fadum
Volume III, Column 1
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fadum m. a-St., seit dem 8. Jh. in Gl., bei
Otfrid, Notker: Garn, Klafter, filum, ulna
Var.: Gl. 1, 215, 31 K fathum; -am, -om, -em;
zum Sproßvokal -u- vor m in älteren Denkmä-
lern s. Braune, Ahd. Gr.15 § 65 Anm. 1.
Mhd. vadem, (sw.pl. vademen), vaden (seit
dem 14. Jh., -em noch im 17. Jh.) Faden,
Garn, Schnur, Draht
, seit dem 15. Jh. Maß
für die Meerestiefe
, nhd. Faden.

Ahd. Wb. III, 481 f.; Splett, Ahd. Wb. I, 196; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 241; Schützeichel5 127; Starck-Wells
136. XXXIX. 806; Schützeichel, Glossenwortschatz
III, 17 f.; Seebold, ChWdW8 119; Graff III, 451;
Schade 156; Lexer III, 4; Benecke III, 201; Diefen-
bach, Gl. lat.-germ. 235 (filum, felum); Dt. Wb. III,
1231 ff.; Kluge21 179 f.; Kluge24 270; Pfeifer, Et. Wb.2
316.

Die Entsprechungen innerhalb des Germ. lau-
ten: as. fathmos pl. Maß von sechs Fuß, Klafter,
Hände und Arme
, mndd. vādem Maß der aus-
gebreiteten Arme, zu sechs Fuß gerechnet (auf
Garne, Tauwerke, Meerestiefen bezogen), Fa-
den, sechs Fuß hoher und sechs Fuß breiter
Haufen Brennholz, Klafter, Holz
; mndl. va-
dem(e), -om ausgestreckte Arme als Maßein-
heit, Faden, Zwirn
, nndl. vaam Klafter,
Zwirn
; afries. fethem Faden, Klafter, nostfries.
fām dss.; ae. ðm ausgebreitete Arme, Umar-
mung, Klafter, Schutz, Busen, Schoß, Faden,
Elle, Macht, Ausdehnung, Fläche
, me. fadme
Maß der ausgestreckten Arme, sechs Fuß, ne.
fathom ausgebreitete Arme, Längenmaß von
sechs Fuß
; aisl. faðmr m. Umarmung, Umfas-
sung, Busen, Schoß, Faden
, nisl. faðmur,
nnorw., nschwed. famn, ndän. favn Umar-
mung, Klafter
(zur Entwicklung von -ðm- >
-mn- vgl. aisl. mjðm Hüfte, Leibesmitte ne-
ben nnorw. dial. mjømn; mittamo; kaum
Vorform mit *-þmn- > -mn-; doch vgl. unten
zu Faðmir), ält. ndän. auch fagn (mit Verquik-
kung von -v- und -g- wie bei aisl. baðmr m.
Baum, nschwed. dial. bagne Nebenstamm ei-
nes Baumes
; boum): < urgerm. *faþma-
Umspannung mit den Armen, so viel Garn,
wie man mit ausgebreiteten Armen abmißt
. Als
Varianten des Namens der Schlange, die Sigurðr
Fáfnisbani tötet, erscheinen im Aisl. die Lautfor-
men Fáfnir, Famnir und Faðmir < *fađmnir
(teils mit Wandel von *đmn > *mn und weiter-
hin zu *fn; s. Noreen, Aisl. Gr.4 § 225. 292),
eigtl. Umfasser; vgl. auch ðfeðmir der den
weiten Raum Umfassende
als poetische Be-
zeichnung des Himmels (H. Falk, in Heiders-
skrift til Marius Haegstad [Oslo, 1925], 34 ff.).
Ein denominales Verb begegnet in aisl. faðma
umarmen, ae. ðmian dss., mndd. vademen
das Maß eines Fadens geben, mndl. vadmen
dss., ahd. fadumôn spinnen neben dem
Rechtsterminus ahd. zi gifadimanne durch Um-
armen, Umfassen zum Erben einsetzen
(s. d.).
Mit einem anderen Suffix ist im Germ. der erste
Bestandteil von ahd. fedelgold Blattgold (vgl.
gr. πέταλον n. Blatt), fedelgoldôn mit Blatt-
gold vergolden
( pfedalgold, -goldôn) zugehö-
rig und weiterhin got. faþa f. Zaun, Scheide-
wand
, mhd. vade, vate f. Zaun, Umzäunung,
eigtl. Umfassung (s. u.; vgl. R. Meringer, Hein-
zel-Festschrift 174: Bezeichnung der Stellung des
aufrechten Mannes mit ausgebreiteten Armen;
anders Heinertz, Et. Stud. z. Ahd. 24 ff.: eigtl.
Faden, Schnur), wozu man den anorw. Fluß-
namen Fð, gen. Faðar, eigtl. Zaun, Grenz-
scheide
(vgl. auch Fðvangr, jetzt Fåvang) stellt
(M. Olsen, Ark. f. nord. fil. 23 [1907], 90 ff.;
ders., Skrifter und Afhandlinger der Norske Vi-
denskaps Akademi [1915], 137 ff.).

