h₁ei̯(H)dh(o)lo-: *h₁ei̯(H)-dhlo- oder *h₁ei̯(H)dh-lo-
(bzw. *h₁ei̯[H]-dh-o-lo-) oder *h₁ei̯(H)dh-o-lo-; 4)
*h₁ei̯(H)tló-: *h₁ei̯(H)t-ló- oder *h₁ei̯(H)-tló- bzw.
*h₁ei̯(H)t-o-ló- (oder *h₁ei̯[H]-to-ló-) => Wz.
*h₁ei̯H(t/dh)-; 5) Ausgehend von den unter 2) und 4)
genannten Formen wäre auch eine Verbindung mit
der Wz. uridg. *h₁ei̯- ‚gehen‘ als *h₁i-h₁ei̯-t-ló- bzw.
*h₁i-h₁i-t-ló- denkbar (die Bed. wäre vielleicht ‚her-
umstreunend, sich herumtreibend‘), allerdings bliebe
die morphologische Struktur mit Reduplikation und
doppelter Suffigierung im Germ. singulär.
Die bes. in älteren Etymologica immer wieder ge-
nannte Zusammenstellung mit aisl. illr ‚böse,
schlecht‘ bereitet sowohl hinsichtlich der Bed. als
auch hinsichtlich der Morphologie Schwierigkeiten.
Hierfür müsste urgerm. *iđle/a- angesetzt werden, das
im Anlaut *i- statt wie oben *ī- aufweist und nicht
den im Westgerm. durchgängigen Vokal (sei er ererbt
oder sekundär epenthetisch) vor dem Lateral hat.
Weitere Anschlüsse in außergerm. Sprachen
sind vorerst nicht zu sichern. Die von G.
Bonfante, BSL 69 (1974), 69—71 erwogene
Zusammenstellung mit heth. idālu-, idālau̯-
‚böse, schlimm; Bosheit, Übel‘ scheitert am
Lautlichen: Das heth. Wort ist am ehesten als
eine Ableitung uranatol. „*ʔedu̯ól-u-“ < ur-
idg. *h₁éd-u̯l- zu uridg. *h₁ed- ‚essen‘ zu
fassen. Als solche ist sie mit den für das
germ. Wort anzusetzenden Rekonstrukten
(s. o.) nicht zu vereinbaren.
Aufgrund der Tatsache, dass bislang keine
ansprechende und eindeutige Etym. gefun-
den wurde, könnte hier vielleicht ein Wort
aus einer unbekannten Substratsprache vor-
liegen.
Walde-Pokorny 1, 5. 103; Pokorny 12; Kronasser,
Etym. d. heth. Spr. 425 ff.; Tischler, Heth. et. Gl. 1,
442 ff.; Kloekhorst, Et. dict. of Hitt. 420 ff. — Rieken
1999: 446—448.