Volume II, Column 706
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AWB adv., vom 8. Jh. an: da, dann, damals,
darauf, daher, (da) doch, hingegen, tunc,
tum, demum, tandem
, konj. als, während,
nachdem; dadurch, daß; weil; obgleich
Var.:
t(h)-, -uo, -ū. Gegenüber ahd. dhuo, duo
Isid., Mons. Frg. (s. auch duoder Merseb. Zau-
berspr. 1) ist in der Lautform das -ô- auf-
grund von Schwachtonigkeit nicht diphthon-
giert. Mhd. adv. da, damals, darauf, da-
gegen
, konj. als, nhd. dial. schweiz. do (bis
ins frühe 17. Jh.). Seit dem 14. Jh. tritt neben
mhd. die (von der Mitte des 16. Jh.s allge-
mein geltende) Form dâ, die aus ahd. dâr da,
dort, hier, dann
mit r-Schwund hervorgegan-
gen ist ( dâr). Da die Darstellung von Zeit-
verhältnissen auf räumlichen Vorstellungen be-
ruhen kann, setzt sich die Raumvorstellungen
bezeichnende Lautform durch. Als Kon-
junktion hat zunächst temporale Funktion
(so schon ahd., jedoch bei nach Ende des
18. Jh.s nur noch in gehobener Ausdruckswei-
se); in Konkurrenz zu weil setzt Mitte des
17. Jh.s kausaler Gebrauch ein.

Splett, Ahd. Wb. I, 143; Schützeichel⁴ 91; Starck-
Wells 103. 800; Graff V, 65 ff.; Schade 106; K. Mat-
zel, Gesammelte Schriften 342 Anm. 15; Lexer I, 445;
Benecke I, 374 f.; Dt. Wb. II, 656 ff.; Dt. Wb.² VI,
10 ff.; Kluge²¹ 119; Kluge²² 125; Pfeifer, Et. Wb.
249 f.; Hiersche, Dt. et. Wb. D-7 f.; E. Weißbrodt,
Zfdt. Wortf. 15 (1914), 285; G. Schmidt, Germ. Adv.
137; E. Arndt, PBB 82 (Halle, 1960), 242 ff.; R. Har-
weg, Zfvgl.Spr. 86 (1972), 137 ff.; 90 (1977), 290 ff.;
Ch. Thim-Mabrey, Sprachwissenschaft 7 (1982), 197 ff.

Ahd. entsprechen as. thō adv. damals, dann,
darauf
, konj. als, nachdem, mndd. do dss.;
andfrk. thuo tunc, mndl., ält. nndl. doe dss.;
nfries. d dss..

Will man ahd. und ae. ðā da, dann, darauf;
als, während; insofern, wenn, weil
, me. þā
dann, wenn; afries. tha, da da, damals, als
unter einer gemeinsamen Vorform *þōn verei-
nen (Grimm, Dt. Gr.a III, 169), so kann man
annehmen, daß die Lautungen mit -ō die ur-
germ. betonten und die mit -ā die urgerm. unbe-
tonten Formen waren. Doch können die Formen
auf -ā auch auf eine Vorform *þē zurückgehen.
Dagegen stammt aisl. þá da, damals, nisl. þá,
aschwed., mschwed. þa, nschwed. då, adän.
tha, mdän., ndän. da (doch ndän. da in jeg kom
da frem möglicherweise als abgeschwächte Form
von þō; kausales ndän. da, nschwed. då dage-
gen aus dem Dt.), nnorw. daa von urgerm. *þan
her; vgl. runendän. þ ( dan). Für ahd. wä-
re daneben eine Vorform *þt (Lühr, Stud. z.
Hildebrandlied 416 Anm. 7) oder *þō (mit Be-
wahrung von *ō im Einsilbler) denkbar.

