ango¹
Volume I, Column 250
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ango1 m. n-St. Gl., Notker: Stachel von
Pflanze oder Insekt, Stachel aus Bein oder Me-
tall, Fischangel, auch übertragen, aculeus, spi-
cula
; Türangel, Drehpunkt, cardo Var.: ank-.
Mhd. ange ist gelegentlich auch schon fem.,
im Sinne von Fischangel. Im heutigen Deutsch
nur noch in manchen Mdaa. lebendig, s.
Schweiz. Id. I, 329; Müller, Rhein. Wb. I, 189 f.
(da und dort wird zwischen Ang Stachel, Tür-
angel
und Angel Fischangel unterschieden).
Eine adj. Ableit. ahd. angoht begegnet an einer
Gl.stelle, 1, 634, 69, in 6 Hss., 10.12. Jh. (in ei-
ner siebten steht dafür *anguloht) mit einem
Stachel versehen, aculeatus
; heute nur noch
mdartl. als angecht bezeugt und im Abgang be-
griffen (Kranzmayer, Wb. d. bair. Mdaa. in
Österr. I, 234 [von Heuschrecken!]).

Ahd. Wb. I, 520 f.; Schützeichel3 8; Starck-Wells 28;
Graff I, 345; Schade 20; Lexer I, 69; Benecke I, 43.
45; Dt. Wb. I, 337 (Ange m. fast erloschen und
durch angel ersetzt
); Kluge21 22 (s.v. Angel).

Ahd. ango1 hat Entsprechungen in fast allen
germ. Dialekten, wenn auch nur spärlich belegt:
as. ango m. Türangel, Stachel; mndl. ang(h)e
Angel, Stachel; ae. anga, onga; aisl. angi
Spitze, Zacken; nnorw. ange Zahn einer Ga-
bel
, dial. angbegi Ellbogen, schwed. dial. ang
Wurzelfaser. Diese Übersicht führt auf eine
gemeinsame germ. Stammform *angan-, die mit
gram. Wechsel sich aus idg. *ankón- oder *on-
kón- (**H2e/onkón; mit dem Vokalismus des
Griech. und Lat. s. u.) entwickelt hat. Vgl. auch
die aus andfrk. *ango- Hakenlanze stammen-
den roman. Lehnwörter bei Meyer-Lübke,
Rom. et. Wb.3 Nr. 458 c; Wartburg, Frz. et. Wb.
(Neubearb.) XXIV, 565 f.; Gamillscheg, Et.
Wb. d. frz. Spr.2 38 f.

Fick III (Germ.)4 12; Holthausen, As. Wb. 3; Verdam,
Mndl. handwb. 41; Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 18;
Vries, Ndls. et. wb. 16; Holthausen, Ae. et. Wb. 6;
Bosworth-Toller, AS Dict. 751 (onga); Suppl. 41;
Vries, Anord. et. Wb.2 10; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 27;
Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 5; Falk-Torp,
Norw.-dän. et. Wb. 29; Torp, Nynorsk et. ordb. 5;
Hellquist, Svensk et. ordb.3 21; Feist, Vgl. Wb. d. got.
Spr. 242 (*hals-agga).

Der Ansatz von idg. *ankón- findet Bestäti-
gung in Form und Akzentstelle durch gr.
ἀγκών, -ῶνος m. Bug, Ellbogen (das immer
wieder zitierte *ἄγκοινα alles Gekrümmte
wird von Boisacq, Dict. ét. gr.4 1087 als mythe
abgetan). Dazu kommt aber noch der gr. s-St.
ἄγκος Tal, Schlucht, d. i. Krümmung in der
Landschaft
(Porzig, Satzinhalte 294 f.) sowie
der o-St. gr. ὄγκος Widerhaken, d. i. Ge-
krümmtes
und lat. uncus dss. (beide mit o-
Stufe, s. Kent, Sounds of Latin3 § 91, IVB), die
jeweils einem aind. s- und o-St., ákas- und
aká-, mit ähnlichen Bed. entsprechen; vgl.
auch noch lat. ancus krummarmig. Vokalische
Stämme weibl. Geschlechts sind aind. ak-
Haken, Biegung, formal vergleichbar dem lit.
ánka Schlinge in einem Strick. Ferner gehören
hierher av. χnah Zügel, bret. akoé Fischha-
ken
. Die gemeinsame Wz. aller dieser Bildun-
gen ist idg. *ank-: *onk- (**H2e/onk-) biegen.

Frisk, Gr. et. Wb. I, 11; Boisacq, Dict. ét. gr.4 7 und
Anm. 1 (Lit.); Chantraine, Dict. ét. gr. 10 f. (Ableit.
auf -n-); Lex. d. frühgr. Epos I, 70 f. 73 f.; Mayrhofer,
K. et. Wb. d. Aind. 19; Bartholomae, Airan. Wb. 359;
Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. I, 46 ff.; Ernout-Meil-
let, Dict. ét. lat.4 32; Fraenkel, Lit. et. Wb. 11; Traut-
mann, Balt.-Slav. Wb. 9; Vasmer, Russ. et. Wb. III,
179 f.; Henry, Lex. ét. du breton mod. 11 f.; E. Ernout,
Glossaire moyen-breton (Paris, 1895; Neudruck: Ge-
nève, 1976), 29. Walde-Pokorny I, 60 f.; Pokorny
45 f.; Brugmann, Grdr.2 I § 633.

S. auch angul.

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