gneista
Volume IV, Column 509
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gneista f. ō/n-St., nur in Gl. 1,620,30
(Rb) und NBo 217, 1 (333, 16): Funke,
Flämmchen; ignaculus, scintilla
; gneisto m.
n-St., nur in Gl. seit dem 10. Jh.: Funke,
Flämmchen; igniculus, scintilla
Var.: c-,
gan-, gnan-; -ai-, i-, -ehai-. Die Lautung
gn- ist primär, da diese Form bereits in Rb
erscheint, wo sich sonst keine vergleichbaren
Synkopen finden (vgl. Ottmann 1886: 42 f.;
Braune-Reiffenstein 2004: § 71, 4). Das -a- in
der Folge gan- erklärt sich somit als Sproß-
vokal (Reutercrona 1920: 159), während das
erste -n- in gnan- eine Antizipation des zwei-
ten -n- ist und in der Schreibung gan-ehai-st-
(Gl. 3,170,34) das -h- als Hiattilger dient
(vgl. zu dieser Funktion von -h- Braune-
Reiffenstein 2004: § 152). Mhd. ganeist,
g(a)neiste st. f., sw. m. Funke, nhd. (bis ins
18. Jh. schriftsprachlich) Gneist m., bair.
gneist m./f. Feuerfunke, schwäb. genei-
st(er) f. (Feuer-)Funke, schweiz. gneist(en)
m. Funke, Schelte (für ein vorwitziges Mäd-
chen)
; daneben schweiz. mit expressiver
Anlautverstärkung kneist, chneist ds. (zu
solchen Anlautsverstärkungen vgl. mndd.
knistern : gnistern knistern); davon ist die
Diminutivbildung gneistlin, gneistlein abge-
leitet.

Ahd. Wb. 4, 318; Splett, Ahd. Wb. 1, 311 f.; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 481; Schützeichel⁶ 136; Starck-Wells
232; Schützeichel, Glossenwortschatz 3, 482; See-
bold, ChWdW8 146; Graff 4, 296 f.; Lexer 1, 735; 3,
Nachtr. 172; Götz, Lat.-ahd.-nhd. Wb. 312 (ignicu-
lus). 593 (scintilla); Dt. Wb. 8, 635 ff.; Kluge²¹ 264;
Kluge²⁴ s. v. Gneis; Pfeifer, Et. Wb.² 460 (Gneis).
Schweiz. Id. 2, 674 f.; Stalder, Versuch eines schweiz.
Id. 1, 458; Fischer, Schwäb. Wb. 3, 357 f.; Schmeller,
Bayer. Wb.² 1, 980. Schulte 1993: 678. 780. 814.
850. 885.

Die ahd. Wörter führen auf westgerm.
*gnastan-/ō(n)- zurück und haben in den
anderen germ. Sprachen teils gleiche, teils
andere Bildungen neben sich, die auf einzel-
sprachliche Umbildung weisen: ae. gnāst
Funke (zumeist im Komp. frgnāst Feuer-
Funke
), me. gnāst(e), knāst, ne. veralt. gnast
Funke < westgerm. *gnasta- m.; aisl.
gneisti, nisl. (g)neisti, fär. neisti, nnorw. dial.
(g)neiste, kneiste Funken < nordgerm.
*nastan- m. Nicht entscheidbar ist, ob die
Formen aschwed. gniste m., gnist f., gnista
f., nschwed. gnista, ndän. gnist, niste Fun-
ken
ebenfalls auf *nastan-/ō(n)- (zum
Lautwandel *-a- > -i- im Dän. und Schwed.
vgl. Noreen [1904] 1978: § 103, 1; Brøndum-
Nielsen 1928 ff.: 1, § 145, 1) oder auf eine
schwundstufige Bildung *nistan-/ō(n)- zu-
rückgehen. Auch die ae. Form mit gn- weist
auf das Alter dieses Anlauts. Die Annahme
von K.-H. Mottausch, HS 105 (1992), 283
mit Hinweis auf Brunner 1965: § 158, daß
ein -a- im Komp. frgnāst als Vokal der
Mittelsilbe im isolierten Wort früh ausfal-
len konnte
, ist nicht stichhaltig, da es sich
bei diesen Synkopierungen um Vorgänge in
urae. viersilbigen Wörtern, nicht in Komp.
handelt (Brunner 1965: § 43 führt jedenfalls
keine vergleichbaren Synkopierungen in
Komp. an). Ebenso weisen die nordgerm.
Formen mit dem Wechsel gn- : kn- : n- auf
ursprüngliches gn-; zu gn- : kn- vgl.
nschwed. gramsa mit vollen Händen neh-
men
: ndän. dial. kramse befingern, grap-
sen
(Lühr 1988: 115; zu gn- : n- vgl. aisl.
gnaga, nisl. naga, fär. [g]naga nagen;
gnagan).

