alûne
Band I, Spalte 185
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alûne st. f., alûn st. m. n. Alaun, alumen (3
mal als alune, 2 mal als alun belegt, nur in Gl.,
12.14. Jh., mhd.). Daneben spätmhd. Formen
wie alûm, alm sowie ein sw. v. alûnen mit
Alaun gerben
, übertr. durchgerben, prügeln
(fünfmal in Wolframs Parzival). Nhd. Alaun
m.

Ahd. Wb. I, 308; Starck-Wells 22; Graff I, 239;
Schade 13; Lexer I, 46; Benecke I, 27; Diefenbach,
Gl. lat.-germ. 27; Dt. Wb. I, 200; Kluge21 12.

Die außerdt. Parallelen von mhd. alûn(e), die
wie alle germ. und idg. Entsprechungen direkte
oder indirekte Lehnbildungen aus lat. alūmen
bitteres Tonerdesalz, Alaun darstellen (vgl.
Pauly-Wissowa, Realenzykl. I, 1296 f.; Schrader,
Reallex. d. idg. Alt.2 I, 39. 142 f.), lauten wie
folgt: mndd. al(l)ūne f., al(l)ūn m.; aluun n.,
nndl. aluin für die ndl. Formen darf mit Si-
cherheit, wohl aber auch für die hd. und ndd.,
eine Vermittlung über frz. alun (< lat. alūmen)
angenommen werden. Dafür spricht das ausl.
-n (obgleich spätmhd. zuweilen auch -m er-
scheint) sowie die relativ späte Zeit ihres ersten
Vorkommens (12. Jh.), vgl. auch Suolahti, Frz.
Einfluß im 13. Jh. VIII, 48; X, 48. Wie so oft,
führen die skand. Gegenstücke allesamt auf
mndd. al(l)ūn m. zurück, dementsprechend
dän., norw., schwed. alun sowie nisl. álún.

Fick III (Germ.)4 21; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. I, 1, 59. 65; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. I,
57; Verdam, Mndl. handwb. 38; Franck, Et. wb. d. ndl.
taal2 15; Vries, Ndls. et. wb. 14; Vries, Anord. et. Wb.2
686 (l); Jóhannesson, Isl. et. Wb. 40; Holthausen,
Vgl. Wb. d. Awestnord. 357; Falk-Torp, Norw.-dän.
et. Wb. 22 (s. auch s. v. øl); Torp, Nynorsk et. ordb. 3;
Ordb. o. d. danske sprog I, 499; Hellquist, Svensk et.
ordb.3 15; Svenska akad. ordb. A1168 ff.

Nur das Engl. geht in der Entlehnung seine eigenen
Wege. Die in ae. Gl. z. T. verderbt überlieferten For-
men (al)efne = alumen ł stipteria (Epin. Gl. bei
Wright-Wülcker, AS and OE Vocabularies 134 Z. 38;
ähnlich 146, 21) und ælifnæ = alumnis (anstatt *alu-
minis, beides gen.) sind von M. Förster, Anglia 41
(1917), 138 und Anm. 1 und Flußname Themse 664 f.
Anm. 2 auf akymr. *alifn (mkymr. elyf) zurückge-
führt worden und darüber hinaus auf lat. alūmina
(vulg. lat. wohl *almne), ähnlich wie kymr. llafn sich
aus lat. lāmina (über vulg. lat. *lmna) ergab. Aber
schon in mengl. Zeit trat dafür eine vielleicht gelehrt
beeinflußte Neuentlehnung ein, die sich als alūm,
auch alum(m)e u. ä., ne. als alum widerspiegelt.

Holthausen, Ae. et. Wb. 10; Bosworth-Toller, AS
Dict. Suppl. 15; ME Dict. AB, 231 f.; OED I, 259 f.
Vgl. auch A. Pogatscher, AfdA. 25 (1899), 4; Ritter,
Beitr. z. engl. Spr.gesch. 169.

Auch im Kelt. der Neuzeit sind die einst lautgerecht
als Lehnwörter aus dem Lat. entwickelten Formen
durch moderne Wiederentlehnung aus dem neueren
Engl. ersetzt worden: nkymr. alwm, nir. alm (für älte-
res al[a]mu, auch ailim), bret. alum. S. Dict. of Welsh
76; Dict. of Irish A283; Vendryes, Lex. ét. de l’irl.
anc. A60; Hessens Ir. Lex. I, 46.

Wie zu erwarten, haben die balt. und slav. Sprachen
gleichermaßen ihre Bezeichnung für Alaun nicht un-
mittelbar aus lat. alūmen, sondern auf dem Weg über
das Mndd. bezogen, daher lit. alũnas m., lett. alũns,
aluôns und kl. russ. hałun, poln. ałun, hałun, atschech.
alún (15. Jh.); soweit Formen mit anl. g- auftreten
wie sloven. galûn, golûn neben alûn oder im westl.
Russ. galun, sind dt.-bair. Mdaa. die Quelle (s. u.).

Fraenkel, Lit. et. Wb. 8 f. (alùs; s. auch Zfslav. Ph. 11
[1934], 37 ff.); Mühlenbach-Endzelin, Lett.-dt. Wb. I,
69. Vgl. J. Sehwers, Zfvgl. Spr. 53 (1925), 108; A.
Senn, Germ. Lehnwortstudien 47. Vasmer, Russ. et.
Wb. I, 256; Berneker, Slav. et. Wb. I, 28; Miklosich,
Et. Wb. d. slav. Spr. 2; Sadnik-Aitzetmüller, Vgl. Wb.
d. slav. Spr. Nr. 42.

Die lat. Vokabel selbst ist eine -men-Ableit. von
dem St. alu-, der mit oder ohne Dentalerwei-
terung (idg. *alu-, *alud-, *alut-) auch der äl-
testen Bezeichnung für (unverhopftes) Bier im
Germ. zugrundeliegt (ae. ealo; anord. l; lit.
alùs, sloven. ól); seine Bedeutung war herb, bit-
ter, durchdringend (oder adstringierend)
von
Geschmack oder Geruch, wie sie im ersten
Wortglied einer Hesych-Glosse bestätigt wird:
ἀλύδοιμον πικρόν (I, 115 Z. 84). Über den
möglichen Ansatz eines Verbums *alu()ō s.
Muller, Aital. Wb. 22; R. Thurneysen, IF 21
(1907), 175; zu einem ganz ähnlichen Bedeu-
tungswandel vgl. russ. kvas säuerliches Ge-
tränk
, pl. Alaun, Vasmer, a.a.O. I, 546.

In den Mdaa. von heute gibt es obd. noch eine volks-
tüml. Variante Alet (frühnhd. Alat, Alant); aus Kärn-
ten und Steiermark werden Formen mit anl. g-, wohl
in Anlehnung an die (ebenso bittere) Galle, gemeldet
wie galaun, golau(n) (s. o.). Schweiz. Id. I, 173; Fi-
scher, Schwäb. Wb. I, 125; Jutz, Vorarlb. Wb. I, 58;
Schmeller, Bayer. Wb.2 I, 888; Lexer, Kärnt. Wb. 4;
Unger-Khull, Steir. Wortschatz 263; Kranzmayer,
Wb. d. bair. Mdaa. in Österr. I, 125.

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