bâbes, bâbest
Band I, Spalte 413
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bâbes, bâbest m. a-St., nur einmal ohne -t in
Notkers Boethius 6, 13; darnach meist mit ausl.
-t in den Gl. des 12.14. Jh.s: Papst, papa, apo-
stolicus
. Im literarischen Mhd. begegnen neben
bâbes und bâb(e)st auch Varianten mit anl. p-,
die sich auch schon mit inl. -p- frühnhd.
und nhd., wohl unter gelehrtem Einfluß, durch-
zusetzen beginnen. Luther schwankt noch zwi-
schen Babst und Bapst, Adelung (177486) ent-
scheidet sich für Papst. Nur in PN erhält sich
vielfach die ältere Schreibung Pabst (s. Bach,
Dt. Namenkunde I, 1 § 14). Trotz der darauf-
folgenden Kons.verbindung -pst hielt sich die
Länge des Stammvokals, wohl dank dem Ne-
beneinander von zwei- und einsilbigen Varian-
ten (s. Wilmanns, Dt. Gr. I § 249, 2).

Ahd. Wb. I, 769; Schützeichel3 12; Starck-Wells 39;
Graff III, 322; Schade 35; Lexer I, 107; Benecke I,
75 f.; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 410; Dt. Wb. I, 1120;
VII, 1448 f.; Kluge21 531 f.

Das Wort ist eine relativ späte Entlehnung (
pfaffo) aus dem Romanischen, daher das unver-
schobene anl. b-/p-, wie ähnlich in ahd. bech/
pech < lat. picem oder balme/palme < palma
(s. Braune, Ahd. Gr.13 § 133 Anm. 3; Paul, Mhd.
Gr.20 § 87 Anm. 3; Lessiak, Dt. Konsonantismus
204 f.); auch für das epithetische -t nach ausl.
-s (oder n) fehlt es, wie nhd. Palast < mhd. pa-
las dartut, nicht an Parallelen (s. Paul, a.a.O.
§ 105,3; Wilmanns, Dt. Gr. I § 152, 2; allerdings
finden sich mdartl. noch immer Varianten ohne
Schluß-t, s. Follmann, Wb. d. dt.-lothr. Mdaa. I,
18).

Dagegen bleibt das s der Endung in seiner Ver-
einzelung problematisch. Von den lat. Varian-
ten, die ihrerseits auf griech. Sprachgebrauch
zurückgehen, und zwar lat. pap(p)a Vater auf
gr. πάππα (Vokativ) sowie lat. pap(p)ās (-ātis)
auf gr. πάππας, πᾶπας, scheint sich die letztere
Form in Anlehnung an lat. abbās, -ātis u. ä. un-
vermindert erhalten zu haben (s. Leumann, Lat.
Laut- u. Formenlehre 460; Schwyzer, Gr. Gram.
I, 315) und über afrz. papes, mit roman. Erwei-
chung [paes], (neben pape) am Niederrhein
als mndl. paves, paef(e)s, paewes (nndl. pāus), a-
fries. pāwis, -es, pāus, as. pāvos nom. sg. (die Hs.
hat pauos, Anf. 10. Jh., s. Wadstein, Kl. as.
Spr.denkm. 18 Z. 3), mndd. pāwes(t) ins Germa-
nische weitergeleitet worden zu sein; von
dorther ist sie dann wohl nach Süden gedrun-
gen und taucht in einem ersten Beleg bei Not-
ker (Ende 10. Jh.) auf (s. o.).

Das Aengl. andererseits geht mit seinem pāpa,
me. pāpe, pōpe, ne. pope auf den lat. Prototyp
pāpa zurück wie auch das spätere anord. pápa,
-i (wohl auf dem Weg über England); die häu-
figere anord. Form páfi (-v-) dürfte sich als
Kontamination von ae. pāpa und mndd. pāwes
erklären. Hierher gehören auch nnorw. ndän.
pave, nschwed. påve Papst; außerdem air.
pápa (Dict. of Irish P175).

Holthausen, As. Wb. 58; Schiller-Lübben, Mndd. Wb.
III, 312; Verdam, Mndl. handwb. 461; Franck, Et. wb.
d. ndl. taal2 493; Vries, Ndls. et. wb. 511; Holthausen,
Afries. Wb. 82; Richthofen, Afries. Wb. 977; Holthau-
sen, Ae. et. Wb. 245; Bosworth-Toller, AS Dict. 772;
Suppl. 679; Stratmann-Bradley, ME Dict.3 468; OED
VII, 1118; Vries, Anord. et. Wb.2 422 f.; Jóhannesson,
Isl. et. Wb. 1106. 1109; Holthausen, Vgl. Wb. d.
Awestnord. 218; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 818;
Fritzner, Ordb. o. d. g. norske sprog II, 929; Torp, Ny-
norsk et. ordb. 485; Hellquist, Svensk et. ordb.3 615.
Vgl. A. Kock, Ark. f. nord. fil. 19 (190203), 97 f.;
Kahle, Anord. Spr. im Dienste d. Christ. 330; Fischer,
Lehnw. d. Awestnord. passim.

Eine -s-lose Variante papa hat sich einheitlich
in den übrigen Sprachen der Romania breitge-
macht, s. Körting, Lat.-rom. Wb.3 Nr. 6839;
Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.3 Nr. 6209b; Wart-
burg, Frz. et. Wb. VII, 571 ff. Vgl. auch P. de
Labriolle, Bulletin du Cange 4 (1928), 65 ff.

Die adt. Lehnform mit -s wird weiter bestätigt
durch ein davon abhängiges aksl. papeь (s. R.
Rudolf, Zfslav.Phil. 18 [194243], 276 f.) sowie
poln. papie, auf dem nicht nur russ. pape, son-
dern auch lit. pópieius Papst beruhen, wäh-
rend lett. pãvsts auf mndd. pāwest zurückgeht.

Miklosich, Et. Wb. d. slav. Spr. 231; Vasmer, Russ. et.
Wb. II, 311 f.; Fraenkel, Lit. et. Wb. 638; Mühlen-
bach-Endzelin, Lett.-dt. Wb. III, 191. S. auch Seh-
wers, Spr.-kulturhist. Unters. vornehmlich über d. dt.
Einfluß im Lett. 86.

Letzten Endes ist das Wort identisch mit dem
weitverbreiteten Kinderlallwort *pap(p)a; in
seiner lat. Form und Bedeutung Vater bezeich-
nete es in der christlichen Kirche anfangs den
Inhaber jedes angesehenen Amtes wie Bischöfe,
Patriarchen und Äbte; erst Ende des 5. Jh.s
wurde es zum Titel des Bischofs von Rom und
erst unter Papst Gregorius VII. (1075) in dieser
besonderen Funktion in aller Form dekretiert.

Walde-Pokorny II, 4; Pokorny 789; Frisk, Gr. et. Wb.
I, 471 f.; Chantraine, Dict. ét. gr. 855 f.; Boisacq, Dict.
ét. gr.4 746; Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. II, 249; Er-
nout-Meillet, Dict. ét. lat.4 480 (pappa2).

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