arawz, -eiz
Band I, Spalte 308
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arawz, -eiz f. kons. (auch i-)St., nur in Gl.
vom 9.15. Jh.: Garten- oder Feld-Erbse; Ki-
chererbse; pisum, auch pisa, cicer
(Pisum sati-
vum oder arvense, Cicer arietinum L. und an-
dere bot. Arten); für langes -i- spricht der Beleg
arawîz Sg. 292, Gl. 2, 623, 28; schon ahd. be-
gegnen auch Pl.formen auf -i nach der i-Dekl.
Var.: ar(e)weiz; ara-, ar(e)wiz, -wez, -wuz,
-waz; mit Umlaut erew-, eriw-, erwiz (zum
Umlaut s. Paul, Mhd. Gr.20 § 29, 5; E. Schröder,
AfdA. 24 (1898), 29 f.; arbeit); die Formen
mit -ei- sind später und nur im Bair. belegt, wo-
bei häufig nicht zwischen Sg. und Pl. zu unter-
scheiden ist, Braune, Ahd. Gr.13 § 240 ff.: bei
Wörtern wie Erbse wird ja die Kollektiv- oder
Mehrzahl oft durch die Grundform ausge-
drückt, dagegen die einzelne Erbse durch eine
Ableitung oder Umschreibung (vgl. Schulze, Kl.
Schriften 81). Auch im Mhd. begegnen For-
men mit und ohne Umlaut, arwîz, ärwiz, dane-
ben Varianten wie ar(e)weiz, arwiz und vom 15.
Jh. an mit -b-: arbeiz, erbîz (der Wandel von w
zu b ist besonders häufig nach r und l, vgl. ger-
wen, gerben, Wilmanns, Dt. Gr. I § 123). Nhd.
hat sich, wie bei den meisten früheren f. i-Stäm-
men, die Pl.form auf -en durchgesetzt, aus der
dann wohl nachträglich die (viel seltenere)
Sg.form gefolgert wurde (so Wilmanns, Dt. Gr.
III, 2 § 192 bes. 3).

Ahd. Wb. I, 619 ff.; Starck-Wells 33; E. Björkman,
Zfdt.Wortf. 2 (1902), 231 f.; Graff I, 465; Schade 24;
Lexer I, 91; Benecke I, 56; Dt. Wb. III, 739 (unzurei-
chend); Kluge21 170.

Auch in den dt. Mdaa. von heute sowie in der Um-
gangssprache begegnet das Wort mit und ohne Um-
laut, desgl. oft einsilbig im (häufig kollektiven) Sg., s.
Schweiz. Id. I, 429; Fischer, Schwäb. Wb. II, 764 f.;
Schmeller, Bayer. Wb.2 I, 135; Kranzmayer, Wb. d.
bair. Mdaa. in Österr. I, 377 ff. (Arwēiß, Ä-); Müller,
Rhein. Wb. II, 144 ff.; Christmann, Pfälz. Wb. II,
921 f. (Erbs); Vilmar, Id. von Kurhessen 95 (Erwes);
Müller-Fraureuth, Wb. d. obersächs. Mdaa. 297; Men-
sing, Schleswig-holst. Wb. I, 162 ff. (Arf[t]). 1061
(Erf). Reichhaltige Übersicht bei Marzell, Wb. d. dt.
Pflanzennamen III, 796 ff.