Fick III (Germ.)⁴ 175; Sehrt, Wb. z. Hel.² 608 ff.;
Berr, Et. Gl. to Hel. 410; Wadstein, Kl. as. Spr.denkm.
232; Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 435;
Schiller-Lübben, Mndd. Wb. I, 527; Helten,
Aostndfrk. Psalmenfrg. 109; Kyes, Dict. of O. Low and
C. Franc. Ps. 108; Verdam, Mndl. handwb. 139;
Franck, Et. wb. d. ndl. taal² 700; Vries, Ndls. et. wb.
737; Holthausen, Afries. Wb.² 109; Richthofen, Afries.
Wb. 1067; Doornkaat Koolman, Wb. d. ostfries. Spr.
I, 302; Dijkstra, Friesch Wb. I, 270; Holthausen, Ae.
et. Wb. 359; Bosworth-Toller, AS Dict. 1030; Strat-
mann-Bradley, ME Dict.³ 626; Vries, Anord. et. Wb.²
605; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 447; Fritzner, Ordb. o.
d. g. norske sprog III, 1002; Holthausen, Vgl. Wb. d.
Awestnord. 312; Noreen, Aisl. Gr.⁴ § 229, 5; Heusler,
Aisl. El.buch⁷ § 152; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb.
130; Ordb. o. d. danske sprog III, 376 ff.; J. Brøndum-
Nielsen, Gammeldansk grammatik i sproghistorisk frem-
stilling I (København, 1950), 180; Torp, Nynorsk et.
ordb. 58; Hellquist, Svensk et. ordb.³ 167 f.; Svenska
akad. ordb. D-2470 ff.; Feist, Vgl. Wb. d. got. Spr.
493; Lehmann, Gothic Et. Dict. þ-26.

Die Vorform urgerm. *þōn geht wohl auf einen
Akk. Sg. f. vorurgerm. *tām des Pronominal-
stammes *te / to- zurück (got. þo; der), wo-
bei ein Begriff wie Zeit (oder Ort; duoder)
zu ergänzen ist. In diesem Fall entspricht vorur-
germ. *tām formal dem lat. tam so (< *tām)
und von der Bedeutung her dem lat. tum da-
mals
, aksl. to-gda dann, damals, darauf (jav.
tǝm darum, deshalb, dazu). Eine Vorform
*þt würde dagegen auf einen Abl. vorurgerm.
*td und die Vorform *þē, die gegebenenfalls
für ae. ðā usw. anzusetzen ist, bzw. *þō auf ei-
nen Instr. vorurgerm. *tē (< uridg. *teH₁) bzw.
*tō (< uridg. *toH₁) weisen; vgl. mit ē-Vokal:
got. þe adv. um so, desto, vor Komparativen
in der Wendung ni þe haldis nicht um so mehr,
keineswegs
; vgl. gr. τῆ-δε hier, hom. τῆ inter-
jektion mit imp. hier! nimm!, dor. τῆνος de-
monstrativpron. = ἐκεῖνος jener (wie τεν-εῖ =
ἐ-κεῖ dort); lit. da, nimm!; und mit ō-Vo-
kal: gr. hom. τῶ dann, in diesem Fall; lit. tuõ
deshalb, sogleich, alsbald, instr. zu tàs dersel-
be
( der), davon gebildet tuojaũ(s) sogleich,
tuoml in einem fort, lett. tùolaĩk damals;
heth. ta und (< *tō oder *to); alb. tue wäh-
rend
.

Walde-Pokorny I, 742; Pokorny 1087; Mann, IE
Comp. Dict. 1365; Bartholomae, Airan. Wb. 648;
Frisk, Gr. et. Wb. II, 890. 894; Chantraine, Dict. ét.
gr. 1115; Schwyzer, Gr. Gram.² I, 549 f. 613; Walde-
Hofmann, Lat. et. Wb. II, 645 f. 714 f.; Sadnik-Aitzet-
müller, Handwb. z. d. aksl. Texten 137; Fraenkel, Lit.
et. Wb. 1140 f.; Mühlenbach-Endzelin, Lett. dt. Wb.
IV, 283 f.; Friedrich, Heth. Wb. 201; Mann, Hist. Al-
ban.-Engl. Dict. T-528; I. Dal, Norsk tidsskrift f.
sprogv. 9 (1938), 193.

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