ampla
Band I, Spalte 209
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ampla f. n-St. kleine (dickbauchige) Flasche
(für Öl, Wein u. a.), lecythus, lenticula, (h)amula

(meist im Gottesdienst gebraucht), nur in Gl.
belegt (8 mal), vorwiegend 10./11. Jh.; einmal
mit -b- (Gl. 1, 437, 45; 11. Jh. bair., s. Schatz,
Ahd. Gr. § 165). In der Folgezeit konkurriert
damit in zunehmendem Maße ahd. ampulla (s.
d.). Doch gehen auch noch mhd. die zwei Ty-
pen ampel sw. f. (< ampla, einmal ample Gl. 3,
376, 67; 13. Jh.) und ampulle, ampol(le) (< am-
pulla), beide im Sinne von Gefäß oder
(Öl)Lampe, nebeneinander her. Im Nhd. be-
zeichnet Ampel meist nur noch Lampe (was es
u. a. schon im kirchl. Latein bedeutet hatte,
Mittellat. Wb. I, 597), und zwar vorzugsweise
im Obd. (s. u.); jüngeren Datums ist hängende
Blumenschale
(in dieser Bed. auch in Skand.)
und neuerdings Verkehrslicht.

Ahd. Wb. I, 327; Starck-Wells 24; Schade 14; Lexer I,
52; Benecke I, 31; Dt. Wb. I, 279 (Ampel); Kluge21 19
(Ampel; unkritisch). Vgl. auch Klappenbach-Stei-
nitz, Wb. d. dt. Gegenwartsspr. I, 119.

Ahd. ampla ist eine erste Eindeutschung von
lat. ampulla, der gegen Ende der ahd. Periode
eine zweite mehr gelehrte Entlehnung folgte,
ampulla (s. d.), also ein Fall wiederholter Ent-
lehnung wie etwa salmo: psalmo (s. d. d.). Ahd.
ampla zeigt die lautlichen Charakteristika
volkstümlicher Adoptionen: Verlagerung des
Akzents auf die Anfangssilbe und dadurch be-
dingte Synkopierung der Mittelsilbe (schon
spätlat. findet sich die metrische Messung ám-
pla, Mittellat. Wb. I, 597). Dabei bleibt aller-
dings unentschieden, wie weit auch der später
entlehnte Typ ampulla eine Akzentverlagerung
erlitt und so über frühnhd. ampel(l)e zu der
Wortform von nhd. Ampel beigetragen hat.
Desgl. dürfte ampel als dän.-schwed.-norw.
Einheitsform der Gegenwart, auch bedeutungs-
mäßig, den Einfluß der dt. Wortentwicklung
verraten; für aisl. ampli, -e (neben ampulli, am-
púll, ampull(r) m. und ampulla f.) konkurrieren
drei Erklärungen: entweder < ae. ampelle, wie
so viele christl. termini des Anord., oder
< mndd. ample (Vries, Anord. et. Wb.2 8), oder
aber, wie O. Höfler nahegelegt hat (Ark. f. nord.
Fil. 47 [1931], 263), < adt. ampla, dessen -a-
Endung mit den Kasus obliqui eines anord.
-an-St. gleichgesetzt wurde, demgemäß nom.
sg. ampli m., dies um so mehr, als für aschwed.
auch eine Form ampla f. bezeugt ist.

Kluge, Urgerm.3 § 15 Anm. und 16 c; Franz, Lat.-ro-
man. Elemente im Ahd. 58 f.; Pogatscher, Gr., lat. u.
roman. Lehnw. im Ae. § 170; Jóhannesson, Isl. et. Wb.
939; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 4; Hellquist,
Svensk et. ordb.3 17; Svenska akad. ordb. A1220, 1222
(ampla ); Ordb. o. d. danske sprog I, 525.

In den dt. Mdaa. der Gegenwart lebt ampel im Sinne
von Lampe, gelegentlich auch noch von kleinem
(bauchigem) Gefäß
, vor allem obd. weiter, vgl.
Schweiz. Id. I, 239 (Ampele f.); Ochs, Bad. Wb. I, 41
(durch Lampe bedroht); Fischer, Schwäb. Wb. I,
168 (fast nur Lampe mit dem ewigen Öl); Jutz,
Vorarlb. Wb. I, 74 (Ampl[ǝ] f. veraltend für Öl-
lampe
); Schmeller, Bayer. Wb.2 I, 80; Kranzmayer,
Wb. d. bair. Mdaa. in Österr. I, 182 (Öllämpchen;
auch noch Gefäß schlechthin); Lexer, Kärnt. Wb. 6;
Schöpf, Tirol. Id. 13 (kleines Gefäß für Wein etc.;
Lampe); Schatz, Wb. d. tirol. Mdaa. 18 (ampl[ε]);
Maurer-Mulch, Südhess. Wb. I, 219.

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