antiphona
Band I, Spalte 275
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antiphona f. n-St. Antiphon, kirchl. Wechsel-
gesang
, in der dekl. Form antiphonun viermal
in der Bened.regel bezeugt, zweimal als anti-
phona in Notkers De Musica, wobei aber unent-
schieden bleibt, ob Notker nicht die lat. Form
im Auge hatte, dies um so mehr, als nur an ei-
ner der beiden Stellen der das Wort als nicht-
lat. kennzeichnende Akut auf dem anl. á- er-
scheint (Piper 853, 21/22). Mhd. heißt es, mit
verallgemeinertem ausl. -n, antiffen st.f., nhd.
unter abermaliger Anlehnung an das lat. Vor-
bild, Antiphon, auch Antiphon(i)e f.

Ahd. Wb. I, 546 f.; Schützeichel3 9; Graff I, 369; Le-
xer I, 80.

Das Wort, aus lat. antiphona (stets -phna) ent-
lehnt, findet sich in sämtlichen germ. Sprachen,
so mndd. antifon (antif[f]en, antiphen) m.,
auch antifone, -phene f.; mndl. antiffene u. ä.,
nndl. antifon; ae. antef(e)ne, antefn m.f., auch
antemn(e) etc., me. antem(e), gelegentlich an-
tim(e) (volksetym. anti-hymn) u. a., ne. anthem,
und, mit erneuter Entlehnung, antiphon(y);
ähnlich begegnen anord. zwei verschiedene
Formen, antefna (antemna), das übers Altengl.
und antifona, das unmittelbar aus dem Lat. be-
zogen ist (später konkurrierten damit einheimi-
sches andstefja, -stefna); alle neuskand. Entspre-
chungen sind Adoptionen jüngerer Zeit, so dän.
schwed. antifoni, norw. antifon.

Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 109; Verdam,
Mndl. handwb. 41; Holthausen, Ae. et. Wb. 6; Bos-
worth-Toller, AS Dict. 46; Suppl. 44; ME Dict. AB,
301; OED I, 358 (anthem). 372 (antiphon[y]); Jóhan-
nesson, Isl. et. Wb. 940; Holthausen, Vgl. Wb. d.
Awestnord. 5; Kahle, Anord. Spr. im Dienste d. Christ.
316. 362; Fritzner, Ordb. o. d. g. norske sprog I, 62;
Svenska akad. ordb. A1887 f.

Schon das lat. Vorbild antiphona hatte neben sich
eine Variante antefana, die auf roman. Boden nur im
Provenz. und Franz. weiterlebt, nfrz. antienne (< an-
tevene, antiev[e]ne) daneben neuere gelehrte Ent-
lehnungen wie antiphone, -ie , und die auch dem ae.
antefn zugrundeliegt (s. o.). Lat. antiphona seinerseits
geht letzten Endes auf ein als Fem.Sg. umgedeutetes
und sowohl als Subst. wie als Adj. bezeugtes gr. ἀν-
τίφωνα n.pl. zurück, was (in der Oktave) dagegen-
tönt
(vgl. auch die antike Definition bei Isid., Etym.
VI, 19, 7: ex Graeco interpretatur vox reciproca;
das vielzitierte gr. *ἀντιφώνη und dgl. sind nir-
gendwo nachzuweisen). Thes. ling. lat. II, 172 f.; Mit-
tellat. Wb. I, 711 f.; Du Cange I, 304; Körting, Lat.-
rom. Wb.3 Nr. 705; Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.3 Nr.
505; Wartburg, Frz. et. Wb. I, 102; Gamillscheg, Et.
Wb. d. frz. Spr.2 40; Trésor de la langue franç. III, 143.
163; Chantraine, Dict. ét. gr. 91 f. (ἄντα); Frisk, Gr.
et. Wb. II, 1058 f. (φωνή).

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