Zu got. faþa vgl. Grienberger, Unters. z. got. Wortkun-
de 65; anders C. C. Uhlenbeck, PBB 30 (1905), 274 f.;
J. Trier, Zd. Savigny-Stiftung f. Rechtsgesch. 65 (1947),
242 f.: zu uridg. *pō- schützen wie in gr. ποιμήν
Hirte und damit zu got. fodr n. Scheide usw., wobei
Trier die Wz. für schützen in unzulässiger Weise als
*peǝ3- anstelle von *pā- [**paH2-] ansetzt; fuo-
tar1,2. Fern bleibt ahd. fatôn füttern, pascere und
seine Sippe (s. d.).

Fick III (Germ.)4 226; Holthausen, As. Wb. 18; Sehrt,
Wb. z. Hel.2 110; Berr, Et. Gl. to Hel. 104 f.; Lasch-
Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 630; Schiller-Lüb-
ben, Mndd. Wb. V, 189; Verdam, Mndl. handwb.
638; Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 720 f.; Vries, Ndls.
et. wb. 165; Holthausen, Afries. Wb.2 26; Richthofen,
Afries. Wb. 736; Doornkaat Koolman, Wb. d. ostfries.
Spr. I, 417; Holthausen, Ae. et. Wb. 97; Bosworth-
Toller, AS Dict. 268 f.; Suppl. 203; Suppl. II, 23; ME
Dict. E-F, 364; OED2 V, 762; Oxf. Dict. of Engl. Et.
347; Vries, Anord. et. Wb.2 109; Jóhannesson, Isl. et.
Wb. 538 f.; Fritzner, Ordb. o. d. g. norske sprog I, 365;
Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 54; Falk-Torp,
Norw.-dän. et. Wb. 208 f.; Ordb. o. d. danske sprog IV,
828 ff.; Torp, Nynorsk et. ordb. 94; Hellquist, Svensk
et. ordb.3 198; Svenska akad. ordb. F-234 ff.; Feist,
Vgl. Wb. d. got. Spr. 144; Lehmann, Gothic Et. Dict.
F-27. Sousa Costa, Stud. zu volksspr. Wörtern 163 f.

Verwandtes zu der germ. Bildung mit m-Suffix
der Bedeutung Klafter, Faden gibt es nur im
Kelt.: So stellt sich die vorurgerm. Vorform
*potmo- zu schott.-gäl. aitheamh Klafter (*ei-
theamh), akymr. Gl. etem instita, mkymr. pl.
adaued, nkymr. edaf, edeu (pl. edafedd) < vor-
urkelt. *petimā Faden, mit Ersatz von *-a- <
*-ǝ- (s. u.) durch *-i-? (s. Pedersen, Vgl. Gr. d.
kelt. Spr. I, 132; II, 61 [doch: ursprl. ī-
Stamm?]; G. S. Lane, Lang. 9 [1933], 249). Von
einer Maßeinheit Länge der ausgebreiteten
Arme
ausgehend können die Bedeutungen
Klafter und Faden über die Vorstellung eines
Fadenmaßes, eigtl. so viel Garn, wie man zwi-
schen die ausgebreiteten Arme nehmen kann
,
vermittelt werden; auch lat. passus (s. u.) ist
Maßbezeichnung. Von der Vorstellung der
schützend ausgebreiteten Arme ergeben sich des
weiteren Bedeutungen wie Schutz und Umar-
mung
, wie sie im Ae. und Nordgerm. vorliegen.

