albri
Band I, Spalte 157
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albri m. ja-St., daneben albar m. a-St.
(schon seit dem 11. Jh.), Pappel, populus (Po-
pulus alba, aber auch P. nigra L.), einmal je für
Erle und Weide gebraucht (wie heute in
Österreich auch für Espe und Ulme). Var.:
alpari 10.12. Jh. bair., albere, -bore, alber, albor
u. ä.. Mhd. meist alber st. f.(?), auch alber-
boum. Nhd. im Süden Alber f. m., weiter nörd-
lich, vom Rhein bis Pommern (Kluge) dafür
meist Able f. (s. u.).

Ahd. Wb. I, 194 f.; Starck-Wells 20; E. Björkman,
Zfdt. Wortf. 6 (1904/05), 176; Graff I, 244; Schade 10;
Lexer I, 34; Benecke I, 22; Diefenbach, Gl. lat.-germ.
447; Dt. Wb. I, 22 (Abele). 201 (Alber); Kluge21 12.
Marzell, Wb. d. dt. Pflanzennamen III, 968 ff.

Das Wort war von jeher besonders in Ober-
deutschland vom Elsaß bis nach Steiermark zu
Hause, nur einmal bringt Gl. 2, 718, 10 in einer
hd.-ndd. Mischhs. die korrupte Form halebirie
(Wadstein, Kl. as. Spr.denkm. 113, 5). Diese geo-
graphische Begrenzung wie seine sprachliche
Form legen nahe, daß ahd. albri aus dem Ro-
man., höchstwahrscheinlich unmittelbar aus ita-
lien. albaro, albero stammt, das seinerseits auf
spätlat. albarus (auch -ius) und vielleicht mit
Dissimilation auf albulus weißlich zurückgeht
(bezweifelt von Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. I,
27, als unlat. Bildung, s. auch Leumann, Lat.
Laut- u. Formenlehre § 282 E), also letzten En-
des auf lat. albus weiß und damit auf die idg.
Wz. *albh- weiß, s. Walde-Pokorny I, 92 ff.;
Pokorny 30 f. Spätlat. albarus (-ius) begegnet
wiederholt als Bezeichnung der Pappel (Mit-
tellat. Wb. I, 423 ff.), davon abgeleitet sind sar-
disch salvaru (< *su álvaru) u. a. Kein Zweifel,
der Name kommt urspr. von der helleuchten-
den Unterseite der Pappelblätter, daher auch
gr. λεύκη Silberpappel und die vielerörterte
antike Gl. λευκός albarus (Corp. gloss. lat. III,
264, 33). Der Ausgang der ahd. Wortform auf
-ri (neben -ar) ergab sich wohl in Anlehnung
an das im Wgerm. auch auf Sachbezeichnungen
übertragene Suffix *-rja ( -ri); vgl. die
zahlreichen Baumnamen auf mndl. -aer, nndl.
-aar sowie ahd. felwri (s. d.), N. O. Heinertz,
Zfdt. Wortf. 15 (1914), 241 f.

Thes. ling. lat. I, 1487 f. 1501; Walde-Hofmann, Lat.
et. Wb. I, 26 f.; A. Zimmermann, Arch. f. lat. Lex. 12
(1902), 365; 13 (1904), 252; W. Meyer-Lübke, ebd. 13
(1904), 50; Körting, Lat.-rom. Wb.3 Nr. 418; Meyer-
Lübke, Rom. et. Wb.3 Nr. 318; Wartburg, Frz. et. Wb.
(Neubearb.) XXIV, 296 f.; E. Öhmann, Neuphil. Mitt.
43 (1942), 20 f.

Im Galloroman. stand all dem eine Form *albellus
(gleichfalls < *albus) gegenüber, nfrz. aubel, das auf
älteres albel zurückführt, in wallon. Mdaa. auch ohne
-l-: abel, und gerade diese Form dürfte sich nicht nur
in mndl. nndl. abeel (daneben albeel, aubeel); nfries.
abeelje(-beam); ne. abele(-tree) widerspiegeln, son-
dern auch in mndd. abēle sowie in den ndd. Mdaa.
der Gegenwart (neben gelegentl. alber-bōm u. dgl.).
S. Verdam, Mndl. handwb. 1; Franck, Et. wb. d. ndl.
taal2 7; Dijkstra, Friesch Wb. I, 2; OED I, 15; Lasch-
Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 2. 53; Schiller-Lüb-
ben, Mndd. Wb. I, 2. 50; Müller, Rhein. Wb. I, 17.

Zum Weiterleben von mhd. alber(e) f. m. in den obd.
Mdaa. von heute vgl. Schweiz. Id. I, 186; Ochs, Bad.
Wb. I, 28 (fehlt weiter nördlich); Fischer, Schwäb.
Wb. I, 126; Jutz, Vorarlb. Wb. I, 58 (auch Elber mit
Umlaut aus dem Pl.); Kranzmayer, Wb. d. bair. Mdaa.
in Österr. I, 132.

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