ast
Band I, Spalte 373
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ast m. i-St. Ast, Zweig, ramus, surculus, frons;
Segelstange, antemna
, einmal akk. pl. asti noch
ohne Umlaut (Gl. 1, 150, 7: Pa, 8./9. Jh., obd.),
sonst esti, -e; dat. pl. estin, -en. Mhd. ebenfalls
ast st. m., pl. este, nhd. Ast, Äste. In obd. Mdaa.
und auch sonst sehr häufig Nast (< den, ein-
[en] Ast) seit dem 16. Jh., vgl. Schweiz. Id. I,
572 ff.; Fischer, Schwäb. Wb. I, 344 f. (Nast
vorherrschend
); Müller, Rhein. Wb. I, 287 f.

Ahd. Wb. I, 680 f.; Schützeichel3 11; Starck-Wells 36;
Graff I, 478 f.; Schade 33; Lexer I, 102; Benecke I, 66;
Dt. Wb. I, 588; Kluge21 34.

An germ. Entsprechungen zu ahd. ast gibt es
nur as. mndd. ast, mndl. nndl. ast im Sinne von
Arm eines Kreuzes, und got. asts (a-Dekl.)
Ast, aber nichts im Fries., Engl. oder Skand.;
dafür begegnet eine Form mit Dehnstufe:
mndd. ōst (westfäl. aust), mndl. oest; ae. ōst
(adj. ōstig) Knoten im Holz, Knorren am
Stamm
.

Fick III (Germ.)4 559; Holthausen, As. Wb. 4; Lasch-
Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 128; Schiller-Lübben,
Mndd. Wb. II, 244 (ōst); Woeste, Wb. d. westf. Mda.
13; Verwijs-Verdam, Mndl. wb. I, 480 (ast); V, 19
(oest); Verdam, Mndl. handwb. 389; Franck, Et. wb. d.
ndl. taal2 466; Vries, Ndls. et. wb. 479; Holthausen,
Ae. et. Wb. 243; Bosworth-Toller, AS Dict. 768; Feist,
Vgl. Wb. d. got. Spr. 60.

Auch außergerm. sind Verwandte des ahd.
Wortes sehr dünn gesät: aus dem Griech. ge-
hört hierher ὄζος, das nach gr. Lautregeln eine
Transkription von *ozdos ist, außerdem arm.
ost, gen. ostoy und möglicherweise heth. aduir
n. (kollektiv) Zweige, Reisig, Abfall, das zuerst
von E. H. Sturtevant, Lang. 4 (1928), 163 so
identifiziert wurde. In der gemeinsamen
Grundform, die nach K. F. Johansson, IF 14
(1903), 323, *ddo- lauten sollte, sehen manche
seit K. Brugmann, IF 19 (1906), 379 Anm. (s.
auch Grdr.2 II, 2, 816, und IF 37 [1916/17],
247 f.) eine Zss. aus der adnominalen Partikel
* : * nahe bei, zusammen mit, (grenzend) an
(s. Schwyzer, Gr. Gram. II, 491) und der
Schwundstufe *-sd- der idg. Wz. *sed- sitzen,
sich (an)setzen, eine Stelle einnehmen
. Mit An-
gleichung an das sth. -d- ergibt sich daraus
[zd], das im Griech. zunächst bleibt, geschrie-
ben ζ oder σδ (lesb. ὔσδος Zweig), aber seit
dem 4. Jh. als [ts] gesprochen wird (Schwyzer,
Gr. Gram. I, 330 f.) (Vgl. auch das gr. Homo-
nym ὄζος Gefährte, eigtl. Beisitzer, Frisk, Gr.
et. Wb. I, 116; Boisacq, Dict. ét. gr.4 686 f.). Im
Germ. resultiert nach der 1. Lautverschiebung
-st-, also *ast-a-z < *ozd-o-s Ansitzen, -sitzer,
Ansatz (am Stamm)
. Ähnlich entwickelte sich
wohl arm. ost, während die Geschichte von
heth. aduir umstritten bleibt.

Diese formal unanfechtbare Etym. schien noch bestä-
tigt durch verwandte Vddhi-Bildungen mit Dehn-
stufe ō-, wie die obengenannten mndd., mndl. und ae.
Belege mit der leicht modifizierten Bed. Stelle, wo
ein Zweig am Stamm (an)sitzt
(s. W. Schulze, Zfvgl.
Spr. 63 [1936], 28; vgl. auch Darms, Schwäher u.
Schwager 236) sowie durch die lautlich parallele Bil-
dung ahd. nest (s. d.) < *ni-zd-o-s Einsitzen, -sitzer,
Einsatz
(von Vögeln; nicht Nieder-, s. Schulze, Kl.
Schriften 71 Anm. 3). Nur scheint im Falle von Nest,
worauf M. Bloomfield, Lang. 3 (1927), 213 f., zuerst
hingewiesen hat, die Wz. *sed- in passivischer Funk-
tion Ort, in dem (ein)gesessen wird und in der spezi-
fischen Bed. einer Körperbewegung gebraucht, im
Unterschied zu dem, was sich dem Stamme anfügt
daher seine Deutung auch von Ast < *o-zd-o-s als
Ort, worauf (von Vögeln) gesessen wird. Wie
schwerwiegend diese Einwände sind, dürfte von der
Beurteilung der doch nicht nur von Lebendem ge-
brauchten idg. Wz. *sed- abhängen: sie liegt ja u. a.
auch in Wortbildungen vor wie ae. anord. sōt Ruß,
eigtl. (am Herd) Ansitzendes (oder Angesetztes).
Vgl. auch noch die vielleicht parallele Bed.entwick-
lung von gr. ὄσχος, ὤσχη Weinrebe, zurückgehend
auf *-zh-o-, -ā und damit auf die Schwundstufe
*sh-, zu der auch gr. ἔχω, σχεῖν gehören, also was
(sich am Stamm) festhält
, Frisk, Gr. et. Wb. II, 440.

Walde-Pokorny I, 95 (*e: *o). 186 (*ozdos); II, 486
(*sed-); Pokorny 280. 785 f. 887; Frisk, Gr. et. Wb. II,
353; Boisacq, Dict. ét. gr.4 686 f.; Chantraine, Dict. ét.
gr. 776 f.; Hübschmann, Arm. Gr. 482; Tischler, Heth.
et. Gl. 206 f.; Friedrich, Heth. Wb. 64.

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