Etymologische Erwägungen, die von einer ur-
sprünglichen Lautfolge *gan- ausgehen, sind somit
hinfällig: K. Brugmann, IF 6 (1896), 102; Th.
Grienberger, PBB 18 (1894), 397; K. F. Johansson, IF
19 (1906), 136: *gan-asta-, wobei *gan- < uridg.
*kom zusammen und -asta- Ableitung von der Ver-
balwurzel urgerm. *ase/a- brennen; K.-H. Mot-
tausch, HS 105 (1992), 282: auf Grund der einmaligen
und dazu noch späten Schreibung ahd. ganehaista, die
für *gahnaista stehen soll, wird das Wort als ga- und
-hnaista- zu apreuß. knaistis Funke (dazu s. u.)
gestellt.

Holthausen, Ae. et. Wb. 133; Bosworth-Toller, AS
Dict. 353. 482; ME Dict. s. v.; OED² s. v. gnast n.;
Vries, Anord. et. Wb.² 178; Jóhannesson, Isl. et. Wb.
3; Fritzner, Ordb. o. d. g. norske sprog 1, 616; Holt-
hausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 91; Falk-Torp, Norw.-
dän. et. Wb. 1, 335; Nielsen, Dansk et. ordb. 159 f.;
Ordb. o. d. danske sprog 6, 11391142; Torp, Ny-
norsk et. ordb. 171 f.; Hellquist, Svensk et. ordb.³
291 f.; Svenska akad. ordb. s. v. K.-H. Mottausch,
HS 105 (1992), 282 f.

Westgerm. *gnastan-/ō(n)-, westgerm.
*gnasta-, nordgerm. *nastan-, *nastan-
/ō(n)-/*nistan-/ō(n)- haben keine Verwand-
ten in den anderen idg. Sprachen. Das von
K.-H. Mottausch, HS 105 (1992), 282 vergli-
chene apreuß. Wort knaistis Funke ist ein
Lehnwort aus mhd. gneiste Funke (vgl.
Smoczyski 2000: 129 f.). Falls die Grund-
bedeutung für die Sippe zerriebenes Feuer
war, können die Wörter eine -sto-Ableitung
von der unerweiterten Verbalwz. uridg.
*ghne- (zer-)reiben ( gnîtan) darstellen.
Als Vorform wäre dann *ghno-sto- anzuset-
zen. Möglich ist aber auch eine -sto-
Ableitung von der erweiterten Wurzel uridg.
*ghnedh- (zer-)reiben (*ghnodh-sto- >
*gnasta- mit Verlust des ersten dentalen
Verschlußlautes [vgl. Krahe-Meid 1969: 3,
§ 128, 2a]; vgl. uridg. *h₁rudh-sto- > urgerm.
*rusta- > ahd. rost Rost [s. d.]). Des Weite-
ren wäre eine Vorform *ghnodh-to- denkbar.
Sie hätte zwar lautgesetzlich urgerm.
*nassa- > (mit Vereinfachung nach langer
Silbe) *nasa- ergeben, jedoch könnte ein
-t- analogisch restituiert sein (vgl. Krahe-
Meid 1969: 3, § 91; vgl. lautgesetzliches aisl.
hlass Last neben restituiertem ahd. hlast
Last [s. d.], ae. hlæst Last < urgerm. *χlas-
sa- : χlasti- < vorurgerm. *kleh₂t-to/i-).

Walde-Pokorny 1, 5; Trautmann, Apreuß. Spr.denkm.
360.

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