arm¹
Band I, Spalte 331
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arm1 m. a-St. (Ober- oder Unter)Arm (des
menschl. Körpers), brachium, lacertus, ulna, cubi-
tus (-um)
; auch übertr. Kraft, Macht; Mee-
resarm, sinus
(oder Schoß? s. Ahd. Wb. I,
644); Var.: aram-, arim mit Sekundärvokal,
aber selten, s. Braune, Ahd. Gr.13 § 65. Auch
im Mhd. lautet die Form gewöhnlich arm st. m.,
daneben arn bes. im Alem.-Schwäb., wie auch
heute noch in manchen Mdaa. Nhd. Arm m.
In den dt. Mdaa. von heute wird das Wort
Arm oft durch Hand ersetzt, so wie Bein durch
Fuß.

Ahd. Wb. I, 642 ff.; Schützeichel3 10; Starck-Wells
34; Graff I, 425 f.; Schade 24; Lexer I, 93 ff.; Benecke
I, 57; Dt. Wb. I, 551 ff.; Kluge21 30.

Das ahd. Wort hat lautgerechte Entsprechun-
gen in sämtlichen germ. Dialekten; as. mndd.
arm; andfrk. arm (Helten, Aostndfrk. Psal-
menfrg. 47), mndl. arm, auch aerm, arem, erm,
nndl. arm; afries. erm (mit Umlaut verursacht
durch folgendes -rm-, s. Steller, Abr. d. afries.
Gr. § 3 Anm. 2), daneben arm; ae. earm (mit
Brechung, Sievers-Brunner, Ae. Gr.3 § 79, 1),
me. arm (auch arum, erm), ne. arm; aisl. armr,
nnorw. ndän. nschwed. arm; got. arms m. i-St.
(armins akk. pl.: ein nachträglicher Wechsel
verursacht durch den Zusammenfall der a- und
i-St. im Sg. [sowie im Gen. Pl.]; Streitberg,
Got. El.buch34 § 152 Anm. 3 a).

Fick III (Germ.)4 18; Holthausen, As. Wb. 4; Sehrt,
Wb. z. Hel.2 34; Berr, Et. Gl. to Hel. 34; Lasch-
Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 121; Schiller-Lübben,
Mndd. Wb. I, 126; Verdam, Mndl. handwb. 44;
Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 21; Vries, Ndls. et. wb. 19;
Holthausen, Afries. Wb. 21; Richthofen, Afries. Wb.
713; Holthausen, Ae. et. Wb. 86; Bosworth-Toller, AS
Dict. 233 f.; Suppl. 172; ME Dict. AB, 380 f.; OED I,
448 f.; Oxf. Dict. of Engl. Et. 50; Vries, Anord. et.
Wb.2 14; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 32 f.; Holthausen,
Vgl. Wb. d. Awestnord. 6; Falk-Torp, Norw.-dän. et.
Wb. 32; Torp, Nynorsk et. ordb. 7; Hellquist, Svensk
et. ordb.3 31 f.; Feist, Vgl. Wb. d. got. Spr. 58.

