bechari
Band I, Spalte 507
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bechari m. ja-St., nur in Gl.: Becher, Opfer-
schale, Mischkessel, *bicarium, phiala, crater, cya-
thus
Var.: bechari, pechari, beckari, bicher (13. Jh.),
beker (14. Jh.). Mhd. becher st. m.; nhd. Becher.

Ahd. Wb. I, 838 f.; Starck-Wells 44; Graff III, 46;
Schade 674; Lexer I, 137; Benecke I, 96 f.; Diefen-
bach, Gl. lat.-germ. 73 (bicarium). 155 (crater); Dt.
Wb. I, 1213; Kluge21 59.

Dieses Lehnwort aus dem Lat. (s. u.) hat auch
seine Entsprechungen in as. bikeri, mndd. bē-
ker; mndl. nndl. beker. Wohl aus dem As. ent-
lehnt sind aisl. bikarr, nisl. nnorw. bikar,
aschwed. bikar(e); aus dem Mndd. aschwed.
bekare, nschwed. bägare, ndän. bæger. Das Wort
ist ae. nicht belegt; me. biker, ne. beaker sind
wohl skand. Lehnwörter (aber vgl. Björkman,
Scand. Loanwords 231).

Aus dem Germ. ist das Wort dann nach Nor-
den und Osten gewandert: finn. pikari, estn. pē-
ker, piker, liv. bikār; lett. bik’eris Becher usw.;
aruss. bkarь, nruss. bekar’ ein Salzmaß; aruss.
paxirъ Becher, bulg. pachár dss. (mbulg. pech-
arnik, pacharnik pincerna), sloven. pehár Be-
cher, Backschüssel aus Stroh für den Brotteig
,
serbo-kr. pèhr Becher, Backtrog (die Formen
mit anl. p- und inl. Spiranten sind aus dem
Obd. entlehnt); über ungar. pohár auch slovak.
pohár (daraus tschech. pohár), poln. pu(c)har,
ukrain. pógar, pugár’ Becher, Kelch.

Holthausen, As. Wb. 7; Wadstein, Kl. as. Spr.denkm.
172; Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 190;
Schiller-Lübben, Mndd. Wb. I, 211 f.; Verdam, Mndl.
handwb. 68; Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 45; Vries,
Ndls. et. wb. 41; ME Dict. AB, 846; OED I, 726 f.;
Vries, Anord. et. Wb.2 36; Jóhannesson, Isl. et. Wb.
951; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 16; Falk-
Torp, Norw.-dän. et. Wb. 122 f.; Torp, Nynorsk et.
ordb. 23; Hellquist, Svensk et. ordb.3 77; s. Fischer,
Lehnw. d. Awestnord. 56. 146. 198. Thomsen, Ein-
fluß d. germ. Spr. 162; T. E. Karsten, IF 26 (1910), 249;
ders., Germ.-finn. Lehnw. 163. 165; E. N. Setälä,
Finn.-Ugr. Forsch. 13 (1913), 425; J. Sehwers, Zfvgl.
Spr. 54 (192627), 167; Mühlenbach-Endzelin, Lett.-
dt. Wb. I, 295; Kiparsky, Gemeinslav. Lehnw. aus d.
Germ. 155; Miklosich, Et. wb. d. slav. Spr. 234; Vas-
mer, Russ. et. Wb. I, 70 f.; II, 327; Sadnik-Aitzetmül-
ler, Vgl. Wb. d. slav. Spr. Nr. 230.

Das germ. Wort ist aus spätlat. *bic(c)arium,
*bic(c)arius (als be-, ba-, pi-, pec[c][h]arium,
-arius belegt, vgl. Mittellat. Wb. I, 1467) ent-
lehnt, woraus auch u. a. afrz. pichier (> me. pi-
cher, ne. pitcher), italien. bicchiere, pecchere;
span. port. pichel. Das erst sehr spät bezeugte
lat. *bic(c)arium usw. wird entweder zu gr. βῖ-
κος irdenes Gefäß mit Henkeln (einem Wort
unbekannter Herkunft; vgl. Frisk, Gr. et. Wb. I,
237: wahrsch. ägyptisches Wort; Chantraine,
Dict. ét. gr. 176), oder zu lat. bacar vās vīnā-
rium
, nur Festus-Paulus 28 (aus bāca, bacca
[Wein]Beere abgeleitet?), gestellt.

Zu βῖκος: u. a. Kluge21 59; Vries, Ndls. et. wb. 41;
Wartburg, Frz. et. Wb. I, 361 f.; Diez, Et. Wb. d. rom.
Spr.5 52; Mittellat. Wb. I, 1467; Sadnik-Aitzetmüller,
a.a.O.

Zu bacar: u. a. Vries, Anord. et. Wb.2 36; Jóhannesson,
a.a.O. 951; Falk-Torp, a.a.O. 122; Hellquist, a.a.O.
77; Körting, Lat.-rom. Wb.3 Nr. 1130 (s. u.). Du
Cange I, 673 f. und Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 geben
beide Möglichkeiten an.

Gegen die Verknüpfung mit bacar spricht die Tatsa-
che, daß eine Schwächung a > i im Spätlat. sonst
nicht nachzuweisen ist. Jedenfalls verdankt biccarium
sein -cc- viell. der Einwirkung von bacca, während
Nebenformen wie bacarium, becarium wohl aus Kon-
tamination von bicarium und bacar entstanden sind.
Anl. p- statt b- hat keine sichere Erklärung, ist aber
viell. auf dt. Einfluß zurückzuführen. Ja, Körting,
a.a.O. geht so weit, daß er ahd. bechar, pechar unmit-
telbar aus lat. bacar herleitet, während die spätlat./ro-
man. Formen bic(c)arium usw. aus dem Germ. mit
verändertem ersten Vokale
zurückentlehnt worden
seien.

S. auch beckîn.

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