bâra
Band I, Spalte 469
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bâra f. ō-St. (Trag)Bahre, Sänfte, lectica, ge-
statorium; Totenbahre, feretrum, loculus, sanda-
pila
. Mhd. bâre st. sw. f. Nhd. Bahre f.

Ahd. Wb. I, 810 f.; Schützeichel3 12; Starck-Wells 42;
Graff III, 150; Schade 40; Lexer I, 127; Benecke I,
144; Dt. Wb. I, 1079 f.; Kluge21 44.

Ahd. bâra, das mit Dehnstufe (< westgerm.
*bāru) zu ahd. beran (s. d.) gehört wie ahd.
skâra zu skeran (s. Wilmanns, Dt. Gr. II
§ 165 d), hat seine Entsprechungen fast in allen
germ. Dialekten, wobei aber zu bemerken ist,
daß das Wort nicht nur, wie viele fem. ō-St.,
zwischen vokal. und n-Dekl. schwankt (s. u.
asächs.), sondern auch der Konkurrenz formal
und bedeutungsmäßig nahestehender Bildun-
gen mit anderer Ablautstufe (-a-) und w-
(wohl auch j-)Erweiterungen ausgesetzt war
und gelegentlich die Bed. Woge, Welle, eigtl.
tragende Wassermasse (mit)übernommen hat
all dies jedoch ohne Folge für die ahd. Voka-
bel: as. bāra (Hel. 2182. 2191: Mon. bāru, Cott.
bārun dat. sg.), mndd. bāre (auch Welle);
mndl. bāre, nndl. baar (daneben berrie < *bar-
[w]jōn); afries. bēre, bāre; ae. bǣr(e), me.
bēr(e), bāre (auch Welle), ne. bier (die Schrei-
bung beeinflußt von frz. bière [< andfrk.
*bę̄ra?]); aisl. bára f. n-St., nur in der Bed.
Welle belegt die Bezeichnung für (To-
ten)Bahre
wurde von aisl. barar (selten -ir, aber
auch brur) f. pl. zu dem mit nicht gedehnter
Ablautsstufe gebildeten *br (< *barō) über-
nommen, s. Noreen, Aisl. Gr.4 § 375 , während
sich in nnorw. båre, ndän. baar(e), aschwed. bār,
nschwed. bår Bahre die Formen mit Dehn-
stufe durchgesetzt haben wie im Westgerm.
*bāru. Vgl. auch Darms, Schwäher u. Schwager
98 f. und Anm. 165 S. 470.

Fick III (Germ.)4 260; Holthausen, As. Wb. 5; Sehrt,
Wb. z. Hel.2 39; Berr, Et. Gl. to Hel. 42; Lasch-
Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 147; Verdam, Mndl.
handwb. 49; Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 25; Vries,
Ndls. et. wb. 24; Holthausen, Afries. Wb. 5; Richtho-
fen, Afries. Wb. 618; Holthausen, Ae. et. Wb. 15; Bos-
worth-Toller, AS Dict. 66; Suppl. 61; ME Dict. AB,
740 f.; OED I, 853; Vries, Anord. et. Wb.2 25; Jóhan-
nesson, Isl. et. Wb. 612; Holthausen, Vgl. Wb. d.
Awestnord. 11; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 39 f.;
Torp, Nynorsk et. ordb. 18 f.; Hellquist, Svensk et.
ordb.3 76.

Außergerm. sind nur wenige nahverwandte
Wortbildungen zu verzeichnen, wie etwa aind.
bhārá- Bürde, bhārya- adj. zu tragen. Jeden-
falls dürfte ein Zusammenhang zwischen ahd.
bâra und lat. Fērōnia Erd- und Totengottheit
oder lat. fērālis den Toten gehörig (mit ver-
meintlicher Dehnstufe zu lat. ferre tragen ge-
sellt, Persson, Beitr. 26; Noreen, Urg. Lautlehre
72; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 39 f.) abzu-
lehnen sein, da andere Verknüpfungen näher
liegen, s. Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. I, 479 f.
485. Auch die formal anklingenden Entspre-
chungen im Slav., wie russ. poln. mary pl.,
tschech. máry pl. Totenbahre, die wiederholt
als germ. Lehnwörter erklärt wurden (Miklo-
sich, Et. Wb. d. slav. Spr. 211; Knutsson, Germ.
Lehnw. im Slav. 26), sind lautlich schwer zu
rechtfertigen, s. Vasmer, Russ. et. Wb. II, 101;
Brückner, Słownik et. polsk. 324. Dagegen stam-
men zweifellos roman. Formen wie prov. bra,
italien. bara aus westgerm., sowie lapp.
(schwed.) paro Welle, (norw.-)lapp. bārro dss.
aus nordgerm. Quelle.

Walde-Pokorny II, 156; Pokorny 131; Uhlenbeck, K.
et. Wb. d. aind. Spr. 199; Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.3
Nr. 1038; Thomsen, Einfluß d. germ. Spr. 161; Quig-
stad, Nord. Lehnw. im Lapp. 102.

S. auch beran.

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