balko, balc(h)o
Band I, Spalte 440
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balko, balc(h)o m. n-St., Gl., einmal Tatian
39, 5 (Balken im Auge), zu den Formen mit
-ch- s. Braune, Ahd. Gr.13 § 143 f.: Balken,
trabs; Preßbalken prelum; (pl.) Laufsteg (im
Schiff), agiavia (Gl. 3, 164, 21 balkun statt bol-
kun etc. der anderen Hss., bolko; für agia-
via vgl. Diefenbach, Gl. lat.-germ. 18 und Mit-
tellat. Wb. I, 384); Schiff, ratis
. Mhd. balke
sw. m. Balken. Im Nhd. gehört das Wort zu
den männl. Sachbezeichnungen, bei denen in-
folge ihrer vorwiegenden Verwendung im Akk.
und den anderen Kasus obliqui die Endung
-(e)n auch auf den Nom. Sg. übertragen und
zugleich im Gen. Sg. ein -s angefügt wurde
nach dem Muster ursprl. a-Stämme wie ahd.
wagan, mhd. wagen Wagen (s. Wilmanns, Dt.
Gr. III § 184, 5).

Ahd. Wb. I, 795 f.; Schützeichel3 12; Starck-Wells 41;
Graff III, 108; Schade 37; Lexer I, 115; Benecke I, 79;
Dt. Wb. I, 1089 f.; Kluge21 46.

Dem ahd. balko entsprechen verwandte Bildun-
gen in fast allen germ. Dialekten (außer Got.):
as. balko, mndd. balke; mndl. balc, balke, nndl.
balk (aus dem Westgerm. stammt afrz. bauc
[13. Jh.], nfrz. bau Quer-, Deckbalken; andere
roman. Entlehnungen sind italien. balco Heu-
boden
, span. port. palco Tritt, Bühne; mit ro-
man. Suffix italien. balcone > frz. balcon >
nhd. Balkon, s. G. Baist, Zfdt.Wortf. 10
[1908/09], 209; Körting, Lat.-rom. Wb.3 Nr.
1183; Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.3 Nr. 907;
Wartburg, Frz. et. Wb. I, 215 f.); afries. balka
Laufplanke; ae. bælc covering, tegmen; auch
Erhöhung zwischen zwei Furchen, daneben
balca, bælca beam; ridge; wooden fetter sowie
bolca m. Laufplanke (< *bulkan-), me.
balk(e), auch bauk(e), ne. balk (auch baulk)
ridge, beam; aisl. blkr (< *balku-), auch
balkr (< *balka-) Scheidewand; Abteil(ung);
Gedicht (ohne Kehrreim)
, nnorw. bolk, balk,
ndän. nschwed. dial. balk (aus dem Nordgerm.
stammen lapp. balkko Balken, Abteilung; finn.
palkku Hauklotz, s. Thomsen, Einfl. d. germ.
Spr. II, 204; auch air. balc Balken ist daher ent-
lehnt, W. A. Craigie, Ark. f. nord. fil. 10 [1894],
156); daneben, mit anderer Ablautstufe und
Brechung anord. bjalki m. Balken (< *belkan-),
nnorw. ndän. bjelke, nschwed. bjälke.

Fick III (Germ.)4 267 f.; Holthausen, As. Wb. 5; Sehrt,
Wb. z. Hel.2 38; Berr, Et. Gl. to Hel. 39; Lasch-
Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 138; Schiller-Lübben,
Mndd. Wb. I, 145 f.; Verdam, Mndl. handwb. 51;
Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 31; Vries, Ndls. et. wb.
27 f.; Holthausen, Afries. Wb. 5; Richthofen, Afries.
Wb. 617; Holthausen, Ae. et. Wb. 16. 30; Bosworth-
Toller, AS Dict. 66 f.; Suppl. 61; ME Dict. AB, 627 f.;
OED I, 636 f.; Vries, Anord. et. Wb.2 70; Jóhannesson,
Isl. et. Wb. 629; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord.
11. 17. 33; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 76 f.; Fritz-
ner, Ordb. over d. g. norske sprog I, 110. 230; Torp,
Nynorsk et. ordb. 15; Hellquist, Svensk et. ordb.3 28.

Aus den reichen Belegen der germ. Einzelspra-
chen ergeben sich die folgenden durch Ablaut
unterschiedenen Grundformen: *balk-: *belk-:
*bulk-, die auf die idg. Wz. *bhel(ǝ)- (s. u.) mit
der im Aind., Griech. und Germ. nicht seltenen
Wz.determinante -- zurückgehen man vgl.
ahd. balko Balken mit mhd. bole Bohle, a-
nord. bolr Baumstamm (s. aber Pokorny 121.
123) oder ahd. skinko Schenkel mit ahd. skina
Schienbein, s. Brugmann, Grdr.2 II, 1 § 387;
Wilmanns, Dt. Gr. II § 284, 2.

