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Band I, Spalte 174
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altri m. ja-St. Altar, ara, altare; nom. acc.
sg. meist altare (gelegentlich -i) mit Anfangsbe-
tonung; die Länge des unbet. -a- im Obd. wird
durch Notker bezeugt, daneben auch kurzes
-a-, s. Braune, Ahd. Gr.13 § 200 Anm. 1. Außer-
dem findet sich häufig die Form alteri mit e in
der Mittelsilbe, ebd. § 68 Anm. 1. 200. Im
Mhd. begegnen altâre, altære, altar und alter st.
m., wohl noch meist mit Anfangsbetonung. Erst
frühnhd. und nhd. wird der Ton auf der zwei-
ten Silbe festgelegt, unter stets neuer Beeinflus-
sung durch das zugrundeliegende lat. altre;
das Wort ist besonders im Ostmd. oft neutr.,
der Pl. noch Altare (Paul, Dt. Gr. I, 153; II, 68.
133 f.).

Ahd. Wb. I, 297 ff.; Schützeichel3 5; Starck-Wells 21;
Graff I, 247 f.; Schade 12; Lexer I, 43; Benecke I, 26;
Dt. Wb. I, 265; Kluge21 17.

Wie begreiflich, bestanden die Vertreter des
neueingeführten Glaubens darauf, daß statt
vorchristl.-germ. Bezeichnungen für den Op-
fertisch
wie got. hunslastaþs, ae. weofod, wīgbed,
ahd. gotes biet (Otfrid II 18, 20 = Matth. 5, 23)
ein aus der lat. Kirchensprache entlehntes Wort
sich in dem Vokabular sämtlicher neubekehrten
Germanenstämme einbürgerte: und zwar
schloß sich die Sachbezeichnung, lat. altāre n.,
im Ahd. des 8. Jh.s den persönlichen -ri-Bil-
dungen an ( -ri); daher der Konflikt im
gram. Geschlecht dieses Lehnworts (s. Kluge,
Nom. Stammbildung3 § 8 f. 77; Wilmanns, Dt.
Gr. II § 227, 1; Braune, Ahd. Gr.13 § 200; Franz,
Lat.-rom. El. im Ahd. 64): as. áltari, -eri m. ja-
St. (s. Holthausen, As. El.buch2 § 276), mndd.
áltār(e), alter, olter n., auch m.; mndl. oútaer, ál-
taer, -er, -re n. m., nndl. altáar n.; afries. áltare,
álter m. n.; ae. áltar(e), álter m. (pl. áltras), me.
(nach 1225) autēr (< afrz. aut[i]er) neben al-
ter und (lat. beeinflußtem) altar(e), ne. altar;
aisl. altari, -teri n. (auch m.), daneben altara n.
n-St. (vgl. O. Höfler, Ark. f. nord. Fil. 47
[1931], 259 f.), nnorw. altar, ndän. alter (adän.
áltari, altæræ), nschwed. altare (aschwed. altare
m. n., daneben altara n.) wie das Schwanken
des gram. Geschlechts verrät, gehen die skand.
Formen wohl allesamt auf kont.germ. Vermitt-
lung zurück (vgl. Wadstein, Norden och Väst-
Europa 151 f.).

Holthausen, As. Wb. 2; Sehrt, Wb. z. Hel.2 12; Berr,
Et. Gl. to Hel. 26; Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. I,
1, 64; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. I, 62; Verdam,
Mndl. handwb. 37. 447; Franck, Et. wb. d. ndl. taal2
15 f.; Vries, Ndls. et. wb. 14; Holthausen, Afries. Wb.
3; Richthofen, Afries. Wb. 601 f.; Holthausen, Ae. et.
Wb. 3; Bosworth-Toller, AS Dict. 35; Suppl. 34; ME
Dict. AB, 532 f.; OED I, 254 f.; Oxf. Dict. of Engl. Et.
28 f.; Vries, Anord. et. Wb.2 7; Jóhannesson, Isl. et.
Wb. 938; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 3; Falk-
Torp, Norw.-dän. et. Wb. 22; Torp, Nynorsk et. ordb.
3; Hellquist, Svensk et. ordb.3 15. Vgl. auch Fischer,
Lehnw. d. Awestnord. 56. 100; Kahle, Anord. Spr. im
Dienste d. Christ. 317. 351.