Verwandte des ahd. Wortes finden sich fast in
allen germ. Dialekten, so as. erit, auch eriuit
(Gl. 4, 207, 38 und Wadstein, Kl. as. Spr.denkm.
180, vgl. Katara, Gl. d. Cod. Sem. Trev. XII,
111), mndd. erwet(e), pl. -en, -e (daneben
arwet[e], erwit[te], erwte, erfte, arfte, auch ērt
f.), nndd. erwten pl. u. ä.; mndl. erwete (auch a-),
errit, nndl. erwt; nordfries. (Sylt) jārt (<
*eært) und neuwestfries. (j)ætǝ (< *eærtǝ),
Siebs, Gesch. d. fries. Spr. 1404. 1413; im Alt-
engl. steht dafür ein dem lat. pisa entlehntes pe-
ose, pise, daneben im Sinne von Wicke ae. earfe
f., zurückgehend auf lat. erva, das wohl als F.
Sg. verstanden wurde (s. Pogatscher, Gr., lat. u.
rom. Lehnw. im Ae. 72 f.); im Skand. heißt es
aisl. ertr, dessen ausl. -r als stammhaft empfun-
den und in der Dekl. verallgemeinert wurde (er-
tra, ertrum), aber nisl. erta sg., ndän. ært,
nnorw. ært neben dial. ærter f., nschwed. ärt(a)
(woraus lapp. ærtta[r], Quigstad, Nord. Lehnw.
im Lapp. 356): daß die skand. Wörter aus dem
Mndd. entlehnt seien, wie E. Olson, Ark. f. nord.
fil. 31 (1915) 137 wollte, wird meist bestritten,
so von H. Pipping, Stud. i nord. fil. 8 (1917),
12 f., im Hinblick auf sehr frühe archäologische
Funde im Norden.

Fick III (Germ.)4 19 f.; Holthausen, As. Wb. 16;
Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 125. 616;
Schiller-Lübben, Mndd. Wb. I, 744; Verdam, Mndl.
handwb. 46. 169; Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 159;
Vries, Ndls. et. wb. 161; Holthausen, Ae. et. Wb. 85.
245; Bosworth-Toller, AS Dict. 232; Suppl. 170;
Vries, Anord. et. Wb.2 105; Jóhannesson, Isl. et. Wb.
69. 982; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 52; Falk-
Torp, Norw.-dän. et. Wb. 196; Hellquist, Svensk et.
ordb.3 1447. S. auch Grimm, Dt. Gr.a II, 211.

Außergerm. liegt Zusammenhang nahe mit gr.
ὄροβος Erbse, vielleicht < *ἔροβος in Analo-
gie zu Dekl.formen mit Akzent auf der zweit-
letzten Silbe wie ὀρόβου, so J. Schmidt,
Zfvgl.Spr. 32 (1893/94), 325, dagegen W.
Schulze, ebd. 48 (1917/18), 236, der alten Ab-
laut o: e (mit e-Stufe beim Neutr. wie in ὀρός:
serum) zugrundelegt. Dazu kommt die schon
bei Homer belegte Ableitung ἐρέβινϑος
Kichererbse mit dem vorgriech. Suffix -inth-
(auch -ind-, -ith-, -id-), das in anderen Pflan-
zennamen wie λέβινϑος (gleicher Bed., s. He-
sych II, 187 Z. 83), ῥάβινϑος, γέρινϑος wieder-
kehrt. Hierher gehört weiterhin, mit Synkope
des Vokals der zweiten Silbe, lat. ervum eine
Hülsenfrucht
(< *eroom) und es scheint sich
ein idg. Ansatz mit Labiovelar *erego-:
*erogo- zu ergeben, der aber für germ. *araw-
in eine idg. Basis *orogh- mit Ablaut und aspi-
riertem Labiovelar abzuändern wäre (andern-
falls germ. *-kw-!), während air. arbar Ge-
treide
, pl. arbanna Körner auf vorkelt. *org-
zurückführt (s. Vendryes, Lex. ét. de l’irl. anc.
A85. O28; Pedersen, Vgl. Gr. d. kelt. Spr. I,
109; Dict. of Irish A378 (arbar). O153; Wh.
Stokes, Zfvgl.Spr. 37 [1904], 254). Zum Suffix
-nth- s. Kretschmer, Gesch. d. gr. Spr. 402 ff.;
H. Güntert, Labyrinth 28; Chantraine, Form. des
noms gr. 370; Windekens, Le pelasgique 11;
Schwyzer, Gr. Gram. I, 404. 526; L. Deroy,
Glotta 35 (1956), bes. 180 ff.