Außergerm. vergleicht sich mit ahd. balko nach
Form und Bedeutung in erster Linie gr. φά-
λαγξ, gen. sg. φάλαγγος /-ngos/ rundes oder
längliches Holzstück, Balken
, übertr. (ge-
drängte) Schlachtreihe
, dessen Nasal meist als
sekundär betrachtet wird (in Analogie zu den
zahlreichen griech. Bildungen auf -γγ-, d. i.
/-ng-/, s. Schwyzer, Gr. Gram. 498; anders
Brugmann, Grdr.2 II, 1, 509; vgl. F. Solmsen, IF
30 [1912], 45); auch die Erklärung des Vokalis-
mus ist umstritten: aus der zweisilbigen leichten
Basis *bhьlǝ-? Selbst die Zugehörigkeit von
aind. bhuríjau (Dual), das gemeinhin (Deich-
sel)Arme
bedeuten soll, wird aus formalen so-
wie begrifflichen Gründen meist mit Skepsis
beurteilt, s. K. F. Johansson, IF 2 (1893), 23 ff.;
C. C. Uhlenbeck, PBB 26 (1901) 291, jedoch zu-
letzt Mayrhofer, K. et. Wb. d. Aind. II, 509.

Aus dem Lat. bietet sich nur das Verbalnomen
sufflāmen n. (untergelegter) Sperrbalken, falls
es mit Recht aus *subflg-men (< *-bhlьg-m
oder *-bhlьg-sm?) hergeleitet wird. Vgl. E.
Hamp, riu 27 (1976), 19 f. (für -sm); A. Fick,
BB 1 (1877), 62; Brugmann, K. vgl. Gr. § 205;
Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. II, 625. (Dage-
gen gehört das wegen seiner Bedeutung immer
wieder herangezogene lat. fulcīre stützen nicht
hierher, sondern zu einer k-Erweiterung dersel-
ben Basis *bh- [oder *bhol-], also wohl eher
zur Sippe von gr. φάλκης Planke [im Schiff].
Vgl. Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. I, 559).

Viel verwickelter erweisen sich Entsprechungen
aus dem Slav.-Baltischen, da hier die idg. pala-
talen Verschlußlaute und h zusammenfallen
(im Gegensatz zum Germ., wo sie weiterhin als
k [ahd. balko] bzw. g [ahd. balg, s. d.] kontra-
stieren), so daß man dementsprechend im Slav.-
Balt. mit Homonymen oder ähnlich lautenden
Bildungen rechnen muß, von denen nur die be-
deutungsmäßig sich an Balken, Stütze an-
schließenden unter ahd. balko zu erörtern sind,
wie etwa russ. (mdartl.) bólozno dickes Brett,
sloven. blazína Dachbalken, Querbaum des
Schlittens
, oder lit. balíena(s) dss., lett. bàl-,
bèlziêns Stütze, auch lett. pabàlsts Griff am
Pflug
, bàlzît, pabàlstît stützen.

Zu slav.-balt. Homonymen oder vergleichbaren Bil-
dungen, die sich bedeutungsmäßig von dem Begriff
Aufgeblasenes, Aufgeschwollenes herleiten, balg.
Wenn man trotzdem immer wieder versucht war, die
beiden Wortgruppen auf einen gemeinsamen Ur-
sprung zurückzuführen, so mag das gerechtfertigt
sein, insoweit als man nicht nur in der Wz. *bhelh-
aufblasen, aufschwellen, sondern auch in der durch
die Wz.determinante erweiterten Basis *bhel + -
Stütze, Balken letzten Endes dasselbe Wz.element,
etwa mit der Bed. schwellend, dick, vermutete und
auch die Bedeutungsübergänge vom einen zum an-
dern nicht rundweg abzulehnen sind.

Walde-Pokorny II, 181 f.; Pokorny 122 f.; Frisk, Gr.
et. Wb. II, 985 f.; Boisacq, Dict. ét. gr.4 337. 1011 f.;
Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. II, 625. Trautmann,
Balt.-Slav. Wb. 25 f.; Berneker, Slav. et. Wb. I, 70 f.;
Sadnik-Aitzetmüller, Vgl. Wb. d. slav. Spr. Nr. 268;
Vasmer, Russ. et. Wb. I, 103; Fraenkel, Lit. et. Wb. 33;
Mühlenbach-Endzelin, Lett.-dt. Wb. I, 260.

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