apful
Band I, Spalte 298
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apful m. a-/i-St. Apfel (Frucht von Malus
communis), auch mythologisch oder in künstli-
cher Nachbildung, gelegentlich den ganzen
Baum bezeichnend (so Gl. 3, 303, 48) sowie an-
dere dem Apfel ähnliche Früchte (wie Granat-
apfel
) und übertragen Augapfel Var.: apf-,
ap(p)h-, aff-; -el, -il, -ol; im Pl. meist mit anl. e-;
dazu später auch Sg.formen mit aus dem Pl.
übertragenem Umlaut. Mhd. apfel; nhd. Ap-
fel.

Der Labial im ahd. Wort erscheint als Affrikata (pf)
oder Spirans (ff) und erklärt sich aus einem Para-
digma mit Wechsel zwischen apfl- (< *applu) und
afful- (< *apulu), was später und meist schon ahd.,
zugunsten von -pf- ausgeglichen wurde (dagegen af-
foltra, s. d.), vgl. F. Kauffmann, PBB 12 (1887), 519;
W. Streitberg, PBB 14 (1889), 114; Wilmanns, Dt. Gr.
I § 141, 1; Kluge, Urgerm.3 § 159; Baesecke, Einf. in d.
Ahd. 77 f. 81; Braune, Ahd. Gr.13 § 96 Anm. 4 c. (Aller-
dings kann die Schreibung -ff-, zumal in hochalem.
Texten, auch gelegentlich für die Affrikata stehen,
Braune, Ahd. Gr.13 § 131 Anm. 4). Der Sekundärvo-
kal zwischen p und l, nur einmal als -a- bezeugt
(Gl. 3, 475, 45), erscheint meist als u oder o, später als
e, wie in ahd. nebul, snabul, s. H. Paul, PBB 6 (1879),
206 f.; Schatz, Abair. Gr. § 43; Baesecke, Einf. in d.
Ahd. 44; Schatz, Ahd. Gr. § 53 f. 98 (mögliche Einwir-
kung von Wörtern mit altem ul). 361; Braune, Ahd.
Gr.13 § 64 c. Der Pl. von ahd. aphul, der nach der i-
Deklination gebildet wird, ephili (Braune, Ahd. Gr.13
§ 216), hat e- mit Sekundärumlaut des Stammvokals
und assimilatorischem Wandel des -u- der Mittelsilbe
zu -i-, später -e-, Baesecke, Einf. in d. Ahd. 24;
Braune, Ahd. Gr.13 § 27 Anm. 4. Singularformen, wel-
che schon ahd. mit Umlaut-e erscheinen (wie vielfach
mundartlich heute, s. u.), sind wohl der Analogie des
vorwiegend gebrauchten Pl. zu verdanken (schwer-
lich analog den relativ seltenen Diminutivformen,
epfilî).

Ahd. Wb. I, 612 ff.; E. Björkman, Zfdt.Wortf. 2 (1902),
210 f. (ältere Übersicht der ahd. Belege mit lat. Ent-
sprechungen); Schützeichel3 10; Starck-Wells 32;
Graff I, 173 ff.; Schade 23; Lexer I, 86 f.; Dt. Wb. I,
5326; Kluge21 27. S. auch E. Hamp, Zfcelt.Phil. 37
(1979), 158 ff.

Das ahd. Wort hat Verwandte in sämtlichen
germ. Sprachen, so as. appul neben apl und apel
(Wadstein, Kl. as. Spr.denkm. 109, 20. 112, 17; s.
auch Holthausen, As. El.buch2 § 142 Anm.
[-ul]. 143 Anm. 1 [apl]. 237. 269 Anm. 2; Gal-
lée, As. Gr. § 133, 2 und Anm. 2. 298 Anm. 3),
mndd. mndl. nndl. appel; afries. appel, nfries.
appel, pl. appels; im Aengl. entspricht die Form
æppel, daneben æpl, appel, apl, eapl (vgl. apuldur,
æppuldre s. v. affoltra; s. auch Wright, OE Gr.3
§ 54. 57. 219. 255. 397; Bülbring, Ae. El.buch
§ 444. 542; Sievers-Brunner, Ae. Gr.3 § 10. 189.
228. 273 und Anm. 2 und 3), me. appel, ne.
apple. Wie ahd., wiederholt sich im übrigen
Westgerm. das Gegenspiel von Formen mit -p-
und -pp- und der Ausgleich zugunsten der ei-
nen oder der anderen Form. Dagegen hat im
Nordgerm. eine neutr. -ja-Bildung, aisl. anorw.
epli (< *apljan), das frühere apal- überwu-
chert, das nur in Zss. wie anord. apal-grár ap-
felgrau
sich erhielt; dazu kommt eine n-Bil-
dung, apli m. Stier od. Pferd (von apfelgrauer
Farbe)
. Im heutigen Skandinavischen entspre-
chen nnorw. eple, ndän. æble, nschwed. äpple
(aschwed. æple). Krimgot. apel zeugt wohl für
ein im Got. nicht belegtes *apl(u)s, kann aber
nicht als Beweis gelten, daß im Krimgotischen
p vor l nicht gedoppelt wurde (so Stearns, Cri-
mean Gothic 128 und § 5. 4. 2. 2 (S. 57); Krahe-
Meid, Germ. Spr.wiss. I § 85).

