*bewen
Volume I, Column 575
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*bewen sw.v. I häufig benutzen, viel gebrau-
chen, durch häufigen Gebrauch abnutzen, er-
schöpfen; anfertigen; terere, refricare, conficere
;
nur in Gl. belegt Formen: pau[u]anne dat. inf.,
kipeuuiter, -beuuiter, gepoit, -bouut part. prät..

Ahd. Wb. I, 941 f.; Starck-Wells 49; Graff III, 4; Ra-
ven, Schw. Verben d. Ahd. I, 285; s. auch Braune, Ahd.
Gr.13 § 358 Anm. 3; Krüer, Bindevokal im sw. dt. Prät.
296 ff.

Sowohl die Etymologie wie auch die Grund-
bed. des Wortes ist unsicher; abzulehnen ist je-
denfalls formale Gleichsetzung mit got. bauan
wohnen (R. Kögel, PBB 9 [1884], 515 f.; s.
aber unten) oder ahd. bâen bähen (Graff III,
4). Viel ansprechender ist der Vergleich mit ae.
bī(e)wan, bwan, bōowan reiben, polieren, put-
zen, schmücken
(< *bewwj- ?; vgl. aber bæ-
wenn, bæweþþ [Ormulum], das ein *bawwj-
voraussetzt, wie in ahd. bewen; s. Holthausen,
Ae. et. Wb. 23; Luick, Hist. Gr. d. engl. Spr.
§ 356, 2; Bosworth-Toller, AS Dict. 4 [a-b-
wan]. 142 [bwan]; Suppl. 3 [ā-bīwan]. 95 [bī-
wan]. 296 [ge-bīwan]); zur Bed. vgl. auch die
ahd. Zss. firbewen aufreiben. Nach Seebold,
Germ. st. Verben 126 ist die Grundbed. von
germ. *beww- reiben, wozu auch aisl. bygg
Gerste, Getreide gehört (wie lat. trīticum Wei-
zen
zu tero reibe, scheuere, reibe Korn aus),
viell. as. bewod Ernte, *beo (nur gen. pl.
bewo) Bed. unsicher, viell. auch Ernte(?).

Eine solche germ. Basis *beww- reiben stünde
aber vereinzelt da, ohne andere germ. oder au-
ßergerm. Beziehungen. Auch die Bed.entwick-
lung von reiben zu anfertigen macht Schwie-
rigkeiten, es sei denn, daß der einzige Beleg da-
für (Gl. 1, 274, 45: za pauuanne za pahhanne
[paleas] ... ad conficiendos [lateres] [zu Ex.
5,7]) das Lemma conficere falsch übersetzte, im
Sinne von Gl. 1, 276, 1 kibeuuiter kineizter
[fame et dolore] confectus.

Wenn man aber die Bed.entwicklung umkehrt
und von einer Grundbed. (vor)bereiten, parare
über schmücken, polieren zu reiben und end-
lich aufreiben u. ä. fortschreitet, lassen sich die
ahd. und ae. Verben doch letzten Endes mit
ahd. bûan (s. d.), got. bauan u. a. verknüpfen;
vgl. aisl. búa, das sowohl wohnen als auch be-
reiten
und schmücken bedeutet (Vries, Anord.
et. Wb.2 63). Auch aind. bhūáyati schmückt
(bhati bemüht sich um [?], einmal auch
schmückt, Monier-Williams, Skt.-Engl. Dict.
764), bhūaa- n. Schmuck, Amulett werden
gewöhnlich zur selben idg. Basis *bheā-
wachsen, werden usw. gestellt (s. Mayrhofer,
K. et. Wb. d. Aind. II, 515 f.; Pokorny 147; bes.
Holthausen, Ae. et. Wb. 23). Die oben ange-
führten Subst. aisl. bygg, as. bewod (und *beo
[?], s. oben), wie auch afries. bē Ernte, mndl.
boude, bouwde Ernte, Getreide (auf dem
Halm)
gehören gleichfalls eher zu ahd. ae.
būan in der Bed. bebauen (vgl. nhd. Saat zu
säen).

Zu diesen Wörtern s. Verdam, Mndl. handwb. 113;
Sehrt, Wb. z. Hel. 44 (beo). 47 (bewod); Berr, Et. Gl.
to Hel. 47; Holthausen, Afries. Wb. 6; Richthofen, A-
fries. Wb. 621; Holthausen, Ae. et. Wb. 21; Vries,
a.a.O. 66.

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