Bedenkt man die lautlichen Diskrepanzen, die,
wie schon A. Debrunner notierte (N. Jbb. f. d.
klass. Alt. 41 [1918], 445, so auch G. Ipsen,
Streitberg-Festschrift [1924], 231 und zuletzt
noch einmal E. Seebold, Zfvgl.Spr. 81 [1967],
127), sich nach den üblichen Lautregeln nicht
auf eine einheitliche idg. Formel bringen lassen
(wie noch P. Kretschmer meinte, Glotta 30
[1943], 133), dazu die schwierige idg. Deu-
tung des Stammes und die abweichende Suffi-
gierung der anklingenden Varianten, so wird
man zu der Annahme neigen, zumal im Hin-
blick auf die nichtidg. Endung -ινϑος im
Griech., daß auch der Wortkern einer nichtidg.
ostmittelmeerischen (pelasgischen: Winde-
kens) Sprache entstammt und sich nur in den
auch sonst vielfach zusammengehenden idg.
Sprachen Griech., Lat., Germ. (und Kelt.) ein-
gebürgert hat.

Walde-Pokorny I, 145; Pokorny 335; Mayrhofer, K.
et. Wb. d. Aind. I, 48; Frisk, Gr. et. Wb. I, 549 f. (ἐρέ-
βινϑος); II, 424 (ὄροβος); Boisacq, Dict. ét. gr.4 273;
Chantraine, Dict. ét. gr. 824 f.; Walde-Hofmann, Lat.
et. Wb. I, 419 f. 863; Ernout-Meillet, Dict. ét. lat.4
202; Vendryes, Lex. ét. de l’irl. anc. O28. Vgl. auch
Hoops Reallex. I, 622 ff.; ders., Waldbäume und Kul-
turpflanzen 463. Abliegende Spekulationen über die
Form des nichtidg. Vorläufers bei G. Ipsen, Streitberg-
Festschrift (1924), 230 ff.

Versteht man sich demnach zu einer nichtidg.
Entlehnung, so kann auch bei der noch immer
ungeklärten Ableit.silbe des ahd. Wortes nicht
weiter von alten Ablautstufen (etwa germ.
*-ait-: *-īt-: *-it-, bestenfalls von analogisch-
sekundären) die Rede sein, wie etwa noch bei
Noreen, Urg. Lautlehre 92; S. Bugge, PBB 24
(1899), 438 f.; O. Wiedemann, BB 28 (1904), 46.
50; auch ist ja bekannt, daß Suffixe, die idg. -d-
enthalten, fast nur im Griech. zu belegen (κε-
δριδ- Frucht der Zeder) und auch dort
nichtidg. Herkunft verdächtig sind, s. Brug-
mann, Grdr.2 II, 1, 466 ff.; Meier, -ίδ-: Zur
Gesch. eines gr. Nom.suffixes, bes. 81 ff. Viel-
mehr dürfte es sich um schwerkontrollierbare
lautliche Anpassungsvorgänge handeln. S. auch
agaleizi. Völlig abwegig ist jedenfalls, in for-
maler wie bed.mäßiger Hinsicht, der immer
wieder zitierte Einfall von G. Binz, ZfdPh. 38
(1906), 371, in einem urg. *ar(a)w-ait- eine Zss.
mit dem ae. belegten āte Hafer (ne. oats), ahd.
eiz Geschwür zu sehen. Aber auch das oft her-
angezogene gr. ἄρακος Hülsenfrucht (Schra-
der, Spr.vgl. u. Urgesch.3 427; dagegen Walde-
Hofmann, Lat. et. Wb. I, 420), sowie aind. arav-
inda- n. Lotosblume (s. W. Porzig, ZfInd. u.
Iran. 5 [1927], 268 f.; dagegen Frisk, Gr. et. Wb.
I, 549 f.) bleiben endgültig aus dem Spiel.

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