Fick III (Germ.)4 14 f.; Holthausen, As. Wb. 3; Lasch-
Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 116 f.; Verdam, Mndl.
handwb. 42; Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 19 f.; Richt-
hofen, Afries. Wb. 607; Doornkaat Koolman, Wb. d.
ostfries. Spr. I, 47 f.; Holthausen, Afries. Wb. 4; Bos-
worth-Toller, AS Dict. 16 f.; Suppl. 17; Holthausen,
Ae. et. Wb. 11; ME Dict. AB, 321 ff.; Vries, Anord. et.
Wb.2 103; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 21. 981; Holthau-
sen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 5 (apal-grár und apli). 51
(epli); Torp, Nynorsk et. ordb. 90; Falk-Torp, Norw.-
dän. et. Wb. 1411; Hellquist, Svensk et. ordb.3 1441 f.;
Feist, Vgl. wb. d. got. Spr. 54.

Die germ. Belege führen auf eine vorgerm.
Grundform *ablu- (s. E. Hamp, Zfcelt.Phil. 37
[1979], 158 ff.), für die sich lautgesetzliche Ent-
sprechungen im Kelt. sowohl wie im Balt.-Slav.,
wohl auch im Italischen finden: air. ubull n.
(später m.), akymr. afal, mbret. aval Apfel; im
Lit. heißt der Apfel obuols (westlit. óbuolas),
lett. âbuõlis (ein io-St.), âbuõls (o-St.), apreuß.
woble f. Im Slav. führen die Bezeichnungen für
Apfel auf eine Grundform mit langem ā-, er-
weitert durch das Suffix -ko-, das die Bedeu-
tung des Wortkerns meist nur wenig verändert
(s. Meillet, tudes sur l’ét. du v. slave 333 ff.;
Sławski, Słownik etym. jz. polskiego 479 ff.):
aksl. (j)ablъko n., russ. jabloko, tschech. jablko,
poln. jabłko usw.

Fick II (Kelt.)4 11; Holder; Acelt. Spr. I, 5; Dottin,
Langue gaul. 229; Thurneysen, Gr. of OIr. § 45; Hessens
Ir. Lex. 1 f.; Vendryes, Lex. ét. de l’irl. anc. A6;
Trautmann, Balt.-Slav. Wb. 2; Fraenkel, Lit. et. Wb.
515; Senn, Wb. d. lit. Schriftspr. II, 322 f.; Mühlen-
bach-Endzelin, Lett.-dt. Wb. I, 234 f.; Trautmann,
Apreuß. Spr.denkm. 465; Miklosich, Et. Wb. d. slav.
Spr. 1; Berneker, Slav. et. Wb. I, 22 f.; Vasmer, Russ.
et. Wb. III, 476 f.