Die Etymologie von lat. altāre ist nicht endgültig ge-
klärt, jedenfalls ist der schon im Altertum vermutete
Zusammenhang mit lat. alt-us hoch, also erhöhter
Aufsatz
(auf dem Opfertisch), einer naheliegenden
Volksetymologie verdächtig. Wahrscheinlicher ist die
gleichfalls schon von antiken Autoren angedeutete
Verknüpfung mit lat. adoleō verbrenne: dann wäre
der aus einem anfänglichen pl. altāria rückgebildete
sg. altāre (auch altār und altārium) eine Stätte, wo
(das Opfertier) verbrannt wurde
; das setzt allerdings
die Ableit. von adoleō aus *ad-aleō voraus, wobei der
Mittelvokal im Hinblick auf das verwandte umbr. u-
etu (ad)oleto(?), d. i. er entflamme! (mit u-Schrei-
bung für u- sowohl wie o-) unentschieden bleibt (s.
Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. I, 13, aber auch R.
Thurneysen, Gött. Gel. Anz. 1907, 800), wie ja auch
die Herkunft des -t- problematisch bleibt; die En-
dung wird meist auf älteres -ālia zurückgeführt, aus
dem sich mit der nach -l- der Wurzelsilbe üblichen
Dissimilation zu -r- lat. altāria ergeben hätte (s. Leu-
mann, Lat. Laut- u. Formenlehre 235). Zusammen-
hang mit āles, -itis beflügelt; Vogel wäre formal we-
niger zu beanstanden, aber M. Leumanns inhaltliche
Deutung als geflügelter Aufbau befriedigt kaum
(Lat. Adj. auf -lis 33). Noch weniger akzeptabel sind
Anknüpfungen an ae. ǣled, anord. eldr Feuer, weil
< urg. *ailiđa- (< idg. Wz. *aidh- mit. l- Formans;
E. Sievers, IF 4 [1894], 339 f.; K. F. Johansson, ZfdPh.
31 [1899], 285 ff.), oder an anord. ylr Hitze, Wärme-
dunst
, weil < urnord. *wuljuR (zu got. wulan sie-
den
: Vries, Anord. et. Wb.2 678), oder an das verein-
zelte aind. alāta- n. Feuerbrand, Kohle (s. Mayrho-
fer, K. et. Wb. d. Aind. I, 55; Uhlenbeck, K. et. Wb. d.
aind. Spr. 15 unerklärt; F. O. Schrader, Zfvgl. Spr. 56
[1929], 126: dravid.? Ganz abwegig H. Petersson, IF
34 [1914/15], 241).

Walde-Pokorny I, 88; Pokorny 28; Walde-Hofmann,
Lat. et. Wb. I, 13 (adoleō). 32 (altāria); Ernout-Meil-
let, Dict. ét. lat.4 9. 24; Thes. ling. lat. I, 793 f. 1725 ff.
S. auch Wartburg, Frz. et. Wb. (Neubearb.) XXIV,
351 ff.

Die Entsprechungen von ahd. altri beruhen auch in
den übrigen idg. Sprachen Europas auf Entlehnungen
aus dem Lat., meist über das Ahd. oder Mndd., so
russ. oltar’ (Vasmer, Russ. et. Wb. II, 265) oder lett.
altãris, lit. altõrius (vielleicht über poln. ołtarz oder
wruss. altarь, s. Skardius, Slav. Lehnw. im Alit. 28),
so air. altóir, korn. alter, kymr. allor, bret. aoter (Pe-
dersen, Vgl. Gr. d. kelt. Spr. I, 203 [< altāria]; Ven-
dryes, Lex. ét. de l’irl. anc. A64 [< altāre]).

In den dt. Mdaa. von heute schwankt noch immer das
gram. Geschlecht zwischen m. und n. (n. besonders
häufig im Ostmd. und Ndd.); auch Anfangsbetonung
ist noch weitverbreitet, weicht aber vor der jüngeren
endbetonten Variante zurück. Vgl. Schweiz. Id. I,
207 f.; Fischer, Schwäb. Wb. I, 158; Kranzmayer, Wb.
d. bair. Mdaa. in Österr. I, 162 ff.; Müller, Rhein. Wb.
I, 153 (altr, daneben auch ę́ltǝr); Jungandreas,
Ndsächs. Wb. I, 304 f. (m. und n.); Schambach, Wb. d.
ndd. Mda. 8 (n.); Ziesemer, Preuß. Wb. I, 123 (n., sel-
ten m.).

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