aspid
Band I, Spalte 372
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aspid m. oder n. a-St. Schlange, Natter, as-
pis
, einmal belegt im ahd. Isidor 42, 1 (um 800):
ubar dhes aspides hol = super foramine aspidis.
Auch im Mhd. wird das Wort mehrmals er-
wähnt, aber in der Form des lat. nom. sg. aspis
st. f., so an bekannter Stelle in Trevrizents Be-
richt von den auch bei Amfortas (aber sonst nur
gegen Schlangenbiß) angewandten Mitteln
(Wolframs Parzival 481, 8 kurz nach 1200),
dann wieder in Konrad von Megenbergs Buch
der Natur (um 1350) 262, 11 (hrsg. von F. Pfeif-
fer): aspis haizt ain asp, und sonst noch ein paar-
mal bis zum Ende des Mittelalters. In nhd. Zeit
ist es nur noch als zool. Fachausdruck (neben
Aspisviper) gebräuchlich.

Ahd. Wb. I, 679; Schützeichel3 11 (mit Fragezeichen);
Graff I, 491; Lexer I, 101; Nachtr. 35; Benecke I, 65
(aspis f.).

Es ist klar, daß wir es mit einer Entlehnung aus
dem Lat. zu tun haben, ja, Formen wie nom. pl.
aspides, gen. pl. -um und wohl auch gen. sg.
aspidis bei Notker sind sicher dem Lat. zuzu-
schreiben. Andererseits dürfte an der oben zi-
tierten Stelle, allwo dem lat. aspidis ein ahd.
aspides gegenübersteht, kein Zweifel sein, daß
der vielgerühmte Isidor-Übersetzer eine Ver-
deutschung beabsichtigte, indem er den nicht-
umgelauteten Stamm aspid- des lat. Ausdrucks
zugrundelegte. Auf ähnlich gelehrtem Wege
hat sich das lat. Wort auch in der Romania ein-
gebürgert: span. aspid, port. aspide, aitalien.
aspide (neben aspe), so auch afrz., mit erneuter
Entlehnung nfrz. aspic; auch ae. aspide m.
stammt zunächst wohl unmittelbar aus lat.
Quelle, um in anglonorm. Zeit durch afrz.
aspide bestätigt zu werden; und doch mußte so-
wohl me. aspide wie das daneben gebräuchliche
aspis (das auch fürs Mndl. bezeugt ist), im Neu-
engl. der noch jetzt allein gültigen Kurzform
asp weichen. Parallel zur engl. Entwicklung
scheint auch auf dt. Boden vorübergehend eine
Kurzform asp (sowie aspin-tier, Germania 17
[1872], 354) im Umlauf gewesen zu sein (s. o.;
vgl. ahd. sarc für sarcophagus); aber während in
England dem Gleichklang mit bot. asp durch
die Differenzierung aspen für den Espenbaum
abgeholfen wurde, fiel das zool. asp im Deut-
schen wohl der Homonymie zum Opfer.

Thes. ling. lat. II, 842 ff.; Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.3
Nr. 711; Wartburg, Frz. et. Wb. I, 157; Verdam, Mndl.
handwb. 46; Holthausen, Ae. et. Wb. 7; Bosworth-
Toller, AS Dict. 54; Suppl. 51; ME Dict. AB, 431;
OED I, 492; Oxf. Dict. of Engl. Et. 54.

Wie häufig bei Fachwörtern auf dem Gebiete der
Botanik oder Zoologie, war das lat. Wort. aspis, -idis
f. (akk. sg. noch -ida neben -idem) seinerseits aus gr.
ἀσπίς, -ίδος entlehnt worden, indem man es den kons.
Stämmen der lat. 3. Dekl. vom Typ lapis, -idis zuge-
sellte (so Kühner, Ausf. Gr. d. lat. Spr.2 I § 80 S. 366).
Die Etym. des griech. Wortes ist nicht sicher geklärt:
falls es sich nicht um ein Fremdwort handelt, und
Lewy, Semit. Fremdw. im Griech. 13, überzeugt nicht,
bietet gr. ἀσπίς Schild in übertr. Sinne noch immer
die plausibelste Erklärung und zwar wegen des beim
Angriff schild- oder scheibenähnlich erweiterten Hal-
ses
(so Frisk, Gr. et. Wb. I, 169; vgl. auch Brehms
Thierleben2 VII, 416 ff. s. v. Schildotter: fordert zur
Vergleichung mit einem Schilde gleichsam heraus
).
Weniger wahrscheinlich bleibt jedoch die Herkunft
aus gr. *ἀ(ν)σπιδής adj. (dem Körper) entlang ge-
breitet
, Bechtel, Lexilogus 67 f.; E. Fraenkel, Zfvgl.
Spr. 43 (1910), 202 ff.; ganz unannehmbar ist F. Holt-
hausens Vorschlag, IF 39 (1921), 64.

Walde-Pokorny II, 658; Pokorny 983 f.; Lex. d. früh-
griech. Epos I, 1425 ff. (Lit.).

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