baskiza
Band I, Spalte 498
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baskiza f. ō- (oder n-)St., nur Gl. 2, 740, 44
(Sg 292: basciza [-ss-(?)], 10. Jh. alem. [-frk.]):
Kapsel, Behälter, capsa. Das Wort ist weder im
Mhd. noch im Nhd. zu belegen.

Ahd. Wb. I, 830; Starck-Wells 43.

Ahd. baskiza ist wiederholt mit dem höchst-
wahrscheinlich kelt. bascauda in Zs.hang ge-
bracht worden, und mit Recht: sowohl formal
wie inhaltlich stehen sich die beiden Vokabeln
so nahe, daß sie schwerlich voneinander zu
trennen sind, umso weniger, als nicht die ge-
ringste Konkurrenz besteht von seiten einer an-
deren Wortbildung, sei es im germ., lat. oder
kelt. Bereich. Kelt. bascauda wurde, wie manche
anderen Bezeichnungen besonderer Gefäße,
etwa bacca, tunna, von den Römern schon früh
adoptiert, und zwar mit der Bed. große Wanne,
Becken
(Spülkump, Georges, Ausführl. lat.-dt.
Handwb. I, 791): es begegnet in einem Epi-
gramm von Martial (XIV, 99, um 8485 n.
Chr.), der noch ein Gefühl zu haben scheint für
die britannische Herkunft des barbarischen
Wortes, und, wenige Dezennien später, in einer
Satire (XII, 46) von Juvenal (um 60140 n.
Chr.), dessen Kommentator den exotischen
Ausdruck folgendermaßen erklärt: vasa ubi ca-
lices lavantur, et caccabus (-os)
; spätlat. Wbb.
glossieren bascaudas mit concas aereas oder
aeneas, d. i. eherne Schalen (Corp. gloss. lat. IV,
24 Z. 23; IV, 294 Z. 46 und V, 616 Z. 24); Papy-
rusfunde überliefern das Wort als βασκαύλης
mit Wandel von -d- zu -l- (s. C. Wessely, Wiener
Stud. 24 [1902], 125).

Holder, Acelt. Sprachschatz I, 354 f.; Dottin, Langue
gaul. 231; Thes. ling. lat. II, 1759; Mittellat. Wb. I,
1382 (Gefäßart); Du Cange II, 610; Körting, Lat.-
rom. Wb.3 Nr. 1252; Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.3 Nr.
969.

Gaston Paris, der zuerst in eindringlicher Un-
tersuchung (Romania 21 [1892], 400 ff.) gallo-
roman. bascauda mit seinen Abkömmlingen
identifizierte, erklärte frz. bachou Gefäß aus
Holz oder Flechtwerk
, Tragfaß (afrz. bachoe,
ba[s]choue, bajoe f., Godefroy, Dict. de l’anc.
langue franç. I, 546) mit einem auf der zweitletz-
ten Silbe (lateinisch) betonten bascáuda; sein
Versuch, auch frz. bâche Wagendecke, Plane
hier unterzubringen und es von einem auf der
Anfangssilbe betonten báscauda abzuleiten,
überzeugte weniger (s. A. Tobler, Zfrom. Ph. 17
[1893], 317 und E. G. Parodi, Romania 27
[1898], 215 f.), am wenigsten W. Meyer-Lübke,
der darin wohl mit Recht relativ späte Rückbil-
dungen sah, Sitz.ber. d. Akad. d. Wiss. in Wien
143 (1901), II, 46 f. und Rom. et. Wb.3 Nr. 969.
Das verbietet jedoch keineswegs die Annahme,
daß ein nach germ. Aussprache anfangsbeton-
tes welsches báscauda zu weitgehender Reduk-
tion des schwachbetonten Mittelsilbenvokals
führte, ähnlich wie in ahd. muniza < lat. *mó-
nēta oder buliz < *blētus (s. Kluge, Urgerm.3
§ 16 e; Wilmanns, Dt. Gr.2 II § 274, 5). Während
die Qualität des vorahd. Vokals kaum genauer
zu präzisieren ist, darf mit Sicherheit ein Wan-
del des -d- von bascauda zu -t- im Laufe seiner
Romanisierung (Angleichung an frz. Wortbil-
dungselemente, etwa -ot, s. Ronjat, Parlers pro-
vençaux III, 393) vorausgesetzt werden, und
zwar aufgrund mdartl. Varianten wie frz. bâ-
chot (und bâchotter, Wartburg, Frz. et. Wb. I,
267) sowie me. bascot, bascat (ME Dict. AB,
661), ne. basket; auch L. Spitzer neigte, ohne
von ahd. baskiza zu wissen, zum Ansatz einer
altnorm. oder pikard. Form *baskot (MLN 63
[1948], 58 f.); nur wenn der literarische (?) PN
Basketzer ernst zu nehmen sein sollte (in C.
Rottmanns Novelle Isaak Hennegauer), wäre
für das -z- in ahd. baskiza mit der Affrikata (<
vorahd. -tt-) zu rechnen. Ansonsten zeigt ahd.
baskiza, wie im Alem. des 10. Jh.s zu erwarten,
keine Verschiebung des anl. b- (s. Braune, Ahd.
Gr.13 § 136 und Anm. 3) oder des -k- in der
Kons.verbindung sk- (-sc-), Braune § 146.

Andererseits haben sich die an galloroman. bascauda
anklingenden kelt. Formen der Gegenwart wie ir.
basc(a)eid (Dict. of Irish B43), kymr. basged (Dict. of
Welsh 262 f.) als moderne Lehnwörter aus dem Engl.
erwiesen und scheiden deshalb als eigenwertige Zeug-
nisse der kelt. Wortgeschichte aus (so John Rhys in
OED I, 692). Kaum ernst zu nehmen sind auch die
von O. B. Schlutter, Engl. Stud. 42 (1910), 171 vorge-
brachten Einfälle, ahd. baskiza ließe sich als Zss. aus
adt. bast und dem dt.-mdartl. kieze Tragkorb erklä-
ren, wie nach demselben Schema engl. basket aus
dem ne. bass Bast, auch Matte und kit Behältnis.

Zur etym. Analyse des galloroman. Wortes s.
Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. I, 97 s. v. bas-
cauda f. eherner Spülnapf einer aus Britannien
stammenden Form
, wo der Wortkern, vgl. ir.
basc Halsband, als urverwandt mit lat. fascia
Binde, Band vermutet und für den Wortaus-
gang auf lat. al-auda und galloroman. bag-au-
dae verwiesen wird. Vgl. auch Walde-Pokorny
II, 136; Pokorny 115; Fick II (Kelt.)4 163; Pe-
dersen, Vgl. Gr. d. kelt. Spr. I, 77; Vendryes,
Lex. ét. de l’irl. anc. B21 f. (basc1).

S. auch bast.

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