K. H. Schmidt, in Studien z. idg. Wortschatz 272 f.

Die zugrundeliegende Wz. uridg. *petǝ-
[**petH2-] ausbreiten, besonders die Arme er-
scheint auch in jav. paθana- weit, breit (lautge-
setzlich < [**petH2eno-], nicht mit -θ- nach
pǝrǝθu- breit); gr. πέταλος ausgebreitet, flach
(< *petǝlo- [**petǝ2lo-], πίτνημι, πίτνω breite
aus, entfalte, öffne
< *pet-nā- [**pet-neH2-],
*pet-n- [**pet-nH2-] (zu dem nach den redupli-
zierten Präsentien des Typs τίθημι setze, stelle,
lege
[ tuon] analogischen -ι- bei Nasalprä-
sentien vgl. gr. κίρνημι mische, πίλναμαι nähe-
re mich
, σκίδνημι zerstreue), aor. πετάσ(σ)αι,
danach πετάννῡμι breite aus, entfalte, öffne,
πατάνη Schüssel (< *πετάνᾱ); daraus lat. pati-
na Schüssel, Pfanne (frz. panne); lat. pandō
breite aus, öffne (< *pe-n-t- [**pe-nH2-t-]
(mit Wandel von *-nt- > *-nd-), osk. patensíns
panderent (< *patsíns < *patna-s-; s. Meiser,
Lautgesch. d. umbr. Spr. 96), wobei durch lat.
pandō und durch das zum Nasalsuffixpräsens
umgebildete gr. πιτνήμι, πίτνω und osk. paten-
síns ein uridg. Nasalinfixpräsens *pe-nā-t-
[**pe-neH2-t-], *pe-n-t- [**pe-nH2-t-] erwie-
sen wird; vgl. lat. pangō neben gr. πήγνῡμι befe-
stige
( fâhan) und lat. frangō breche <
*bhre-n-g- zu *bhreg- ( brechan u. vgl. Klin-
genschmitt, Altarm. Verbum 213); vgl. weiterhin
lat. pateō erstrecke mich, stehe offen, osk. pa-
t[ít] ist weit (*pet-ē- [**petH2-eH1-], lat. patu-
lus ausgebreitet, offen, patera Opferschale,
passus ausgebreitet, offen, passus, -ūs m. Klaf-
ter, Schritt
, passim weit und breit, allenthal-
ben, ohne Ordnung
(< *pet-to/ti- [**petH2-to/
ti-]; lit. pets, gen. pio, neben petìs, gen. pe-
tis, Schulter, apreuß. pette Schulter, pettis
Ofenschaufel, Schulter(blatt) < *peto-; zu
den Bedeutungen im Balt. vgl. aksl. plete, russ.
pleó Schulter, heth. paltana- Arm, Schulter-
(blatt)
, mir. leithe Schulterblatt (< *pletā) zu
uridg. *pletǝ- [**pletH2-] breit und flach (s.
Solmsen, Beitr. z. gr. Wortf. 197 ff.).

Zu lat. dispennite (als Variante zu dispendite, disten-
dite, distennite nur einmal bei Plautus, bestätigt durch
Nonius, s. G. Lodge, Lexicon Plautinum [Hildesheim,
1962], I, 401) < *-patn- s. R. Godel, Cahiers Ferdi-
nand de Saussure 18 (1973), 71 ff.

Walde-Pokorny II, 18; Pokorny 824 f.; Bartholomae,
Airan. Wb.2 843; Boisacq, Dict. ét. gr.4 775 f.; Frisk,
Gr. et. Wb. II, 520 f.; Chantraine, Dict. ét. gr. 891;
Untermann, Wb. d. Osk.-Umbr. 517 f.; Walde-Hof-
mann, Lat. et. Wb. II, 244 f. 264. 267; Ernout-Meillet,
Dict. ét. lat.4 478 f. 486 ff.; Körting, Lat.-rom. Wb.3
Nr. 6931; Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.3 Nr. 6293;
Wartburg, Frz. et. Wb. VIII, 17 ff.; Trautmann, Balt.-
Slav. Wb. 217; Fraenkel, Lit. et. Wb. 581 f.; Traut-
mann, Apreuß. Spr.denkm. 398; Fick II (Kelt.)4 27
(doch: *petemā, *patemā); Tischler, Heth. et. Gl. II,
401 f. M. T. Ademollo Gagliano, IF 97 (1992), 148 f.;
Fick I (Idg.)4 473: hierher auch gr. πόταμος Fluß(?)
(doch s. Frisk, a. a. O. II, 585 f.); Leumann, Lat. Laut-
u. Formenlehre 200 f.; Schrijver, Reflexes 332. 491.
495 ff.

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