judeisc
Volume V, Column 303
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judeisc adj., seit dem 9. Jh. in Gl., im I,
T, bei O, in Nps und Npw: jüdisch; iudae-
us, iudaicus
Var.: -æi-, -i-, -ii-, -e-, -u-;
-sk, -sg, -sch. Das Adj. ist Lehnwort aus
(m)lat. iūdaeus, iūdaicus jüdisch mit Er-
satz des lat. Suff. durch das Suff. ahd. -isc
(s.d.), das bes. zur Bildung von Zugehörig-
keitsadj. von Volks- und Personenbez. dient
(s. diutisc). Vereinz. begegnet es auch substan-
tiviert in der Bed. Jude, der Jüdische. Für
ahd. judeisc tritt mhd. judesch, jüdisch jü-
disch
, nhd. jüdisch auf das Judentum be-
züglich
ein. Etym. entspräche ahd. judeisc
nhd. judäisch. Die Bed. auf Judäa bezüg-
lich
weist auf Neubildung zum TN Judäa.

Ahd. Wb. 4, 1831 f.; Splett, Ahd. Wb. 1, 435; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 643; Schützeichel⁷ 170; Starck-Wells
317; Schützeichel, Glossenwortschatz 5, 115; See-
bold, ChWdW9 455; Graff 1, 596; Lexer 1, 1486;
Götz, Lat.-ahd.-nhd. Wb. 358 (iudaicus); Dt. Wb. 10,
2359. DRW 6, 579 ff. (jüdisch).

Das Suff. lat. -icus wurde auch in den an-
deren germ. Sprachen durch den jeweiligen
Fortsetzer von urgerm. *-iska- ersetzt. Es
entsprechen: as. judeisk, mndd. jȫdisch;
andfrk. judisk, frühmndl. juedesc, mndl. jo-
desch, nndl. joods; afries. judāsk, jōdsk,
saterfries. juudsk; ae. iudēisc jüdisch, me.
jūdē(w)ish jüdisch, Jude, ne. Jewish (stellt
gegenüber der ae. und me. Form eine Neu-
bildung zum Subst. ne. Jew dar); ndän. jø-
disk, nnorw. jødisk, ält. nschwed. judeisk;
got. adv. iudaíwisko auf jüdische Weise,
adj. judaíwisks* jüdisch; die got. Form
zeigt noch den Einschub eines Gleitlauts -w-,
der entweder bereits im Vulg.lat. oder aber
erst im Got. aufgekommen ist: -w- kann hier
analogisch nach Adj. auf -isk zu urgerm. a-
St., in denen vor dem Suff. got. -w- er-
scheint, übertragen worden sein. Möglich
wird eine solche Übertragung durch den got.
Zusammenfall des Nom.Sg. der u-St. und der
a-St. Während lat. iudaeus sowohl Subst.
als auch Adj. ist, wurde zur Differenzierung
der Wortarten in den germ. Sprachen eine
eindeutig als Adj. markierte Form geschaf-
fen. Als Subst. diente dagegen ahd. judeo m.
n-St. (seit dem 8. Jh.; vgl. Ahd. Wb. 4,
1833 ff.), das direkt aus lat. iudaeus entlehnt
und in Anlehnung an andere VölkerN wie
etwa ahd. Franko, Sahso in die schwache
Flexion überführt wurde.

Tiefenbach, As. Handwb. 201; Wadstein, Kl. as. Spr.
denkm. 51. 198; Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. 2,
1, 486; ONW s. v. judisk; VMNW s. v. juedesc; Ver-
wijs-Verdam, Mndl. wb. 3, 1045; Hofmann-Popkema,
Afries. Wb. 260; Bosworth-Toller, AS Dict. 602; ME
Dict. s. v. jūdēish adj., n.; OED² s. v. jewish; Ordb. o.
d. danske sprog 9, 1017; NOB s. v. jødisk; Svenska
akad. ordb. s. v. judeisk; Feist, Vgl. Wb. d. got. Spr.
297 (der dort gegebene Verweis auf ein Lemma judai-
wisks führt ins Leere); Lehmann, Gothic Et. Dict. I-
31. A. Bammesberger, HS 108 (1995), 95 ff.; Horn-
bruch 1996: 157161. 262 f.

Das aus gr. ἰουδαῖος Jude entlehnte lat.
iudaeus dss. ist in den rom. Sprachen fort-
gesetzt (vgl. aitalien. giudio, italien. giudeo,
afrz. juieu, frz. juif etc.) und in seiner bal-
kanrom. Form mit Anlaut *dū- auch in die
slaw. Sprachen eingedrungen; z.B. abulg.
i-dovinъ, serbo-kroat. ȉd, slowen. ȋd ne-
ben ȉd (jünger entlehnt aus dem Bair. auch
slowen. jȗd, júda; vgl. Jazbec 2007: 48),
tschech., slowak. id, poln, yd, osorb. id,
ndsorb. yd, aruss. id(ov[in])ъ, russ. id Ju-
de
. Dies muss spätestens im 9. Jh. gesche-
hen sein, da die Vereinfachung des Anlauts
und der gemeinslaw. Lautwandel *ū > y (und
nach Pal. weiter > i) noch eintraten. Aus dem
Wruss. oder Poln. wurde lit. das entlehnt.
Daneben gibt es eine direkt aus gr. ἰουδαῖος
Jude übernommene aksl. Form ijuděi, iju-
dei, die auch in russ. iudéj, judéj Jude be-
zeugt ist. Aus lat. iudaeus entlehnt sind fer-
ner kymr. Iddew, air. Iubdae (Schreibung
-ub- für ū) und mir. Iúdigh Jude (auch in
der air. Adj.ableitung Iúdaide jüdisch).

Ernout-Meillet, Dict. ét. lat.⁴ 326; Du Cange² 4,
433 ff.; Körting, Lat.-rom. Wb.³ Nr. 5199; Meyer-
Lübke, Rom. et. Wb.³ Nr. 4598; DEAF J-707 ff.;
Wartburg, Frz. et. Wb. 5, 53 f.; Bezlaj, Et. slov. slov.
jez. 1, 233; 4, 453; Snoj, Slov. et. slov.² 81 (s. v. e-
fúr); Vasmer, Russ. et. Wb. 1, 423. 492; ders., t. slov.
russ. jaz. 2, 53. 145; Schuster-ewc, Hist.-et. Wb. d.
Sorb. 1792; Fraenkel, Lit. et. Wb. 1304 f.; Smo-
czyski, Słow. et. jz. lit. 780; Dict. of Irish I-331 f.;
Dict. of Welsh 2, 2009. Striedter-Temps 1963: 141;
Orel 2011: 1, 352 f. 406.

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