Auf italischem Boden hat seit alters der Name
des äpfeltragenden Städtchens Abella, das
schon Vergil besingt (maliferae moenia Abellae,
Aeneis VII, 740), dazu verführt, daß man die
Bezeichnung des Apfels von Abella herleitete
und sie als Lehnwort bei den Kelten und von
dort bei den Germanen sowohl wie im Baltisch-
Slavischen sich einbürgern ließ so schon in
Cormacs air. Glossar aus dem 11. Jh. (zitiert bei
W. Stokes, Irish Glosses [Dublin, 1860], 79 Nr.
555: Aball, from a town of Italy called Abel-
lum, i. e. it is thence that the seed of the apples
was brought formerly
), und so noch bei Hol-
der, Acelt. Spr. I, 5 und vor allem bei Schrader,
Reallex. d. idg. Alt.2 I, 524, sowie in der von
Schrader besorgten 6. Aufl. von Hehn, Kultur-
pflanzen und Haustiere (1894), 594. Und doch
sprechen sowohl die obenerwähnten Ablautva-
rianten des Wortes sowie das aus älterem -b-
verschobene -p- der germ. Formen gegen ein-
zelsprachliche Entlehnung und für Urver-
wandtschaft. So ist man heute wohl vielmehr
geneigt, in dem Ortsnamen Abella (falls nicht
< *Aberla < *Aprolā, Buck, Gr. of Oscan and
Umbrian § 91. 103,3. 157,1) seinerseits einen
Reflex der von den Oskern nach Italien mitge-
brachten Bezeichnung des Apfels zu vermuten,
der seine Parallelen in dt. ON wie Affaltrach
und Apolda finden würde ( affoltra), während
der Apfelname selber im Kelt., Germ., Balt. und
Slav. aus einer gemeinsamen idg. Adoptions-
form *blu- vererbt sein dürfte. Beschränkung
einer Vokabel auf einen Teil des Idg., zumal
wenn es um die Pflanzenwelt mit ihren klimati-
schen und bodenkundlichen Bedingtheiten
geht, ist ja nichts Ungewöhnliches und so mag
es wohl sein, daß die nur den genannten idg.
Sprachen gemeinsame Wortform ihrerseits
sowie das von ihr Bezeichnete letzten Endes
auf einer sehr alten nichtidg. Entlehnung be-
ruht (s. Jóhannesson, Isl. et. Wb. 981). Das
hatte schon Schade angedeutet (Adt. Wb. 23:
mong. alima, ungar. alma, finn. omena), wäh-
rend Schrader solch weitläufige Genealogie der
europäischen Apfelbezeichnung ausdrücklich
zurückwies (Reallex. d. idg. Alt.2 I, 54); ein
jüngster Versuch in dieser Richtung wurde von
H. Berger gewagt im Zusammenhang mit Mit-
telmeerischen Kulturpflanzen aus dem Burusa-
ski
, Mü.Stud. z. Spr.wiss. 9 (1956), 2633 (S. 29
tauchen daselbst auch finn. omena, turksprach-
lich alma wieder auf, diesmal als Reflexe der
voridg. Vokabel; auch Fraenkel, Lit. et. Wb.
515 äußert sich skeptisch).

Wie dem auch sei, angesichts der reichhaltigen
und weitverbreiteten neolithischen Funde, die
nicht nur Reste von wildwachsenden Holzäp-
feln, sondern auch schon von halbveredelten
Apfelsorten aus der Steinzeit (durch Umpflan-
zen auf günstigeren Boden) zutage förderten,
dürfte das Wort Apfel auch schon für die letz-
teren im Schwange gewesen sein, Apfelsorten,
die immerhin dem von Griechen und Römern
gezüchteten Edelobst so nahe kamen, daß
sich ihre Bezeichnung ohne Neuentlehnung
auch auf alle späteren Arten übertragen ließ
in der Geschichte der Edelobst-Terminologie
ein fast einzigartiger Fall.

Walde-Pokorny I, 50 f.; Pokorny 1 f.; Fick I (Idg.)4
349 (großenteils abzulehnen); Brugmann, Grdr.2 I, 2
§ 807; Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. I, 3; Ernout-
Meillet, Dict. ét. lat.4 3. R. Much, Zfösterr.Gymn. 47
(1896), 608; ders., DLZ 41 (1920), 555; E. Björkman,
Zfdt.Wortf. 2 (1902), 210 f.; Hoops, Waldbäume u.
Kulturpflanzen 476 ff.; ders., Reallex. I (1911), 114.

In Orts- und Geländenamen trifft man ahd. ap-
ful, wie auch andere Bezeichnungen von Baum-
früchten, aber im Gegensatz zu der Ableit. af-
foltra (s. d.) äußerst selten an: einmal Apfelbach
(in Württemberg), 1096 Apfelbach, das andre
Mal im Rheinland und dementsprechend un-
verschoben, Appelbach, 893 Appul-a (d. i. -aha
Wasser, Fluß). S. Förstemann, Adt. Namen-
buch23 II, 1, 1715; Bach, Dt. Namenkunde II
§ 187.

In den deutschen Mdaa. von heute wird für Ap-
fel, wie sporadisch schon im Ahd. (s. o.), viel-
fach die umgelautete Pluralform auch im Sin-
gular gebraucht, vor allem in den obd. Dialek-
ten, s. Schweiz. Id. I, 367; Fischer, Schwäb. Wb.
I, 291 ff.; Martin-Lienhart, Wb. d. els. Mdaa. I,
58; Ochs, Bad. Wb. I, 66; Kranzmayer, Wb. d.
bair. Mdaa. in Österr. I, 272 ff.

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