Ein zu erschließendes urg. *arm-az hat auch
außergermanisch zahlreiche Entsprechungen,
so aind. īrmá- (< idg. *ьrǝmó-, **H2Hmó-;
Thumb, Handb. d. Skr.2 I § 96) Arm, Vorder-
schenkel
; av. arǝma- Arm, osset. arm Arm;
auch hohle Hand. Das Griech., das in ἀρα-
ρίσκω, Perf. ἄρᾱρα an-, zusammenfügen die
eigtl. Bed. der idg. Wz. *ar(ǝ)- (**H2er[H]-)
weiterführt, ist wie immer reich an Weiterbil-
dungen auf -m-: ἄρμενος angefügt, ausgerü-
stet
, dazu ἁρμός Zus.fügung, Gelenk, Schul-
ter
und ἅρμα Wagen, beide mit Spiritus asper,
dessen Ursache Sommer, Griech. Lautstudien
133 ff. in der folgenden Kons.verbindung -rm-
sah; andere vermuten, daß die Endung ursprl.
ein -s- enthielt, so Chantraine, Form. des noms
gr. 175 (ἅρμα < *ar-s-m); A. Meillet, BSLP
28 (1927/28), c.-r. 21 f.; wieder anders ders.,
MSLP 10 (1898), 140 Fn. 1. Im Lat. heißt der
oberste Teil des Oberarms armus, wohl mit Syn-
kope aus *aramos < *arǝmos, **H2erHmo-;
Sommer-Pfister, Lat. Laut- und Formenlehre4
51. 109; hierher gehören auch arma pl. Gerät,
Waffen
(nicht zu arcēre als Abwehrwaffen,
wie F. Hartmann im Gefolge von Varros De lin-
gua lat. V, 115 vorschlug, Glotta 4 [1913], 157)
und armentum Rudel zusammenweidender
Tiere
. Das Arm. ist mit der Ableit. armukn El-
lenbogen
(Meillet, Esquisse d’une gr. comp. de
l’Arm.2 42 f.) vertreten, dessen -ukn von mukn
Maus, Muskel beeinflußt sein mag, vgl. auch
arm. y-armar passend und als weitere Zeug-
nisse für die Wz. *ar-: a-nem ich mache, arari
ich habe gemacht, s. S. Bugge, Zfvgl. Spr. 32
(1893), 21. Auch die slav. Entsprechungen füh-
ren auf eine Grdf. *arǝm-, **H2erHm- zurück,
so aksl. ramo (= ὦμος) Schulter (s. Sadnik-
Aitzetmüller, Handb. zu den aksl. Texten 111),
russ. rámo, serbo-kroat. rȁme, pl. -ena, auch
rȁmo, poln. rami; die balt. Varianten dagegen
auf *ьrǝm-, **H2Hm-: apreuß. irmo f. Arm
(Elbinger Dt.-preuß. Voc. Nr. 109), lit. ìrmliga
und ìrmd Gicht, eigtl. Armfraß, lett. ę̃rmi
Hölzer, die die Wagendeichsel halten (lit. ar-
maĩ pl. dss. ist nach Alminauskis, Germanismen
d. Lit. 27, ostpreuß. Lehnw., s. Ziesemer, Preuß.
Wb. I, 202). Fürs Kelt. ist eine aus ON er-
schlossene agall. Form *aramo- Flußarm
schwerlich ernstzunehmen, um so weniger als
nichts davon im Gäl. oder Brit. weiterlebt (s.
U. Hubschmied, Vox Romanica 3 [1938], 69 Fn.
5, und Zfcelt. Ph. 23 [1943], 217; dagegen Wart-
burg, Frz. et. Wb. I, 119). Immerhin sind Ent-
sprechungen von ahd. arm, wie dies bei Bez.
menschlicher Körperteile (Fuß, Knie, Herz,
Zahn u. a.) häufig der Fall ist, so reichlich über
das gesamte Idg. verbreitet, daß sich mit einiger
Sicherheit eine idg. schwere Basis *arǝ-mo-:
*ṝ-mo- (Pokorny 58) ergibt, die seinerseits auf
die idg. Wz. *ar(ǝ)- fügen, passen zurückgeht.

Walde-Pokorny I, 69 ff.; Pokorny 55 ff.; Mayrhofer,
K. et. Wb. d. Aind. I, 96; Bartholomae, Airan. Wb.
197; Frisk, Gr. et. Wb. I, 142 f. (ἅρμα). 128 (ἀρα-
ρίσκω); Boisacq, Dict. ét. gr.4 73; Chantraine, Dict. ét.
gr. 110 f.; Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. I, 67 ff.; Er-
nout-Meillet, Dict. ét. lat.4 47 f.; Hübschmann, Arm.
Gr. 425; ders., Etym. d. osset. Spr. 24; Trautmann,
Balt.-Slav. Wb. 13 ff.; Vasmer, Russ. et. Wb. II, 490;
Trautmann, Apreuß. Spr.denkm. 347; Fraenkel, Lit. et.
Wb. 186 f.; Mühlenbach-Endzelin, Lett.-dt. Wb. I,
575 ff.

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